«Bald haben wir den Salat»

Walter Stierli, der Präsident des FC Luzern, ist genervt von der Selbstinszenierung von seinem Sittener Amtskollegen Christian Constantin.

«Ich wäre für die  harte Linie»: Walter Stierli hat die Nase voll von Amtskollege Christian Constantin.

«Ich wäre für die harte Linie»: Walter Stierli hat die Nase voll von Amtskollege Christian Constantin. Bild: Keystone

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Keine Instanz ist Christian Constantin mächtig genug, um sich nicht mit ihr anzulegen. Sions Präsident protestiert, droht, zieht vor Gericht oder qualifiziert die Verbandsspitze als «inkompetent» ab. Er verpflichtete im Sommer sechs Spieler, obwohl die Fifa ihm Transfers untersagte – und empfahl den Gesperrten, über ein Zivilgericht vorübergehend ihre Qualifikation zu erwirken. Constantin macht weiter, was er für richtig hält, löst damit aber grosse Unsicherheiten aus, weil in mehreren Partien Mannschaften nur unter Protest antraten. In Luzern ist Präsident Walter Stierli entrüstet darüber, wie sich sein Amtskollege aufführt.

Innerhalb der Liga wächst der Widerstand gegen Christian Constantin. Wie kann sie ihn bändigen?
Es stossen sich tatsächlich sehr viele Leute an seinem Gebaren. Ein Rezept, wie man ihn bändigen könnte, kenne ich noch nicht. Ich fordere vom Verband, dass er mit aller Konsequenz durchgreift.

Warum ärgern Sie sich masslos?
Weil er alle Reglemente mit Füssen tritt, das nervt! Ich habe ihm gegenüber jeglichen Respekt verloren.

Man könnte das auch so auffassen: Constantin vertritt rigoros die Klubinteressen.
Ja, ja, das mag alles sein. Aber das ändert nichts an meiner Meinung: Er macht, was er will. Massgebend ist das Urteil der Fifa, das besagt, dass Constantin während zweier Transferperioden keine neue Spieler verpflichten darf. Er tut es trotzdem. Und lässt dann seine Leute ein Zivilgericht anrufen. Was soll das? Die Fifa ist unsere oberste Instanz. Constantin aber widerspricht mit seinem Vorgehen den Statuten, die besagen, dass kein Zivilgericht eingeschaltet werden darf. Jedes Grümpelturnier kennt ein Reglement, das für alle Beteiligten gilt. Wir hätten auch schon an ein Zivilgericht gehen können, hielten uns aber immer an die Spielregeln.

Constantin hat bis jetzt erreicht, was er wollte.
Ein normaler Spielbetrieb ist so auf Dauer nicht möglich. Bald haben wir den Salat. Constantin übt Druck auf Schiedsrichter aus, wie er will. Er ist ein ständiger Unruheherd. Aber es passiert überhaupt nichts. So geht der Fussball zugrunde. Diese Selbstinszenierung geht mir unglaublich auf den Wecker.

Die Fifa drohte Sanktionen an, die nicht nur die Klubs, sondern auch die Nationalmannschaft treffen könnten. Sind es wirklich nur Drohungen?
Ich kann mir vorstellen, dass die Fifa irgendwann ein Exempel statuiert. Die Sittener Spieler waren schlecht beraten, weil sie sich mit ihrem Arbeitsvertrag verpflichtet haben, bei Streitigkeiten nicht vor ein ziviles Gericht zu gehen. Wenn sich Klubs und Verbände nicht mehr an die Bestimmungen halten, bricht der ganze Betrieb in sich zusammen. Wegen Constantin werden wir im Ausland ausgelacht. Er beeinträchtigt das Image einer Liga, in der vieles sehr gut ist, sportlich und auch in Sachen Infrastrukturen. Er ist Chef eines Super-League-Vereins und müsste in dieser Funktion eigentlich Vorbild sein. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und wenn er die Liga auf 15 Millionen Franken Schadensersatz verklagen will, frage ich mich: Weiss er, wen er angreift? Auch sich selber und seine Partner, also alle anderen Klubs.

Verbandspräsident Peter Gilliéron hat das Dossier übernommen. Im Gegensatz zu Liga-Präsident Thomas Grimm drängt er auf eine Kompromisslösung mit Constantin.
Wie lange dauert es, und Constantin kommt schon mit dem nächsten Fall? Er fühlt sich doch immer wieder ungerecht behandelt, droht mit Gerichten … Ich wäre für die harte Linie.

Der FCL fordert, dass aus dem 1:1 in Sion ein 3:0-Forfaitsieg wird. Dient Constantin plötzlich als Vorbild?
Auf keinen Fall. Wir wollen nur Gegensteuer geben und uns nicht mehr alles gefallen lassen. Sion trat mit Spielern an, die laut Fifa gesperrt gewesen wären. Einmal dürfen sie spielen, einmal nicht – das ist Wettbewerbsverzerrung. Und dagegen wehren wir uns. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 21.08.2011, 15:11 Uhr

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