Mister Selbstvertrauen kehrt zu GC zurück

Mathias Walther ist schon zum dritten Mal für die Zürcher tätig. Zuletzt geschäftete der neue Sportchef auch mit Xherdan Shaqiri.

Einst Sportchef, dann Trainer, jetzt wieder Sportchef: Mathias Walther.

Einst Sportchef, dann Trainer, jetzt wieder Sportchef: Mathias Walther. Bild: Keystone

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Ein grosser Name sollte es sein. Ein Typ wie Christoph Spycher, der früher selbst Spitzenspieler war und Charisma besitzt. An Ricardo Cabanas dachten die GC-Verantwortlichen deshalb naheliegenderweise und in einem ersten Moment selbst an die Basler Alex Frei und Benjamin Huggel.

Jetzt ist es keine alte Grösse des Schweizer Fussballs, sondern nur ein alter Bekannter: Mathias Walther darf bei GC die Rolle des Sportchefs ausfüllen, als Untergebener seines Vorgängers Manuel Huber, der sich künftig wieder ganz auf das Amt des CEO konzentriert.

Huber war 28, als er vor zwei Jahren den entlassenen Axel Thoma ersetzte, Walther selbst war 28 gewesen, als er bei GC ein erstes Mal Sportchef wurde, das war im August 2000. Im Sommer danach war GC Meister, 2003 nochmals, es waren aber Titel, die weniger mit Walthers Arbeit als vielmehr mit dem Geld der damaligen Besitzer Rainer E. Gut und Fritz Gerber zusammenhingen.

Er selbst würde das anders sehen. Dafür ist sein Selbstvertrauen immer ausgeprägt genug gewesen. Und darum hatte er sich nicht gefürchtet, ein Jahr nach Erich Vogels Entmachtung dessen freien Stuhl zu übernehmen.

«Ich trage einen gut gefüllten Rucksack mit mir», sagte er während seiner ersten GC-Zeit, «ich kann konzeptionell denken, ich kann gut beobachten und eine Situation schnell analysieren, und ich bin auch in der Lage, eine Bilanz und eine Erfolgsrechnung zu lesen.» In Basel-Land war er aufgewachsen, beim FC Basel kam er zu ein paar Einsätzen in der Nationalliga B und zum ersten Profivertrag, bis er wegen einer Asthmaerkrankung mit dem Fussball aufhören musste. Er studierte Ökonomie und arbeitete für den Drittligisten Liestal als Ausbildner. In dieser Funktion lud er Vogel zu einem Diskussionsabend ein, damit der über das Nachwuchskonzept von GC referieren konnte. Die Bande waren geknüpft. Vogel holte ihn später, 1998, als Leiter für den Kinderfussball nach Zürich.

Im Oktober 2003 ging seine erste Zeit bei den Grasshoppers zu Ende. Wie Meistertrainer Marcel Koller war er Opfer des leistungsmässigen Einbruchs der Mannschaft geworden. Gerne hätte er weitergemacht, sagte er. Seinen Platz musste er interimistisch jenem Georges Perego überlassen, der heute im Verwaltungsrat von GC über die Rückkehr Walthers mitentschieden hat.

Unter einem knorrigen FCW-Präsident

Hannes W. Keller war es im Frühjahr 2004, der Walther im Alleingang zum FC Winterthur holte und ihn zum Trainer und Sportchef machte. Der knorrige FCW-Präsident war angetan von Walthers Jugendlichkeit. Mit Walther erreichte der FCW den Cuphalbfinal 2006, Spieler wie Marwin Hitz, Steven Zuber, Amir Abrashi und Luca Zuffi machten unter ihm ihre ersten Schritte in der Challenge League.

Allerdings verärgerte Walther seinen Chef einmal, als er das Budget schnell überzogen hatte. Er nehme ihm die Kritik nicht übel, entgegnete Walther dem Präsidenten gönnerhaft. Worauf der ihm entgegenschleuderte: «He, Walther, das ist mein Geld!» Ein gutes halbes Jahr später, im Mai 2009, trennte er sich von seinem Trainer. Walthers Bilanz war zwiespältig. Die Nachwuchsarbeit galt als vorzüglich, dagegen hatte er im Umfeld jeglichen Kredit verloren.

Er verschwand in der Versenkung, tauchte von 2010 bis 2012 im Nachwuchs von GC wieder auf, wo er als Talentmanager, Coach der U-21 und Koordinator tätig war. In Mazedonien, bei Shkëndija Tetovo, wurde er für ein Jahr Sportdirektor. Danach erschien er im Umfeld von Xherdan Shaqiri, um gewisse Aufgaben in dessen Betreuung zu übernehmen. Diese Rolle genoss er sichtlich. Anfang vergangenen Jahres verpflichtete ihn der FC Rapperswil-Jona aus der Promotion League als Ausbildungschef.

Jetzt, inzwischen 45-jährig, ist Walther zurück auf der grossen Bühne. Drei Monate hat GC gebraucht, um ihn zu finden. In einem knappen Communiqué schreibt ihm Präsident Stephan Anliker «sehr gute Qualifikationen und vertiefte Kenntnisse unserer Organisation» zu. Das tönt nüchtern. Es gab Zeiten, da wurden Sportchefs wie Dragan Rapic oder Axel Thoma bei GC schon viel euphorischer empfangen. Geholfen hat das trotzdem nichts. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.05.2017, 13:35 Uhr

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