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Wie erträgt man einen peinlichen Chef?

Wenn Unbeteiligten Ueli Maurers Auftritt peinlich ist, wie müssen sich dann seine Mitarbeitenden fühlen?

MeinungKarin Kofler
«Nothing for the Publicity. I can nothing say to this issue. Can you repeat?» Ueli Maurer im amerikanischen TV. Video: CNN

Bundespräsident Ueli Maurer ist mit seinem Interview auf CNN zum Gespött der Woche geworden. Dazu ist alles gesagt. Was ich mich aber frage, ist: Wenn unbeteiligten Schweizer Bürgern der Auftritt ihres Bundesrats schon so peinlich ist, wie müssen sich dann die Mitarbeitenden des Finanzdepartements, das Maurer führt, fühlen? Jede und jeder, der dort mit einem Proficiency-Diplom im Sack die Arbeit verrichtet, muss sich doch denken: Warum sitzt eigentlich der auf dem ­Chefsessel und nicht ich?

Die Frage treibt viele um. In einer jüngeren Untersuchung in den USA zeigte sich ein gutes Drittel der Befragten überzeugt, dass sie den Job ihres Chefs besser machen würden als er selbst. Stolz auf den oder die Vorgesetzte zu sein, ist aber ein natürliches Bedürfnis. Wie also hält man einen Chef aus, für den man nicht genug Respekt aufbringt, weil er sich peinlich ­benimmt oder inkompetent ist?

Ich würde zu folgenden Massnahmen raten: Emotionale Distanz zu schaffen, ist das Wichtigste. So toll es ist, sich mit einem Vorgesetzten zu identifizieren und sich an seinem Intellekt zu laben: Es geht zur Not auch ohne. Getreu dem Motto: Soll er seine Inkompetenz doch vor sich hertragen und sich blamieren – ich mache einfach meinen Job gut.

Ferner sollte man sich vergegenwärtigen, welche Vorzüge der Chef oder die Chefin trotz allem hat. Das tönt jetzt etwas arg nach positiver Psychologie, hilft aber. Denn: Wer die ganze Zeit daran denkt, dass er einer Niete unterstellt ist, verliert Energie. Und schliesslich: Unfähige Chefs können durchaus gefährlich sein. Sich ihnen gegenüber demonstrativ überlegen zu zeigen, kann zum Eigentor werden. Wem das alles zu anstrengend tönt, dem bleibt noch eines: die Kündigung.

Haben Sie ein Problem im Büro, schreiben Sie an karin.kofler@sonntagszeitung.ch

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