Wenn Freunde von der Arbeit ablenken

Ein Ökonom beweist, dass die Produktivität von Angestellten vom unmittelbaren Arbeitsumfeld abhängig ist.

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Nicht nur die Freizeit mit Freunden teilen, sondern auch die Arbeit. Das klingt reizvoll. Es geht vieles leichter von der Hand, wenn man mit Leuten etwas schafft, die man mag. Womöglich arbeitet man auch besser unter Beobachtung durch Freunde. Oder lässt man sich vielleicht zu sehr ablenken von privaten Gesprächen? Der Ökonom Sangyoon Park von der Universität Hongkong hat mit einem Experiment zu ergründen versucht, wie sich die enge Zusammenarbeit von Freunden auf die Leistung auswirkt. In einem Verarbeitungsbetrieb für Meeresfrüchte in Vietnam wurden die weiblichen Angestellten während eines fünfmonatigen Tests jeden Tag zufällig auf die verschiedenen Arbeitsstationen verteilt und ihre tägliche Leistung gemessen. Die Freundschaftsbeziehungen und Persönlichkeitsprofile waren vorgängig abgefragt worden.

Arbeiteten zwei Freundinnen direkt nebeneinander, sank ihre Produktivität im Schnitt um 6 Prozent. Da der Lohn eine individuelle Leistungskomponente enthielt, verursachte die Ablenkung durch eine Freundin eine Lohneinbusse von durchschnittlich 4 Prozent. Die Persönlichkeit spielt offenbar eine grosse Rolle: Je grösser das Pflichtbewusstsein, desto geringer war der Produktivitätsverlust. Arbeiteten Freundinnen zwar am selben Tisch, aber nicht direkt nebeneinander, war keine Einbusse zu beobachten – ein Indiz dafür, dass Klatsch und Tratsch die Leistung schmälert. Das ist den Angestellten offenbar bewusst: Bevor sie für das Experiment zufällig auf die Arbeitsstationen verteilt worden waren, lag die Wahrscheinlichkeit, mit einer Freundin zusammenzuarbeiten, bei Frauen mit geringem Pflichtbewusstsein 50 Prozent höher als bei solchen mit hohem Pflichtbewusstsein.



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Erstellt: 24.08.2019, 18:56 Uhr

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