Vekselbergs Geheimplan zur Rettung des Stahlriesen

Im Streit um Schmolz + Bickenbach wird fieberhaft über eine Lösung verhandelt. Ein Durchbruch in letzter Minute scheint möglich.

Bringt als Alternative eine reduzierte Kapitalerhöhung ins Spiel: Viktor Vekselberg. Foto: Getty Images

Bringt als Alternative eine reduzierte Kapitalerhöhung ins Spiel: Viktor Vekselberg. Foto: Getty Images

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Aus heutiger Sicht droht die Kapitalerhöhung, die am Montag an der ausserordentlichen Generalversammlung des Schweizer Stahlunternehmens Schmolz + Bickenbach (S + B) beschlossen werden soll, zu scheitern. Der grösste Aktionär, die von Viktor Vekselberg beherrschte Liwet Holding, lehnt den vorgelegten Rettungsplan ab. Anzunehmen ist, dass auch der drittgrösste Aktionär gegen die Kapitalerhöhung stimmt. Dafür könnte ein Alternativplan zur Anwendung kommen, sofern sich die Grossaktionäre nicht doch noch einigen.

Vorerst scheint die Rechnung des Investors Martin Haefner nicht aufzugehen. Er wollte 325 Millionen Franken in das strauchelnde Unternehmen einschiessen, unter der Bedingung, dass er nachher 37,5 Prozent der Anteile hält und damit zum grössten Aktionär wird. Er wollte insbesondere auch Vekselbergs Einfluss beschränken und ihn daran hindern, seinen Anteil bei der Kapitalerhöhung zu erhöhen. Dem Vernehmen nach geht es Haefner darum, dass er, wenn er schon so viel Geld einschiesst, mehr Stimmen hat als Liwet und die S+B-Beteiligungsgesellschaft zusammen.

Problematisch war Haefners Aussage am Mittwoch in der «Finanz und Wirtschaft». Er sagte: «Eine Ablehnung der Kapitalerhöhung an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember wäre gleichbedeutend mit einem Gang zum Konkursrichter am nächsten Tag.» Das hat bei den Kunden, Lieferanten und nicht zuletzt bei den 10'000 Mitarbeitern von S+B grosse Verunsicherung ausgelöst.

Sprecher Ulrich Steiner widerspricht ­Haefner jedoch klar: «Wir müssen sicher nicht am Dienstag vor den Konkursrichter. Wir verfügen aus heutiger Sicht bis in den Januar über genügend Liquidität.» Für die Mitarbeiter gibt er allerdings nur bedingte Entwarnung: «Aus heutiger Sicht sind die Löhne für den Dezember gesichert», sagt er. «Vieles hängt von den Lieferanten, den Kreditversicherern und von den Banken ab.» Man sei mit allen seit Wochen im Gespräch.

Bei UBS und Credit Suisse in der Kreide

«Wenn die Kapitalerhöhung abgelehnt wird, dann suchen wir weiter nach einer anderen Lösung», sagt Steiner weiter. Dass die Firma Ende Januar Geld braucht, liegt an den Banken. Seit Wochen suchen sie mit der Unternehmensspitze und den Aktionären nach einer Lösung. Sie sind selbst unter Druck: Insgesamt haben sie 375 Millionen Euro an Krediten ausstehend, wie aus Unterlagen der Übernahmekommission hervorgeht. Zu den kreditgebenden Banken zählen neben der deutschen Commerzbank namentlich die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

«Im Moment erfüllen wir die Kreditbedingungen der Banken nicht, aber wir haben bis Ende Januar Zeit, eine Lösung zu finden», sagt Steiner. «Bis dann können wir auch nochmals eine Generalversammlung ansetzen, falls die Kapitalerhöhung abgelehnt wird. Um die Kreditbedingungen zu erfüllen, brauchen wir zwingend mehr Eigenkapital.» Hinzu kommt ein Problem mit den Obligationären. Laut Steiner müsste das Unternehmen die Obligationen «sofort zurückzahlen, zu 101 Prozent», wenn es zu einem Kontrollwechsel kommt. Die Obligationen werden im Moment an der Börse zu 80 Prozent des Wertes gehandelt. Das heisst, wenn ein Investor mehr als ein Drittel der Anteile hält, machen Spekulanten sofort einen Gewinn von 20 Prozent.

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Um den Konkurs zu vermeiden, suchen die zerstrittenen Aktionäre einen Ausweg. Am Freitag gab es bis in den späten Abend hinein Verhandlungen für einen «Last Minute Deal», wie Vertreter beider Seiten bestätigen. Bisher kam es noch zu keiner Einigung. Vekselberg hat offenbar einen Geheimplan ausarbeiten lassen, den er als Antrag an der Generalversammlung einbringen will. Demnach soll es eine Kapitalerhöhung von «nur» 200 Millionen Franken geben. Selbst die Gegenseite nimmt an, dass der Plan angenommen würde. Allerdings reicht dann das Geld nicht aus, um die Anforderungen der Banken zu erfüllen. Darum sollten die Grossaktionäre Haefner und Liwet je 100 Millionen als nachrangiges Darlehen einschiessen. Haefner lehnt das aber ab. Vekselberg will darum seinen Plan alleine durchziehen, wenn es nicht doch noch zu einer Einigung kommt. Haefner wäre dann nur noch ein kleiner Minderheitsaktionär.

Kompromissbereit: Martin Haefner. Foto: PD

Laut seinem Sprecher ist Haefner bereit, Vekselberg entgegenzukommen, um doch noch einen «Last Minute Deal» zu ermöglichen. Insbesondere wird darüber diskutiert, dass Haefner Liwet die Aktien abkauft. Das Problem bei dieser Lösung ist, dass Vekselberg wegen seiner angeblichen Nähe zu Wladimir Putin von Sanktionen der USA betroffen ist. ­Haefner wiederum will unter allen Umständen vermeiden, dass er selber Probleme mit den Amerikanern bekommt, weil er mit Vekselberg geschäftet. Haefner ist als Besitzer des Autohändlers Amag eng mit dem deutschen VW-Konzern verstrickt, und da kann er keine Probleme mit den Amerikanern riskieren.

Aber offenbar wird eifrig nach Lösungen gesucht, die das Problem umgehen, heisst es vonseiten Haefners. Die Verhandlungen gehen noch bis Montagmittag weiter. «Vor der Generalversammlung wird es eine Verwaltungsrats­sitzung geben», sagt S + B-Sprecher Ulrich Steiner. Die müsste den Deal absegnen. Noch sind die Beteiligten zuversichtlich.

In einem offenen Brief an Dr. Martin Haefner stellt der Verwaltungsrat der Liwet Holding AG Bedingungen für eine Lösung und fordert Antworten auf offene Fragen.
Lesen Sie hier das Schreiben.



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Erstellt: 30.11.2019, 21:13 Uhr

Offener Brief an Dr. Martin Haefner

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