Zürcher Journalistenpreis für das Recherchedesk der «SonntagsZeitung»

Trotz Anstrengungen gibt es in der Schweiz noch schwarze Schafe.

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Dem Investigativteam der «SonntagsZeitung» wurde letzten Dienstag grosse Ehre zuteil. Die Recherchetruppe rund um Oliver Zihlmann erhielt den renommiertesten Schweizer Journalistenpreis. Geehrt wurden sie für ihre Recherchen bei den sogenannten Paradise Papers. Der Schweizer Beitrag in dieser internationalen Recherche ist nicht zu unterschätzen. Interna­tional für Aufsehen sorgten namentlich zwei ­Themen, die bei uns recherchiert wurden.

Einerseits die Verbindungen des Zuger ­Rohstoffkonzerns Glencore zum umstrittenen israelischen Geschäftsmann Dan Gertler. Ihn ­haben die USA mittlerweile auf ihre Sanktions­liste gesetzt. Laut Bloomberg will die britische Anti-Korruptions-Behörde Serious Fraud Office (SFO) zudem eine offizielle Untersuchung der Geschäfte von Glencore im Kongo eröffnen. Im Fokus der Ermittlungen stehen die Beziehungen des Rohstoffkonzerns mit Gertler sowie dessen Kontakte zur politischen Führung der Demo­kratischen Republik ­Kongo. Im Raum stehen Korruptionsvorwürfe. Glencors Aktien stürzten nach Bekanntwerden der Ermittlungen in den Keller.

Peinlich ist diese Affäre für die SBB-Präsidentin Monika Ribar, die in ­Aufsichtsgremien von Bastos’ Fonds mitmachte.

Andererseits enthüllten unsere Journalisten den Skandal um Jean-Claude Bastos. Er ver­waltete jahrelang einen Milliardenfonds des ­angolanischen Staats und kassierte Millionen an Gebühren. Dabei halfen ihm die freundschaftlichen Beziehungen zu José Filomeno dos Santos, einem Sohn des langjährigen Diktators José Eduardo dos Santos. Peinlich ist diese Affäre für die SBB-Präsidentin Monika Ribar, die in ­Aufsichtsgremien von Bastos’ Fonds mitmachte. Inzwischen hat sie keine Verbindungen zu Bastos mehr, José Filomeno hat in Angola nichts mehr zu sagen – und Bastos auch nicht mehr. Vor drei Wochen liess ein britisches Gericht drei Milliarden Dollar auf den Konten des umstrittenen Schweizer Geschäftsmanns und dessen Firmen einfrieren. Letzte Woche kam es zudem zu Hausdurchsuchungen in der Schweiz.

Solche Recherchen sind wichtig, denn sie zeigen, dass es in der Schweiz trotz all den Anstrengungen und der Weissgeldstrategie der letzten Jahre noch immer schwarze Schafe gibt, die glauben, von unserem Land aus seien alle Geschäfte erlaubt und durch das Bankgeheimnis geschützt. Das ist glücklicherweise vorbei.

Für uns ist die Auszeichnung Ansporn, weiterhin hartnäckig zu bleiben. Darum investiert Tamedia auch in den investigativen Journalismus. Neben dem Recherchedesk wurde auch ein Datendesk geschaffen, das mit ganz neuen Methoden versucht, Licht in die dunklen Seiten unserer vernetzten Welt zu bringen. Ein Beispiel dafür ist die Analyse zum jüngsten Facebook-Skandal auf Seite 10.

Erstellt: 19.05.2018, 22:59 Uhr

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