Vom Kim-Il-Sung-Stadion in den Basler Rankhof

Zum ersten Mal wechseln nordkoreanische Fussballer nach Europa. In einem aberwitzigen Transfer stossen Chol Ryong Pak und Kuk Jin Kim zu Concordia Basel.

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Als Estes fragten sie nach Glace, einmal Schokolade und einmal Vanille. Zwei Nordkoreaner in Basel. Beim FC Concordia, in der Challenge League. Es ist ein wahnwitziger Transfercoup, der gestern durchsickerte – und der ohne Vergleich dasteht. Nie zuvor konnten nordkoreanische Spieler ihre Heimat verlassen, um sich einem europäischen Verein anzuschliessen. Nun also ausgerechnet zu Concordia Basel.

Chol Ryong Pak und Kuk Jin Kim heissen die beiden Fussballer, und bislang ist nicht viel mehr von ihnen bekannt, als dass sie 19 Jahre alt sind und der U21-Nationalmannschaft ihres Landes angehören. Mit dieser reisten sie auch schon an Fifa-Turniere im Ausland. Am Mittwoch hier angekommen, werden sie demnächst ins Training einsteigen und, geht es nach den Club-Verantwortlichen, bald mit der ersten Mannschaft auflaufen. Pak und Kim haben für drei Jahre unterschrieben.

Zwei Jahre Vorbereitung

Eingefädelt hat die Verpflichtung Karl Messerli, ein ehemaliger Nationallliga-A-Spieler, der seit Jahren für Concordia als Scout arbeitet. Sein Geld verdient er mit dem Handel von Plüschtieren, und in dieser Angelegenheit ist er regelmässig in Nordkorea unterwegs. Details über die Vereinbarung zwischen dem Club und den zuständigen Stellen in Nordkorea wurden nicht bekannt, Messerli bestätigt aber, lange Überzeugungsarbeit geleistet zu haben: «Es dauerte zwei Jahre, bis es mit dem Wechsel klappte.» Nebst dem, dass der Gang in die Schweizer Liga den nordkoreanischen Fussball in seiner Entwicklung voranbringen kann, glaubt Messerli, dass das Projekt zur Öffnung des international vollkommen isolierten kommunistischen Staates beitragen wird.

Spieler bringen einen Aufpasser mit

Seinen beiden Pionieren hat Pyöngyang einen Betreuer mitgeschickt, der auch dolmetschen wird und als früherer Fifa-Schiedsrichter das Leben im Ausland kennt. Gemeinsam werden sie in der Region hausen. Für den FC Concordia ist die Integration in die für sie völlig fremde Kultur entscheidend, ob Pak und Kim den Durchbruch schaffen. Bis heute lassen sich die asiatischen Kicker, die sich auf Dauer in Europa behaupten konnten, an einer Hand abzählen. Und keiner von ihnen kam in ein Wertesystem, das tagtäglich als feindlich verschrien wurde.

Wundertüte Nordkorea

Klappt es mit den beiden Nordkoreanern, sollen weitere folgen. Geplant war jetzt schon ein dritter Transfer, der Spieler verletzte sich aber. Angedacht ist, später A-Nationalspieler auf den Rankhof zu holen. Concordia-Sportchef Angelo Corti verspricht sich eine erhebliche Verstärkung für die Challenge-League-Mannschaft. Pak wie Kim sind gemäss Scout Messerli vielseitig einsetzbar: «Die können fast alles spielen.» Er streicht ihre Diszipliniertheit heraus und das taktische Verständnis. «Kreativität können wir ihnen hier beibringen», sagt er.

Vom Kim-Il-Sung-Stadion in Pyöngyang in den Rankhof. Der Fussball als Vorkämpfer der Globalisierung hat die letzte Bastion genommen. Andy Egli, der in einem Projekt der Fifa in Nordkorea während zwei Monaten Trainer schulte, glaubt an den Erfolg des Unterfangens. Er sieht eine Chance für die Schweiz, ohne Konkurrenz zu talentierten Spielern zu kommen. Nordkorea sei ein riesiges Reservoir: «Es gibt enorm viel talentierte Spieler, die taktisch hervorragend ausgebildet sind.» Karl Messerli drückt das so aus: «Es ist eine Kiste, in die du blind hineingreifen kannst. Immer ziehst du einen Guten raus.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.09.2008, 14:46 Uhr

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