Buchlis Abgang und die Rolle ihres Ehemanns

Die Fernsehfrau verlässt das SRF und wechselt zu UPC. Wie man den TV-Wechsel des Jahres verstehen muss.

Pannen und Lacher: Steffi Buchli lieferte in ihrer SRF-Zeit so einige Momente, die in Erinnerung bleiben werden.
Video: Tamedia/SRF

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Ein Auslöser für Steffi Buchlis Wechsel zu UPC ist ihr ehrgeiziger Ehemann. Der Gatte heisst Florian Kohler und ist Geschäftsführer des Schweizer Hockeyverbands. Er hat im Frühling 2016 die Fernsehrechte für das Eishockey an UPC verkauft. Für fünf Jahre. Der Hockeyverband bekommt dafür 177 Millionen Franken. Der Deal ist UPCs Eintrittsbillett in den Markt ernst zu nehmender Sportsender und für Buchli überhaupt erst der Grund, über einen möglichen Wechsel nachzudenken.

Nun stelle man sich die Küchentisch-Diskussion im Haus Kohler-Buchli im vergangenen Sommer vor. Kohler: «Wir haben gerade die Rechte an UPC verkauft.» Buchli: «Die machen nun Eishockey?» Kohler: «Sie wollen was Grosses aufbauen, haben sie mir gesagt.» Buchli: «Find ich interessant.» Kohler: «Hab ich denen auch gesagt.»

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Steffi Buchli als Sportmoderatorin ist ...





Tatsächlich gab es bereits im Juli 2016 Gerüchte, dass Buchli zu UPC wechseln könnte, neun Monate später werden aus Gerüchten Tatsachen. Buchli wechselt. Vom grossen SRF zur – im Sport – kleinen UPC. Vom Arrivierten zum Parvenu. Buchli wird dem Eishockey erhalten bleiben, sie wird bei UPC Programmleiterin und Moderatorin.

Dem Konkurrenten die Leute abjagen

Der Wechsel mag auf den ersten Blick verwundern, auf den zweiten Blick aber folgt er einer Logik. Der Schweizer TV-Markt ist im Umbruch. Früher vereinte die Swisscom-Tochter Teleclub beinahe alle Livesport-Ereignisse (ausserhalb des SRF) in ihrem Angebot, heute verliert der Sender mehr und mehr an Rechten. Auch wegen UPC. Deren CEO Eric Tveter will – koste es, was es wolle – neben Teleclub einen neuen Sportsender in der Schweiz lancieren. Im Sommer 2017 soll der Kanal My Sports auf Sendung gehen. Hintergrundgedanke ist, über den Sport Kunden zu binden und ihnen ganze Kommunikationspakete für Internet, Telefon und Handy zu verkaufen.

Zweimal hat Tveter vergeblich versucht, dem Rivalen Teleclub die TV-Rechte im Fussball abzuluchsen, also probierte er es im Eishockey. Der Preis soll darauf gleich um 10 Millionen Franken gestiegen sein, berichten Insider.

Als UPC den Zuschlag bekam, hat sie sogleich dem Konkurrenten Teleclub dessen Moderator und Hockey-Gesicht Reto Müller abgeworben wie auch zwei weitere Mitarbeiter. Nun folgt Buchli. Man darf davon ausgehen, dass sich die Wechsel für die Beteiligten auch finanziell lohnen. Die Beispiele zeigen, der Schweizer TV-Markt beginnt zu spielen, es erinnert an England oder auch Deutschland, als in den 90er-Jahren die Fussballsendung «ran» die Hierarchie im Fussball-TV kräftig verschob.

Es leidet: Der Kunde

Buchli ist also nur ein weiterer Bulletpoint einer Strategie, die UPC nun mit allen Konsequenzen durchziehen will: gross und wichtig werden. UPC hat angekündigt, dass sie Konkurrent Teleclub nicht einmal Sublizenzen für das Schweizer Eishockey weitergibt. Teleclub-Kunden sehen künftig kein Schweizer Eishockey mehr, nicht einmal die Highlights des NLA-Eishockey darf der Sender zeigen.

Hier geht UPC auf Konfrontationskurs. Ein Urteil der Wettbewerbskommission (Weko) vom vergangenen Jahr weist darauf hin, dass TV-Rechte ohne Diskriminierung weitergegeben werden müssen. Das Paradoxe daran: Teleclub beruft sich heute auf dieses Urteil, das es noch vor einem Jahr ans Bundesverwaltungsgericht weitergezogen hat. Und UPC verfolgt nun eine Strategie, die sie damals noch selbst bei der Weko eingeklagt hat. Tveter gibt sich gelassen und sagt jüngst der NZZ am Sonntag: «Die Weko kennt nicht nur unser Distributionsmodell, sondern auch den Lizenzvertrag mit der Eishockey-Liga.»

Leiden wird übrigens vor allem der Teleclub-Kunde. Will er künftig Schweizer Live-Fussball und -Eishockey schauen, muss er künftig zwei Abonnemente kaufen – eines bei Teleclub, eines bei UPC. Klienten von UPC hingegen können die Super League schauen, müssen aber einen Aufpreis bezahlen.

Video – so kennen wir Steffi Buchli:

Die TV-Frau wurde an Olympia in Rio vom Winde verweht, reagierte aber souverän. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.04.2017, 13:21 Uhr

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