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Verwesungsgeruch in der Notaufnahme

Die venezolanische Diktatur versucht, die miserablen Zustände in den Spitälern im Land zu vertuschen. Ein Besuch.

Marc Chéhab, Caracas
Eine Leichenhalle in der Notaufnahme, gleich daneben wird medizinischer Müll gestapelt: Blick ins Domingo-Luciani-Spital in der venezolanischen Hauptstadt Caracas.
Eine Leichenhalle in der Notaufnahme, gleich daneben wird medizinischer Müll gestapelt: Blick ins Domingo-Luciani-Spital in der venezolanischen Hauptstadt Caracas.

Der Tonfall der Ärztin Andrea (Name geändert) ist ausdruckslos, ihre feinen Gesichtszüge unlesbar. «Wie soll man denn ohne fliessendes Wasser ein Krankenhaus betreiben?», sagt sie im Domingo-Luciani-Spital in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. «Es ist unmöglich, Patienten zu untersuchen, wenn man sich nicht die Hände waschen kann», fährt Andrea fort. Die Wasserversorgung würde jeweils an den Wochenenden ausfallen, sagt die Ärztin. «Normalerweise bereits ab Freitagabend. Wir müssen dann mit Einweghandschuhen auskommen. Aber es gibt auch Tage, da haben wir weder Wasser noch Handschuhe.» Andrea geht ein erhebliches Risiko ein: In der venezolanischen Diktatur muss sich medizinisches Personal vor Repressalien fürchten, wenn es offen mit Journalisten spricht – geschweige denn, sie durch ein Krankenhaus führt.

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