Alles dreht sich um Lara Gut

Die Tessinerin Lara Gut stiehlt vor den Rennen in St. Moritz allen anderen die Schau.

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Es war der erwartete Hype. Dutzende Journalisten und Kamerateams lauschten am Freitag im Pressezentrum vom St. Moritz den Ausführungen von Lara Gut. Und als hinterher im Ski Service Corvatsch die Schuhfirma Lange einige Athletinnen zur Autogrammstunde aufgeboten hatte, war die Unterschrift der 22-jährigen Tessinerin bei den weit über 100 Kindern, Jugendlichen und Eltern am begehrtesten. Sie hat dieser alpinen Saison bislang den Stempel aufgedrückt, hat die Hälfte der ersten acht Weltcuprennen gewonnen. Tina Maze, die Dominatorin der vergangenen Saison, schwächelt bislang; Lindsey Vonn, die Dominatorin der vergangenen Jahre, schont sich nach ihrem Kreuzbandriss im Februar für Olympia in Sotschi, reduziert deshalb ihr Weltcupprogramm und fehlt auch am Wochenende in St. Moritz – in diese Lücke ist Lara Gut geradezu hineingerauscht, hat atemberaubende Fahrten vor allem in Sölden und Beaver Creek gezeigt.

«Ja», sagte sie, «der Saisonstart war grossartig. Aber das heisst jetzt nicht, dass ich fortan jedes Rennen gewinne.» Lara Gut war um Beruhigung bemüht, sie wollte die Welle der Begeisterung nicht überschwappen lassen. Hat aber auch keinen Bammel vor dem, was in den beiden Tagen in St. Moritz auf sie zukommen wird. «Ich kenne das Gefühl noch nicht, die Favoritin zu sein, deshalb wird mich das auch nicht aus der Bahn werfen.» Was ich nicht kenne, kann mir keine Angst machen – auch eine Möglichkeit, mit hohen Erwartungen umzugehen.

«Das interessiert mich nun wirklich nicht»

Für Lara Gut ist es eine normale Entwicklung, die sie dorthin geführt hat, wo sie jetzt steht. Sie sagt aber auch, dass noch der eine oder andere Schritt nach vorne möglich sei, «ich habe viel gelernt in den vergangenen Jahren, aber ich muss weiter konsequent arbeiten». Die Kommunikation zu Cheftrainer Hans Flatscher sei sehr gut, aber ihr Trainer sei immer noch Vater Pauli, das müsste allen klar sein. Sie braucht dieses überschaubare, familiäre Umfeld für die tägliche Detailarbeit, sie weiss aber auch die Organisation durch das Betreuerteam von Swiss-Ski im grossen Rennzirkus zu schätzen, sie fühlt sich wohl im Kreise der Kolleginnen. Und die wiederum freuen sich an den Erfolgen von Lara Gut. «Das ist doch grossartig», sagt etwa Fabienne Suter. «Es kann einer Mannschaft nur helfen, wenn eine Athletin vornewegfährt.» Also kein Neid? «Ach, das interessiert mich nun wirklich nicht.»

Die Strecke in St. Moritz liegt Lara Gut, hier hat sie mit 16 Jahren ihren ersten Podestplatz erreicht: Spektakulär war sie in der Abfahrt kurz vor dem Ziel gestürzt, hatte sich über die Ziellinie gerettet und wurde Dritte – in ihrem erst vierten Weltcuprennen. «Es ging früh los bei mir mit guten Resultaten», sagte sie, «und damals war auch neben der Skipiste sehr schnell einiges los.» Die Bedürfnisse der Öffentlichkeit erdrückten sie, es war zwangsläufig zu schnell und zu viel für eine 16-Jährige. Sie habe ihre Lehren daraus gezogen, «jetzt weiss ich besser, wie ich damit umgehen muss». Und deshalb macht sie sich auch keine Sorgen um den Trubel hier im Engadin, sie wirkte am Freitag locker und war gesprächig – man hatte sie in ähnlichen Situationen auch schon anders erlebt. Das verheisst einiges für die Rennen auf der Engiadina-Strecke. Da kann Lara Gut die Euphoriewellen beruhigen wollen, wie sie will.

Erstellt: 13.12.2013, 19:14 Uhr

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