US-Militär greift Fabrik von LafargeHolcim an

Kurdische Kämpfer in Syrien stellten angeblich Zement für Tunnels her.

Solche Kampfflugzeuge flogen die Angriffe gegen die Zementfabrik von LafargeHolcim (Archivbild). Foto: AP

Solche Kampfflugzeuge flogen die Angriffe gegen die Zementfabrik von LafargeHolcim (Archivbild). Foto: AP

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Erneut bereitet dem Schweizer Zementriesen LafargeHolcim seine syrische Fabrik Jalabiya Sorgen. Zwei Kampfflugzeuge des Typs F-15 griffen diese Woche das Fabrikgelände in Nordsyrien an. Das gab am Donnerstag ein Sprecher der Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat über ­Twitter bekannt. Beim Luftangriff sei «der militärische Nutzen der Fabrik reduziert» worden.

Wie gross die Zerstörungen sind, wurde nicht berichtet. Der von den USA angeführten Allianz gehören 67 Länder sowie die Europäische Union, die Arabische Liga und die Nato an.

Vor dem Luftangriff hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in einer Rede LafargeHolcim beschuldigt, «Terroristen» mit Zement aus der syrischen Fabrik zu versorgen. Das ist eine Falschanschuldigung, denn der ­weltgrösste Zementhersteller hat das Werk seit September 2014 weder direkt noch indirekt betrieben. Es gehört ihm aber nach wie vor.

Doch gemäss Medienberichten und Tweets haben Kämpfer der Kurdenmiliz YPG und der Kurdischen Arbeiterpartei PKK in der von LafargeHolcim verlassenen ­Fabrik Zement hergestellt, um damit entlang der Grenze zur Türkei ­Bunker und Tunnels in der Gesamtlänge von neunzig Kilometern zu ­bauen. Von dort aus hätten sie Angriffe auf türkisches Gebiet gestartet. Ob Erdogan damit recht hat, ist ­bisher nicht belegt.

Französische Justiz ermittelt wegen Terrorfinanzierung

Für LafargeHolcim ist der Luftangriff eine weitere Hiobsbotschaft aus Syrien. Wegen mutmasslicher Terrorfinanzierung ermittelt die französische Justiz gegen den Zementkonzern, der 2015 aus der Fusion der französischen Lafarge mit der schweizerischen Holcim hervorging. Im März 2017 hatte das Unternehmen erstmals zugegeben, dass die französische Lafarge SA in den Jahren 2013 und 2014 mit islamistischen Terrorgruppen in Syrien kollaboriert hatte. Die örtlichen Verantwortlichen in ­Jalabiya hatten Weg- und Schutzzölle in der Höhe von 15 Millionen ­Dollar an ­bewaffnete Gruppen gezahlt. Ein Teil davon ging an die Terrormiliz Islamischer Staat.

Das Hauptziel war der Schutz der Fabrik, die sich Lafarge fast 700 Millionen Dollar hatte kosten lassen. Nach dem Luftangriff von dieser Woche dürfte sie schwer zerstört sein. Wie stark, weiss LafargeHolcim nicht. Ein Sprecher am Hauptsitz in Zug sagt: «Wir haben keine Kenntnisse über die Lage vor Ort.»



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Erstellt: 19.10.2019, 20:25 Uhr

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