Eine grosse Prüfung für die Schiedsrichterin

Esther Staubli pfiff ihr erstes Challenge-League-Spiel. Das sei lediglich ein Zwischenhalt, sagen Kritiker, auf die Schiedsrichterin warte die Super League.

Esther Staubli wurde 2013 zur Schiedsrichterin des Jahres gekürt.

Esther Staubli wurde 2013 zur Schiedsrichterin des Jahres gekürt. Bild: Keystone

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Besonnen sei sie, ruhig dazu und vor allem bestimmt, sagte Schiedsrichterkommissionspräsident Luigi Ponte im kleinen Kreise, irgendwann vor drei Jahren. Dann fügte er an, diese Frau werde einmal Super League pfeifen. Die Runde lachte Ponte damals aus. Die Rede ist von Esther Staubli, 35-jährig, ihrerseits Agronomin, Dozentin an einer Hochschule, heute aber besonders im Fokus als Schiedsrichterin. Gestern pfiff Staubli ihr erstes Challenge-League-Spiel. Wohlen gegen Le Mont. In der Matchberichterstattung der «Aargauer Zeitung» stand viel über das misslungene Spiel des Tabellenführers Wohlen, wenig über den Gegner aus Le Mont und gar nichts über die Leistung der Schiedsrichterin. Es ist als Kompliment zu werten.

Wohlen-Trainer Ciriaco Sforza hat für die Bernerin nur lobende Worte übrig: «Dominantes Auftreten, klare Linie, korrekte Entscheide.» Von einer allfälligen Unerfahrenheit habe man nichts mitbekommen. «Das war eine sehr gute Leistung.» Sforza hat Staubli bereits kennen gelernt, vor zwei Wochen war sie bereits die vierte Offizielle beim Spiel in Lausanne. Trotzdem ist die Challenge League für sie noch Neuland.

Schlitzohren als Test

Das bestätigt auch Ponte: «Sie muss jetzt Erfahrungen sammeln und sich die Akzeptanz der Spieler, der Trainer erarbeiten.» Dazu müsse sie sich an das schnellere Spiel und die «grösseren Schlitzohren» gewöhnen. Schaffe sie dies, dann stehe ihr der Weg nach oben, sprich Super League, offen.

Staubli war einst selbst Stürmerin, wechselte aber im Jahr 2000 die Seiten und wurde Schiedsrichterin. Sie machte die ganze Ochsentour eines Schiedsrichters mit. Pfiff erst Junioren, liess sich inspizieren, verdingte sich in den unteren Ligen, stieg stetig auf, 2. Liga, 1. Liga und nun Challenge League. Daneben konnte sie immer wieder international Erfahrungen sammeln. So etwa im vergangenen April, als sie den Champions-League-Halbfinal der Frauen zwischen Wolfsburg und Potsdam leitete.

Lehre als Bäuerin

Die Schiedsrichterin des Jahres 2013 bewegt sich aber nicht nur auf dem Fussballplatz in einer Männerdomäne, abseits des Platzes ist sie ebenso unorthodox unterwegs: Staubli machte sich an die Matur, brach diese ab und begann stattdessen eine dreijährige Lehre als Bäuerin. «Traktoren, Tiere und Pflanzen gefallen mir», sagte sie der Radiosendung «Persönlich» von SRF. Später studierte sie Agronomie und doziert heute vor jungen Studenten an der Landwirtschaftsschule Zollikofen. Rund 80 Tage im Jahr ist sie als Schiedsrichterin unterwegs, leben kann sie davon nicht, doch «das Hobby» sei gut mit ihrem Beruf und dem Stundenplan als Dozentin vereinbar.

Ob Frauen oder Männer auf dem Platz stehen, das sei ihr egal. Wobei man schon Unterschiede zwischen Mann und Frau ausmachen könne: «Frauen sind auf dem Fussballplatz eher nachtragend.» Männer hingegen seien direkt, sagt Staubli, denen könne man auch mal scharf zurückgeben, ohne dass daraus Probleme entstehen. Ihr Credo ist einfach: «Die ersten zehn Minuten des Spiels sind besonders wichtig.» Zeige man in denen, was man könne, dann erarbeite man sich bei den Spielern Respekt.

Männer, Frauen, Schlitzohren hin oder her.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.09.2014, 19:52 Uhr

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