Warum die Credit Suisse jetzt ein Nachfolgeproblem hat

Was der Wechsel von Iqbal Khan zur UBS und die Querelen in den Chefetagen der Grossbanken für Folgen haben.

Die CS hat ihr grösstes Nachwuchstalent verloren. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Die CS hat ihr grösstes Nachwuchstalent verloren. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

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Die Ausgangslage bei der Credit Suisse und bei der UBS ist sehr ähnlich. Ihr Aktienkurs ist im Keller, und beide müssen ihr Führungspersonal in den nächsten zwei Jahren erneuern, weil die Präsidenten Urs Rohner (CS) und Axel Weber (UBS) aus Altersgründen zurücktreten müssen.

In dieser Situation wechselt ­Iqbal Khan, von 2015 bis Ende Juni Chef der internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse am Paradeplatz, auf die andere Strassenseite zur UBS. Nicht nur übernimmt er dort den genau gleichen Job wie vorher bei der CS. Er tut dies auch, ohne die vertraglich festgelegte einjährige Karenzfrist zu beachten, und beginnt schon im Oktober, drei Monate nachdem er die CS verlassen hat. So etwas gab es noch nie.

Beginnen wir beim Ursprung der Geschichte, bei der CS. Khan war sehr erfolgreich. Er brachte es fertig, den Kunden ein Set von kreditfinanzierten Investitionsmöglichkeiten zu offerieren, das sie dazu brachte, ihr Geld nicht auf dem Konto liegen zu lassen – wie das etwa bei der UBS der Fall ist. Stattdessen investierten sie, und die Bank generierte Gebühren. Dann kam es zum Machtkampf. Khan wollte mehr Kompetenzen und mehr Risikokapital, um das Geschäft auszubauen. Hinzu kam: Der grösste Wachstumsmarkt in der Vermögensverwaltung ist Asien. Doch das gehörte ins Reich von Helman Sitohang, der dort die Geschäfte der Bank führt.

Nur: Tidjane Thiam zieht bei der CS ein eisernes Kostenregime durch. Das verträgt sich auf die Dauer schlecht mit einem Wachstumsmanager wie Khan. Es gab also Krach, und Thiam sah seine Autorität infrage gestellt. Denn Khan hatte innerhalb der Bank viele Anhänger, auch im Verwaltungsrat. Einer von ihnen war Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war offenbar eine Personalie in Portugal. Dort ging im Februar mit José Maria Cazal-Ribeiro jener Mann, der die Filiale 2013 gegründet und mit zweistelligen Wachstumsraten zum Erfolg geführt hatte. Im Juli, kurz nach dem Abgang von Khan, wurde bekannt, dass die Filiale nochmals zehn Vermögensverwalter verlor. Khan hatte zuvor versucht, die Leute mit grosszügigen Lohn-Paketen bei der CS zu halten, was Thiam verhinderte.

Es kam deshalb zu lautstarken Auseinandersetzungen. Das Verhältnis Thiam - Khan war nicht mehr zu kitten. Es drohte ein Eklat. Also griff Rohner ein, und es wurde ein Austrittsvertrag mit einer Kündigungsfrist von nur drei Monaten ausgehandelt – obwohl der VR-Präsident wusste, dass Khan mit der UBS verhandelte. Thiam blieb nichts weiter übrig, als Khan ein paar salbungsvolle Worte zum Abschied mitzugeben.

Die Folge: Die UBS befindet sich nun in einer komfortablen Situation, und die CS hat ihr grösstes Nachwuchstalent verloren. Während UBS-Präsident Weber in zwei Jahren zurücktreten und Sergio Ermotti zu seinem Nachfolger machen kann, ist bei der CS alles offen – und das hat die Führung durch das Machtgerangel komplett selbst zu verantworten.



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Erstellt: 01.09.2019, 14:35 Uhr

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