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Experte vor Entscheid in Zürich«Ein perfider Schachzug der Glücksspielindustrie»

Der Kantonsrat will bestimmte Geldspielautomaten wieder erlauben. Einer der Väter des Verbots von 1995 ist entsetzt.

Mario Gmür in seinem Büro.
Mario Gmür in seinem Büro.
Foto: Doris Fanconi

Der bekannte Zürcher Psychiater und Buchautor Mario Gmür befürchtet, dass der Kantonsrat heute Montag das Rad der Zeit auf fatale Weise zurückdreht. Zurück in die frühen Neunzigerjahre, als in jeder zweiten Beiz ein Geldspielautomat blinkte, Tausende im ganzen Kanton. 1995 wurden solche Automaten per Volksabstimmung aus dem Verkehr gezogen, Gmür war ein prominenter Verfechter des Verbots. Er hatte nach eigenen Angaben um die 200 Spielsüchtige in seiner Praxis behandelt, die sich in den Ruin und ins Abseits zockten – Einfränkler um Einfränkler.

Jetzt will der Kantonsrat sogenannte Geschicklichkeits-Geldspielautomaten in Restaurants wieder zulassen. Eine entsprechende Anpassung ans Bundesgesetz über Geldspiele wurde vor vier Wochen in erster Lesung klar angenommen. Zu Gmürs Enttäuschung stimmten nebst den Bürgerlichen und der GLP auch SP und AL dafür. Heute folgt voraussichtlich die ­Schlussabstimmung, in der Regel ist das eine reine Formalie. Gmür aber versucht, den Entscheid in extremis noch zu kippen. Er hat gestern per E-Mail eine Warnung an alle Parlamentarier verschickt. Er sagt, mehrere von ihnen hätten sich kurz darauf besorgt bei ihm gemeldet. Selbst solche aus der SVP, die ohne Wenn und Aber hinter den Spielautomaten steht.

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