Was tun gegen Bücher?

Der Bücherherbst hat Einzug gehalten. Bestimmt stehen nun stapelweise dieser Werke bei Ihnen herum und machen Ihnen ein schlechtes Gewissen. Was dagegen zu tun ist.

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Na bravo! Jetzt stehen sie überall bei Ihnen zu Hause herum – die Bücher, die Sie gekauft haben, weil man zur aktuellen Jahreszeit (#Bücherherbst) alle paar Meter unweigerlich in den Sog irgendeines literarischen Festivals gerät. «Zürich liest» – die «Buch ­Basel» – die «Dis da litteratura» in ­Domat/Ems – das «Kinder- und ­Jugendliteratur-Festival Abraxas» in Zug: Es gibt kein Entrinnen.

Stapelweise stehen die Bücher also bei Ihnen herum und machen Ihnen von morgens bis abends ein schlechtes Gewissen. Denn natürlich werden Sie keines davon jemals lesen. Was selbstredend auch gar nie Ihre Absicht war. Ein ungelesenes Buch ist weitaus besser als ein gelesenes Buch (Stichwort «Si tacuisses . . .», ­siehe auch das Experiment mit Schrödingers Katze).

Was nun? Was tun?

Ich nehme nicht an, dass Sie einfach mir nichts, dir nichts das Feld räumen und den Büchern Ihre Wohnung/Ihr Haus überlassen wollen. Also müssen Sie zurückschlagen. Hier einige Taktiken (von altbewährt bis spontan ausgedacht):

  • Aktives Ignorieren: Ignorieren Sie die Bücher ganz aktiv. Erste Zermürbungs- und Zerfallserscheinungen bei den Büchern dürften nach drei bis vier Wochen eintreten.

  • Isolierung des Anführers: Identifizieren und isolieren Sie den Anführer der Bücher. Potenziell handelt es sich dabei um das dickste/schwerste Buch und/oder jenes mit dem prätentiösesten Titel. Es kann allerdings auch ein kleiner Giftzwerg von einem Buch sein. Gar nicht so einfach! Jedenfalls: Kaum ist der Chef weg, wird grosse Kopflosigkeit unter den Büchern entstehen; schlussendlich werden sie sich in alle Winde zerstreuen.

  • Fallen stellen: Stellen Sie rund um die Lieblingsplätze der Bücher Fallen für selbige auf – zum Beispiel Tellereisen, Nashorn-Guillotinen (die Modelle Elvira und Gustavo sind sehr zu empfehlen), Lockstoff-/Laser-/Lichtfallen, Gürteltier-Reusen, Wühlmaus-Selbstschussanlagen, rotverstimmte Dipolfallen mit Crossed-Beam-Trap-Erweiterung oder von australischen Ureinwohnern entwickelte Schwippgalgen.

Aber, ach, machen wir uns nichts vor: Wenn wir das nächste Mal an einem Buch vorbeilaufen, werden wir es wieder kaufen. Wir werden es mit offenen Armen bei uns willkommen heissen wie einen verlorenen Sohn. Was sich da in meinem Schlafzimmer alles in jungfräulichem Zustand türmt! «Holzschopf und Betonklotz: Texte und Reden zur Architektur in Graubünden» (Köbi Gantenbein), «Geheimliteratur und Geheimbuchhandel in Europa im 18. Jahrhundert» (Haug/Mayer/Schröder), «Das Heimweh der Meeresschildkröten. Heterotopien der Nacht» (Elisabeth Wandeler-Deck) . . .

Es macht mich fertig! Warum sind wir nur so romantische Idioten? (SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.11.2017, 20:55 Uhr

Von Gion Mathias Cavelty ist gerade der Roman «Der Tag, an dem es 449 Franz Klammers regnete» erschienen.

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