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War eine Frau Epsteins Lockvogel?

Ghislaine Maxwell wird bezichtigt, als Mädchen-Schieberin gewirkt zu haben. Die Britin ist eine schillernde Figur.

Seit Jahrzehnten eng verbunden: Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell 1995. Foto: Getty Images
Seit Jahrzehnten eng verbunden: Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell 1995. Foto: Getty Images

Am Mittwochmorgen ist Jeffrey Epstein verletzt und halb bewusstlos in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden worden. Er sitzt dort ein, weil ein Gericht seinen Antrag auf Kaution letzte Woche abgelehnt hatte. Im Safe in seiner Luxuswohnung in Manhattan seien nicht nur ein gefälschter Reisepass und sehr viel Bargeld gefunden worden, sondern auch Tausende Fotos von Mädchen und jungen Frauen, begründete das Gericht seinen Entscheid.

Der 66-jährige, milliardenschwere Financier, der mit Donald Trump, Bill Clinton, Prinz Andrew und Elon Musk feiert, ist angeklagt, zwischen 2002 und 2005 Dutzende junge Frauen und Mädchen im Teenager-Alter – manche davon erst 14 – sexuell missbraucht und gehandelt zu haben wie eine Ware. Epstein drohen bis zu 45 Jahre Gefängnis, er bestreitet die Vorwürfe.

Genauso wie Ghislaine Maxwell. Sie ist zwar nicht offiziell angeklagt, soll aber als engste Vertraute von Epstein, so die Vorwürfe mehrerer Opfer, nicht nur von den systematischen kriminellen Vorkommnissen gewusst haben, sondern direkt daran beteiligt gewesen sein: Indem sie die Mädchen angelockt und dann regelrecht angeleitet haben soll, wie sie Epstein am besten sexuell zu Diensten ­stünden.

Die Britin ist eine schillernde Figur, die sich in denselben Kreisen bewegt wie Epstein. Die beiden waren vor Jahrzehnten kurz liiert gewesen und sind seitdem eng verbunden. Maxwell soll für Epstein arbeiten, obschon niemand so genau weiss, womit sie eigentlich ihren Lebensunterhalt verdient. Die 57-Jährige ist die Tochter von Robert Maxwell, dem britischen Medienmogul, der 1991 unter aufsehenerregenden Umständen ums Leben kam: Er fiel von Bord seiner Jacht Lady Ghislaine.

Namen in Gerichtsdokumenten sollen geheim bleiben

Die New Yorker Szene liebte Ghislaine Maxwell für ihren britischen Upperclass-Akzent, ihren Witz und ihre Unerschrockenheit. Und jetzt soll diese Frau sozusagen die Spinne im Netz eines illegalen, bis in die höchsten Kreise reichenden Frauenhandels gewesen sein. Überraschend sind die schweren Anschuldigungen indes nicht. Jeffrey Epstein war bereits 2008 wegen Sex mit Minderjährigen verurteilt worden. Er machte damals einen Deal mit den Behörden – zuständig dafür war Alexander Acosta, der deswegen letzte Woche als US-Arbeitsminister zurückgetreten ist – und durfte die 13 Monate Haft tagsüber und unter der Woche in Freiheit verbringen.

Schon zu jener Zeit bezichtigte eines der Opfer Maxwell, mehr als nur Mitwisserin zu sein; Maxwell nannte die junge Frau öffentlich eine Lügnerin, diese klagte. Aus diesem Prozess gibt es 2000 Seiten Unterlagen, die damals versiegelt, nun aber von einem Gericht freigegeben wurden.

In den brisanten Dokumenten soll gemäss Bloomberg.com von «prominent individuals» die Rede sein. Und deren Namen sollen unbedingt geheim bleiben, weshalb Maxwell den Entscheid des Gerichts anficht: Weil die Medien bereits einen «unstillbaren Appetit für jedes noch so winzige Stück an Information gezeigt haben, könnte dieses Interesse die Rechtmässigkeit des Verfahrens von Mister Epstein gefährden», erklärte sie.

Ob sie damit durchkommt, entscheidet sich am 31. Juli. Bis dann wird nicht nur sie, sondern wohl eine ganze Reihe prominenter schwerreicher Männer sehr schlecht schlafen.

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