Hitzfelds Lohn wäre nicht mehr möglich

Die 1:12-Initiative zielt auf die horrenden Löhne von Topmanagern. Dabei geht vergessen, dass auch eine kleine Anzahl von Schweizer Sportlern Saläre in Millionenhöhe bezieht.

Sein Nachfolger wird unabhängig von der Initiative weniger Geld verdienen: Ottmar Hitzfeld, Trainer der Nationalmannschaft.

Sein Nachfolger wird unabhängig von der Initiative weniger Geld verdienen: Ottmar Hitzfeld, Trainer der Nationalmannschaft. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Der Lohn von Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ist ein gut gehütetes Geheimnis. Ebenso verschwiegen sind die Verantwortlichen des Schweizerischen Fussballverbandes, wenn es um die 1:12-Initiative geht, über welche am 24. November abgestimmt wird. Denn in den Statuten des SFV steht, dass sich dieser nicht an politischen Debatten beteiligt. Es sei denn, er werde, wie zuletzt im Zusammenhang mit dem Personenbeförderungsgesetz, dazu aufgefordert – und das war bis jetzt bezüglich der 1:12-Initiative nicht der Fall.

In der Vergangenheit führte der Lohn von Hitzfeld immer wieder zu Diskussionen; es kursierten Zahlen von über 2 Millionen Franken. Darüber kann SFV-Mediensprecher Marco von Ah nur den Kopf schütteln. Hitzfeld sei für den SFV im Jahr 2008 eine Investition gewesen. Diese habe sich gelohnt, sagt von Ah und verweist darauf, dass die Schweiz in der Weltrangliste auf Rang 7 stehe. Unter Hitzfeld hat sich die Schweiz für die WM 2010 in Südafrika und nun auch für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert. Doch der Erfolg hat seinen Preis. Hitzfeld ist der teuerste Angestellte, den der Fussballverband je hatte, auch wenn die Spekulationen um sein Gehalt meist falsch sind. Der Lörracher dürfte 2013 inklusive Erfolgsprämien für die WM-Qualifikation rund 1,2 Millionen Franken verdienen. Sein Salär ist stark leistungsorientiert; gewinnt die Nationalmannschaft, wird der Grundlohn durch Prämien aufgebessert. Die sieben Siege der Schweizer in der abgelaufenen WM-Qualifikation haben Hitzfeld einen schönen Zustupf beschert. Im Hinblick auf den 24. November ist dies nicht ganz unwichtig. Die von den linken Parteien und den Gewerkschaften initiierte 1:12-Initiative zielt auf die horrenden Löhne einiger Topmanager. Die Initianten fordern, dass der höchste von einem Unternehmen bezahlte Lohn maximal zwölfmal so hoch sein darf wie das tiefste Gehalt. Ausgeschlossen sind dabei die Löhne von Lehrlingen, Praktikanten und Menschen mit geschütztem Arbeitsplatz.

Sonderfall Federer

Vor lauter Kritik gegenüber den «Abzockermanagern» geht im Abstimmungskampf vergessen, dass eine kleine Anzahl von Schweizer Sportlern ebenfalls Saläre in Millionenhöhe bezieht. Nimmt man beispielsweise Hitzfelds Gehalt als Vorlage, dürfte bei einer Annahme der 1:12-Initiative der tiefste Lohn beim SFV wohl nicht weniger als 100 000 Franken betragen. «Ein solches Beispiel verdeutlicht, wie willkürlich dieser Verfassungsartikel ist», sagt SFV-Generalsekretär Alex Miescher. Und er fragt vor diesem Hintergrund: «Würde man dann den Lohn von jemandem des Putzpersonals wieder reduzieren, wenn beispielsweise mal ein U-17-Nationaltrainer das A-Team übernähme?»

Finanziell in ganz anderen Dimensionen bewegt sich Roger Federer. Der Tennisstar gehört zu den bestverdienenden Athleten der Welt. 2013 war für Federer sportlich gesehen kein gutes Jahr, trotzdem erhielt er Preisgelder von rund 3 Millionen Franken. Dazu kommen Sponsoringeinnahmen von geschätzten 60 Millionen Franken. Darf sich nun Federers Entourage bei einem Ja am 24. November auf ein Spitzengehalt freuen? «Nein», sagt Stefan Krattiger, stellvertretender Generalsekretär der SP, welche eine der treibenden Kräfte hinter der 1:12-Initiative ist. «Denn Federer ist kein Unternehmen und zahlt sich keinen Lohn aus.» Als Einzelsportler sorgt der Baselbieter selbst für seinen Verdienst und jenen seiner Mitarbeiter.

Kein Einfluss auf die Wahl

Anders sieht es beim Fussballverband aus, der nach dem Nein von Marcel Koller nach wie vor auch damit beschäftigt ist, einen Nachfolger für Hitzfeld zu suchen. In den teilweise relativ öffentlich geführten Verhandlungen war die Rede, dass man Koller einen Vertrag mit einem Gehalt von 1 Million Franken angeboten habe. Künftige Nationaltrainer werden aber kaum mehr in die Nähe von Hitzfelds Salär kommen. Trotzdem könnte es – mit entsprechenden Prämien – höher als das Zwölffache des tiefsten Lohnes eines SFV-Angestellten sein. Nun steht im Initiativtext: «Tritt die Bundesgesetzgebung nicht innerhalb von zwei Jahren nach Annahme durch Volk und Stände in Kraft, so erlässt der Bundesrat die nötigen Ausführungsbestimmungen bis zum Inkrafttreten der Bundesgesetzgebung.» Dass diese Regelung die aktuelle Nationaltrainerfrage beeinflusse, verneint Miescher. «Der Fussball ist schnelllebig und fintenreich. Bis die Gesetze richtig greifen, gehen wohl noch mehrere Endrunden über die Bühne, und bis dann dürfte der Rest der Wirtschaft wohl Hinweise aussenden, wie man mit diesem Verfassungsartikel allenfalls umgeht.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2013, 10:42 Uhr

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