VBS nimmt 120 Schweizer Gewerblern Arbeit weg

Garagisten verlieren auf einen Schlag Aufträge – ­Duro-Wartungen macht jetzt ein ausländischer Konzern. Eine öffentliche Ausschreibung gab es nicht.

Wird woanders gewartet: Armeelaster Duro. Foto: Keystone

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David Glauser, Chef einer mechanischen Reparaturfirma in Heimberg im Kanton Bern, hat sich zu früh gefreut. Vor drei Jahren hatte das Parlament auf Antrag des VBS beschlossen, 2220 alte Armeelastwagen für den exorbitant hohen Preis von je 200'000 Franken von Grund auf modernisieren zu lassen.

Den Auftrag im Umfang einer halben Milliarde Franken bekam zwar die dem US-Rüstungskonzern General Dynamics gehörende Thurgauer Panzerfabrik Mowag. Das VBS versprach aber, dass die Mowag Unteraufträge an 170 Schweizer Firmen weiterreichen werde. Industriepolitik nennt man das. Glauser freute sich.

Doch jetzt kommt für ihn und viele andere Kleinfirmen das böse Erwachen. Denn das VBS hat Wichtiges verschwiegen: Es hatte mit dem grossen Duro-Modernisierungsauftrag klammheimlich auch gleich den Auftrag für die jährlichen Unterhalts- und Reparaturarbeiten an die Mowag vergeben. Und der US-Konzern hat diese sogleich dem schwedischen Fahrzeugbauer Scania weitergereicht, statt sich an die bisherige Praxis der Armee zu halten und dafür kleine Schweizer Firmen zu berücksichtigen.

120 Reparaturwerkstätten in der gesamten Schweiz, welche die Arbeiten bis anhin erledigt haben, verlieren damit auf einen Schlag wichtige, weil regelmässige Reparatur- und Unterhaltsarbeiten. Im vergangenen Jahrzehnt waren das Aufträge im Umfang von rund 40 Millionen Franken.

Praktisch über Nacht wurden die Aufträge gestoppt

Glausers Firma gehört zu den 120 Verlierern. «Wir hatten einen auf diese Fahrzeuge spezialisierten Lastwagenmechaniker. Der Duro-Unterhalt machte bis zu 70 Prozent seiner Arbeit aus», sagt Glauser. Seine Firma erwirtschaftete mit Duros jährlich einen Umsatz zwischen 100'000 und 150'000 Franken. Glausers Vertrauen in den Staat hat gelitten. Denn die Mowag erhält diesen Reparatur-Grossauftrag unter der Hand, das heisst ohne Ausschreibung oder Konkurrenzofferten.

Beat Wehren aus Hasliberg im Berner Oberland gehört ebenfalls zu den Geprellten. Auch er hat eine Reparaturfirma für Nutzfahrzeuge. Und auch er hatte sich auf Duros spezialisiert: «Wir hatten jährlich rund 20 Duros instand gehalten. Damit wir diese Aufträge bekamen, musste ich einen Kurs machen. Wir haben, um die Flexibilität zu erhöhen, für Duros eine zusätzliche Hebebühne angeschafft.»

Praktisch über Nacht wurden die Aufträge jetzt gestoppt. Wehren findet das Vorgehen «ungerecht». Viele andere Firmen erzählen Ähnliches. Die meisten wollen sich nicht öffentlich äussern; man will es sich mit dem mächtigen VBS nicht verscherzen.

Armasuisse spricht von «Kosteneffizienz»

Was Gewerblern besonders sauer aufstösst: Die Chefs der Panzerfabrik haben ihnen geschrieben, dass sie sich nun bei ihr bewerben können, um weiterhin Duro-Service-Arbeiten ausführen zu können. Glauser bewarb sich. Er bekam eine kurze Antwort: Sein Standort sei nicht geeignet.

So erging es auch den 120 anderen. Für viele Gewerbler ist klar: Die Anfrage der Mowag war eine Farce, Mowag habe schon längst gewusst, dass sie alle Wartungs- und Servicearbeiten an Scania gebe.

«Wir finden es nicht korrekt, dass die Mowag ein so hohes Unterhaltsvolumen, welches mit Bundesgeldern bezahlt wird, über die nächsten 20 Jahre eigenmächtig und ohne transparente Ausschreibung vergeben durfte», sagt Glauser. Die Mowag will sich dazu nicht äussern. Und die Armasuisse, die Beschaffungsstelle des VBS, begründet ihr Vorgehen mit «Kosteneffizienz». Dass sie den Reparatur-Grossauftrag an die Mowag nicht öffentlich ausgeschrieben hat, rechtfertigt sie mit einer Ausnahmeklausel im Gesetz.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.02.2019, 08:12 Uhr

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