Blindenbachers bitteres Rencontre mit dem Linienrichter

Der ZSC verliert seinen vielleicht wichtigsten Verteidiger nach einem kuriosen Vorfall und unterliegt in Lugano 2:3.

Severin Blindenbacher setzt gegen den Schiedsrichter die Hand ein - jetzt droht ihm eine Sperre: Severin Blindenbacher. (Video: SRF/TA)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Unparteiischer entschied das Spiel. Bei allen Geschichten, welche die Serie zwischen dem ZSC und Lugano ­bisher schrieb, verblüffte Spiel 4 mit einer für die Zürcher bitteren Pointe. In den Hauptrollen: ihr Verteidiger Severin Blindenbacher und Linienrichter Roger Bürgi.

Es lief die 38. Minute, es stand 2:2, als Lugano einen Konter fuhr. Blindenbacher eilte zurück, doch in seinem Weg stand Bürgi. Der konnte nicht ausweichen, es kam zur Kollision. Und dann tat Blindenbacher, was er nicht hätte tun dürfen: Um die enteilenden Gegner einzuholen, stiess er Bürgi aus dem Weg. Begleitet von ein paar lauten Worten.

Es gab die logische Fünfminutenstrafe plus Restausschluss. Und es gab im Powerplay das 3:2 für Lugano, den Siegtreffer (40.). ­Ausgerechnet Zackrisson traf: Der zuletzt überzählige Schwede spielte nur, weil Lapierre gesperrt war. Der Kanadier wiederum verfolgte den Auftritt seiner Kollegen neben dem ebenfalls gesperrten Vauclair vom Spielfeldrand aus –beide sind übermorgen wieder einsatzberechtigt. Das Karussell der Absenzen dreht sich also weiter. Denn dass Blindenbacher mindestens für ein Spiel aus dem Verkehr gezogen wird, darf als sicher gelten. Und der Entscheid, ob ZSC-Stürmer Thoresen nach dem gestrigen Match noch weitere Sperren ab­sitzen muss, ist ebenso hängig.

Dabei sollte es im Playoff doch um Eishockey statt um Justiz gehen. Und für den Sport machten die Teams auch beste Werbung. Der ZSC mit einer Mischung von Entschlossenheit und taktischer Überlegenheit, die einmal mehr nur eine Schwäche kannte: den ­Abschluss. Das 1:1 nach dem Startdrittel wirkte wie ein Hohn – auch wenn Lugano kompakt stand, viel lief und seine grösste Chance kaltblütig nutzte. Sannitz brauchte den Puck nach einem Zwei-gegen-eins-Konter nur noch einzuschieben.

Ein erstes Gespräch mit Schiedsrichterchef Reiber

Doch der ZSC reagierte. Nicht ­einmal, sondern zweimal. Herzog nutzte im Powerplay seinen bevorzugten Aufenthaltsraum – den Slot – zu einem Abprallertor (20.). Und Marti traf per Weitschuss zum 2:2.

Auch nach Blindenbachers Abgang und dem dritten Rückstand kämpften die Zürcher unbeirrt weiter. Wick, der anstelle von Thoresen in den ersten Sturm vorgerückt war, erinnerte nicht bloss wegen seines Topskorer-Helms an beste Zeiten. Und doch fehlte ihnen ohne Nilsson, Thoresen, Sjögren und Ersatzausländer jene Qualität im Abschluss, die den Unterschied macht. Beim finalen An­rennen schliesslich liessen es die Zürcher an Präzision fehlen, der dritte ­Ausgleich blieb aus.

Trainer Wallson mochte das nicht auf die Abwesenden schieben. «Jene, die heute auf dem Eis standen, waren stark», lobte der Schwede. Nicht äussern wollte er sich dagegen zur Schlüsselszene des Spiels, und auch der Hauptdarsteller nicht. «Nein», sagte Blinden­bacher im Kabinengang auf die Frage, ob er den Zusammenprall mit dem Linienrichter kommentieren könne. Dafür unterhielt er sich mit Schiedsrichterchef Reiber. Ob die Länge der möglichen Sperre ein Thema war? Luganos Hofmann musste letzte Saison nach einer ähnlichen Szene zwei Spiele aussetzen.

Erstellt: 11.03.2017, 23:54 Uhr

Artikel zum Thema

Lugano gleicht aus – Zug und Davos weiter

Ausgeglichene Serie: Die ZSC Lions verlieren in der Resega gegen den HC Lugano knapp. Davos und Zug erreichen den Halbfinal im Eiltempo. Mehr...

ZSC gewinnt drittes Spiel knapp – Bern verliert

Den Lions reicht im dritten Spiel gegen Lugano ein einziges Tor zum Sieg. Der SC Bern muss sich zuhause von Biel 3:6 geschlagen geben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Mamablog Mama, bleib doch mal stehen!

Never Mind the Markets Polen und Ungarn sind keine Schwellenländer

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...