Die Klimastreiks zeigen langsam Wirkung

Wer jetzt nicht handelt, der wird bestraft – von der Umwelt oder von den Wählern.

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Vergangenen Samstag gingen schweizweit wieder 50'000 meist junge Menschen auf die Strasse. Junge Leute fordern, was ihre Eltern schon vor 30 Jahren skandiert hatten, aber dann rasch vergassen ob all der Annehmlichkeiten, die ein bequemes Auto oder ein Kurztrip nach New York bringen. Ein Umbau der Wirtschaft nach öko­logischen Grundsätzen schien zu mühsam und zu teuer. Darum geschah viel zu lange viel zu wenig. Doch diesmal könnte es anders werden, denn nachdem fast jeder – mit Ausnahme von Roger Köppel – gemerkt hat, dass es viel mehr Hitzetage und viel weniger Schnee gibt als früher, wird etwas geschehen müssen.

Deswegen landen wir noch lange nicht beim Sozialismus und in der Kolchose. Als Erstes müsste man dafür sorgen, dass nicht jeder bestraft wird, der sich ökologisch verhält. Wenn die Politik es ernst meint mit dem Klimaschutz, dann kann sie Anreize setzen, dass nicht mehr Ölheizungen mit Ölheizungen ersetzt werden, so wie das in vielen Fällen immer noch passiert. Oder dass die Häuser endlich saniert und besser isoliert werden. Man kann ja mit den Schulhäusern beginnen und gleichzeitig die Anreize so setzen, dass die Privaten wirklich nachziehen. Und je wärmer die Sommer werden, desto mehr wird die Kühlung zum Thema. Den grössten Anteil am Ausstoss von Treibhausgasen hat in der Schweiz aber der Verkehr, und der blieb seit 1990 konstant.

«Je wärmer die Sommer werden, desto mehr wird die ­Kühlung zum Thema.»

Dass man nun als erste Massnahme den Schülern, die für das Klima streiken und demonstrieren, die Maturreise per Flugzeug verbieten will, ist zwar symbolträchtig, kann aber kaum das einzige Ziel sein. Und glaubhaft wirkt die Massnahme sowieso nicht, wenn sich, wie in Zürich geschehen, Regierungsrat Mario Fehr (SP) an allen Sicherheitskontrollen vorbei mit dem Auto zum Flugzeug bringen lässt, nur um seine Lieblingsmannschaft in London Fussball spielen zu sehen. Interessant ist, dass die Reiselust der Schweizer nachgelassen hat und dass endlich mehr Elektroautos verkauft werden. Nur ausreichen wird das noch lange nicht.

Oder wenn sie wollten, könnten sich die grünen Kantonsräte den Zürcher Flughafen vornehmen. Der verzeichnet nämlich Rekordzahlen, und Kanton und Stadt Zürich sind die grössten Aktionäre. Die könnten durchsetzen, dass die Start- und Landegebühren deutlich steigen und keine Slots mehr für Flüge von weniger als 700 Kilometer vergeben werden. Dann würden ­keine Dumping-Angebote nach Berlin mehr angeboten, wo man für 30 Euro hinkommt, während die Fahrt mit dem Zug 221 Franken kostet. Und auf nationaler Ebene bietet sich die Chance, endlich dafür zu sorgen, dass die Infrastruktur für Elektroautos wirklich ausgebaut wird.

Möglichkeiten gäbe es genug, und wer nicht handelt, der wird bestraft. Von der Umwelt mit der ­zunehmenden Hitze. Und von der Bevölkerung mit einer weiteren Wahlniederlage.

Erstellt: 07.04.2019, 00:17 Uhr

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