Zum Hauptinhalt springen

Der Schweizer Corona-SonderwegSorry, aber was habt ihr denn gedacht?

Hin und her tobende Gedanken zur zweiten Corona-Welle.

Nicht umsonst ist die Welle eine Metapher für etwas Bedrohliches
Nicht umsonst ist die Welle eine Metapher für etwas Bedrohliches
Foto: Corey Arnold

I

Letzten Sonntag besichtigte ich eine Wohnung. Ein junger Mann öffnete die Tür und sagte: « Hi! Also … wenn du willst, kannst du gerne eine Maske tragen – aber ich fänds chilliger ohne.» Und da, innerhalb von bloss drei Sekunden, hatte ich ihn verurteilt. Früher, vor C., passierte mir das nie, aber nun dachte ich: Aha, einer, der in geschlossenen Innenräumen keine Maske tragen will. Einer, der seine «individuelle Freiheit» wohl über alles stellt. So einer.

Doch anstatt zu sagen: «Hey, mit Maske fände ich besser», winkte ich ab: «Nein, nein, schon gut so.» Ich nahm Rücksicht auf seine Rücksichtslosigkeit. Denn ich schämte mich, vor dieser fremden Person zuzugeben, dass ich vorsichtig bin. Vor allem jetzt, da die Zahlen wieder so hoch sind. Zudem wollte ich sein Verhalten nicht kritisieren. Wie sollte ich auch? Ich weiss ja selbst nicht, wie man sich gerade «richtig» durch den Alltag navigiert.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.