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Bilder von Hoeness

Bruno denkt: Wir machen uns oft ein Bild von jemandem anhand von fremden Bildern.

MeinungFredy Wettstein

Bruno sitzt an diesem Morgen nicht beim Espresso, sondern im Zug. Inzwischen reist er öfters so, es entspanne, findet er, und er muss diesmal nach München, um dort eine Werbekampagne zu präsentieren. Am Abend zuvor hat er im Kaufleuten eine Ehrung von Peter Bichsel besucht, der wunderbare Geschichtenerzähler wird bald 80, und ein Satz Bichsels kommt Bruno in den Sinn, als er in seinem Abteil sitzt, vor seinen Augen entschwindet eben der noch in Morgennebel gehüllte Bodensee. «Die Eisenbahn», sagte Bichsel und machte eine Pause, «aber nur die 2. Klasse, ich warne vor der 1. Klasse, ist einer der letzten Orte der Öffentlichkeit.»

Nebenan im anderen Abteil reden zwei Männer, um die 50 sind sie, sie tragen Anzug, und sie haben vorher noch über die Entwicklung des DAX-Kurses diskutiert, einer wettete, er steige bald über 12 000. Jetzt schauen sie sich beide ein Bild in einer Zeitung an. «Er sieht aber alt aus, gezeichnet», sagt der eine, «ja, ziemlich vergrämt», der andere, «irgendwie verbittert», und sie reden noch einige Zeit über den Mann, um den sie sich offenbar sorgen. Als sie die Zeitung weglegen, sieht Bruno, über wen sie gesprochen haben – Uli Hoeness. Das ist also das Bild von ihm, in der Öffentlichkeit, im Zug 2. Klasse nach München.

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