Am weitesten treibt es Scharapowa

Die Unterschrift von Tennisspielern auf die Kameralinse verkommt immer mehr zur Botschaft. Jüngstes Beispiel ist das Turnier in Paris.

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«Stefan, ich liebe dich. Papa» kritzelte Novak Djokovic gestern nach seinem Sieg gegen Philipp Kohlschreiber in Paris auf die Kameralinse. Nicht, dass der Neugeborene die Botschaft bereits lesen könnte, doch die Linse wird immer mehr zu einem weiteren Kommunikationsmittel der Tennisspieler. Am gleichen Tag grüsste Gaël Monfils seine Familie, der Spanier David Marrero verunstaltete die Linse mit kryptischen Botschaften, ebenso Landsmann Fernando Verdasco.

Andere Spieler haben sich gar kleine Marotten zugelegt. Das «Go Paris» des Franzosen Michael Llodra wurde zu dessen Markenzeichen. Federer winkt häufig seinen Fans zu, Djokovic unterschrieb in Shanghai stets in Chinesisch. Und Wawrinka? Der zerstörte einst bei der Unterschrift den Stift.

Die Unterschrift als Zeichen für das Ende

Doch woher kommt diese Innovation, die dem Fan die Unterschrift in die Stube liefert, sie ihm jedoch innert Sekundenfrist wieder entzieht? In einem der zahlreichen amerikanischen Foren, die dem Tennis gewidmet sind, gibt es den User PeteSampras. Ein Mann mit offenbar ausserordentlichem Furor, der sich seit Jahren mit dieser Frage abmüht, immer wieder fragt, forscht, sich darüber empört, meist mit durch und durch unflätigen Worten: «F..., kann mir jemand sagen, wer der erste Tennisspieler war, der auf diesen verd... Kameras unterschrieben hat?»

Es gibt Leute, die sagen, sie hätten bereits Marcelos Rios auf eine Linse unterschreiben sehen, andere behaupten, es gebe diesen Abschluss des Matchs erst seit den frühen Nullerjahren, Dritte wiederum mutmassen, es wurde in den 90er-Jahren erstmals in Paris-Bercy getestet. Eine klare Antwort gibt es nicht. Etwas mehr Klarheit gibt es über den Grund für das Linsen-Autogramm. Nelson Monfort, ein renommierter Journalist des französischen Fernsehens, sagt, neben dem Amüsement der Fans markiere die Unterschrift das Ende des internationalen Rundfunksignals. Vor dem Unterschreiben ist das Signal international, danach lokal. Kurz: «Es bedeutet das Ende des Spiels», sagt Monfort.

Scharapowa und ihre Schleichwerbung

Fotografen wissen, die Linse gehört zum teuersten Teil einer Kamera. Die Spieler schreiben also nicht mit einem Permanent Marker auf die Linse, auch muss der Kameramann seine Linse nicht stets blank polieren. Das Autogramm findet Platz auf abziehbarem Polymethylmethacrylat, einem synthetischen, transparenten, thermoplastischen Kunststoff – gemeinhin auch bekannt als Plexiglas. Die Linse wird anschliessend abgezogen und etwa bei Roland Garros für wohltätige Zwecke versteigert.

Am weitesten mit den Grussbotschaften treibt es übrigens Maria Scharapowa. In Indian Wells schrieb sie «Tweet me» auf die Linse. Konsequenz: innert Stunden 3000 neue Twitter-Follower. Wochen später fotografierten Paparazzi die Russin mit ihrem heutigen Freund Grigor Dimitrow. Scharapowa kritzelte darauf nach einem Sieg in Madrid «How did you catch us?». Und schliesslich prangte nach einem Sieg «Sugarpova» auf der Linse. Der Name ihrer Süsswarenmarke.

Erstellt: 29.10.2014, 13:46 Uhr

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