Flugplätze können auf ausländische Flugsicherer ausweichen

Die Fluglotsen von Skyguide erhalten Konkurrenz: Auf regionalen Flugplätze können ausländische Firmen die Flugsicherheit überwachen.

Der Kontrollturm von Skyguide auf dem Flughafen Lugano-Agno. (22. August 2018)

Der Kontrollturm von Skyguide auf dem Flughafen Lugano-Agno. (22. August 2018) Bild: Alessandro Crinari/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Unter dem Radar der Öffentlichkeit ist ein historisches Monopol gefallen: Seit Jahresbeginn muss die Flugsicherung Skyguide mit Konkurrenz rechnen – zumindest auf den regionalen Flugplätzen wie Bern, Lugano, Altenrhein SG, Grenchen SO, Les Eplatures (La Chaux-de-Fonds NE), Buochs NW und Sitten. Mit der Liberalisierung reagiert der Bund auf die Schwierigkeiten dieser Flugplätze, für die Kosten der Flugsicherung aufzukommen.

Bis 2015 profitierten sie von einer Querfinanzierung – aus den Gebühren, die Skyguide an den Landesflughäfen Zürich und Genf einnahm. Seit der Übernahme von europäischem Recht im Jahr 2016 ist dies Skyguide nicht mehr erlaubt.

«Seit einigen Jahren bangen die Regionalflugplätze nun um ihre Existenz», sagt Jorge Pardo, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Flugplätze. Diese schlage für die Regionalflugplätze mit einem Gesamtbetrag von 35 Millionen Franken zu Buche.

Interesse am Schweizer Markt

Dem gegenüber stehen die Einnahmen der Gebühren von rund 5 Millionen Franken, welche die Flugplätze direkt erheben, sowie ein Batzen aus der Mineralölsteuer von rund 23 Millionen. «Die Differenz von 7 Millionen hat seit 2016 der Bund übernommen. Doch dieser Zustupf wird seither jedes Jahr reduziert. Und ab 2020 deckt der Bund die Differenz nicht mehr», sagt Pardo. Aus diesem Grund und mit dem Ziel, bezahlbare Lösungen für die regionalen Flugplätze der Schweiz zu ermöglichen, habe der Verband auf eine Marktöffnung hingewirkt.

Laut Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl), können die Regionalflugplätze nun ein Gesuch stellen, um ihre An- und Abflüge von einem anderen Anbieter kontrollieren zu lassen. Dann obliege es dem Bazl als Aufsichtsbehörde, die lokalen Flugsicherungsdienste von Dritten zuzulassen und zu beaufsichtigen. «Der Leistungserbringer muss nach europäischen Vorgaben zertifiziert sein und den Nachweis erbringen, dass die Sicherheit zu jeder Zeit gewährleistet ist», betont Holderegger.

Interesse am Schweizer Markt zeigt etwa die österreichische Flugsicherung Austro Control, die zwar privatwirtschaftlich organisiert, aber in staatlicher Hand ist. «Wir führen erste Sondierungsgespräche», sagt Sprecher Markus Pohanka. Mit welchen Flugplätzen Austro Control in Kontakt ist, will er noch nicht verraten. Fest steht indes, dass die österreichische Flugsicherung Erfahrung mitbringt. «Wir ­regeln den Flugverkehr seit zwölf Jahren auch in Deutschland.» Auf elf Regionalflughäfen ist die Firma ­tätig, unter anderem in Frankfurt-Hahn, dem sechstgrössten Frachtflughafen des Landes.

«Dank schlanker Strukturen können wir deutlich günstigere Dienste anbieten.»Marek Bekier

Aber auch aus Deutschland bekommt Skyguide Konkurrenz: Die DFS Aviation Services, eine Tochter der Deutschen Flugsicherung, erbringt diese Dienstleistungen an zehn deutschen Regionalflughäfen. «Wir haben Interesse daran, für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Flugplätze in der Schweiz massgeschneiderte Angebote zu konzipieren», sagt DFS-Sprecherin Carolin Walaski. Skyguide hat Tocherfirma gegründet

Einen Schritt weiter ist das private schwedische Unternehmen Aviation Capacity Resources: ACR hat sich mit einer Tochtergesellschaft in Zug niedergelassen. In Schweden kontrolliert es 15 Regionalflugplätze. «Dank schlanker Strukturen können wir deutlich günstigere Dienste anbieten», sagt Marek Bekier, der für ACR in der Schweiz agiert und selbst lange bei Skyguide tätig war. Er stellt in Aussicht, die Angestellten der Schweizer Flugsicherung zu übernehmen – zu bestehenden Konditionen.

Im Rennen ist laut Insidern auch das norwegische Unternehmen Avinor Air Navigation, ­hinter dem die staatliche Flugsicherung des Landes steht. «Aus wirtschaftlichen Gründen» hält es sich bedeckt, was die Schweiz angeht, und verrät nur: «Das Potenzial in Europa ist interessant.»

Skyguide gibt sich ihrerseits angesichts des verlorenen Monopols gelassen: «Wir befürworten diese Marktöffnung grundsätzlich», sagt Sprecher Vladi Barrosa. Die Schweizer Flugsicherung hat Vorkehrungen getroffen und eine Tochtergesellschaft gegründet: Sie tritt mit Skyguide National an. Noch sei aber unklar, so Barrosa, ob alleine oder in Partnerschaft mit einem Drittanbieter.

Erstellt: 24.02.2019, 13:02 Uhr

Artikel zum Thema

Ein schwarzer Tag für die Lotsen

Ein Fluglotse hat eine Beinahekollision zweier Airbusse zu verantworten. Das Obergericht hat den erstinstanzlichen Freispruch umgestossen und ihn verurteilt. Skyguide warnt vor einem Präzedenzfall. Mehr...

Zu komplex: Urteil im Fluglotsen-Prozess vertagt

Ein Skyguide-Mitarbeiter gab zwei Airbus-Maschinen gleichzeitig die Starterlaubnis. In den Flugzeugen befanden sich über 260 Passagiere. Jetzt reagiert die Politik auf höchster Ebene. Mehr...

Streik im Anflug – und der Bund schaut zu

SonntagsZeitung Lotsen von Skyguide fordern mehr Lohn und drohen, die Arbeit niederzulegen. Mehr...

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...