Wir überschätzen gern die Greta in uns

Laut einer Studie halten sich die meisten Menschen für überdurchschnittlich ökologisch. Ein gefährlicher Trugschluss.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit der Selbsteinschätzung ist es so eine Sache. Die meisten von uns meinen, sie fahren viel besser Auto als der Rest der Welt. Die Mehrheit hält sich im Gegensatz zu all den Rüpeln da draussen für nett und zuvorkommend. Dass die anderen dümmer sind, scheint sich im Büro fast täglich zu bestätigen. Und eigentlich würde die Welt auch nicht vor die Hunde gehen, wären alle so ökobewusst wie man selbst.

Blöd nur: Das denken all die Dummen, Boshaften und Klima-Ignoranten von sich selbst genauso. Dass sich da zumindest ein paar von ihnen in ihrem Selbstbild irren, weil das Ganze schon rein rechnerisch nicht aufgeht, liegt auf der Hand. Die Mehrheit kann nicht besser sein als der Durchschnitt. In der Psychologie hat diese weitverbreitete Selbstüberschätzung längst einen Namen: der Besser-als-der-Durchschnitt-Effekt.

Letzterer wurde nun in einer schwedischen Studie auch beim Umwelt-Bewusstsein nachgewiesen. Die Forscher befragten mehrere Tausend Briten, US-Amerikaner, Schweden und Inder. Das Resultat: In allen Ländern hält sich die Mehrheit in ihrem Handeln für überdurchschnittlich ökologisch. In Grossbritannien knapp drei Viertel der Befragten, in Indien sogar 86 Prozent.

Es kann sicher nicht schaden, gut von sich selbst zu denken. Wer sich mehr zutraut, erreicht auch mehr. Die Greta in uns zu verklären, ist hingegen gefährlich. Menschen, die sich überschätzen, gehen gern davon aus, dass sie sich nicht weiter steigern müssen. Sie tun ja schon viel mehr für die Umwelt als der Durchschnitt. Es wäre jedoch wesentlich klimaschonender, auch den anderen zuzutrauen, dass sie in die Ferien neuerdings mit dem Zug fahren und dieses Jahr vielleicht sogar ein fleischloses Festtagsmenü ausprobieren.

Sonst wird das nie was mit der Weltrettung.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 07.12.2019, 22:40 Uhr

Artikel zum Thema

Madrid im Greta-Fieber

Polizisten müssen der Klimaaktivistin bei ihrer Ankunft den Weg durch die Menge bahnen. Zehntausende beteiligen sich am Klimamarsch. Mehr...

Greta kommt in Lissabon an

Die 16-jährige Klimaaktivistin ist zurück in Europa. Drei Wochen fuhr sie mit einem Segelboot zurück über den Atlantik. Mehr...

Woher so viel Hass auf Greta?

Vier Gründe, warum der bekannteste Teenager der Welt so viel Aggressionen auslöst. Mehr...

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Duftendes Gut: In einer Räucherstäbchenfabrik in Tangerang, Indonesien, läuft die Produktion kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest auf Hochtouren. (22. Januar 2020)
(Bild: Ajeng Dinar Ulfiana) Mehr...