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Das nahende Ende von Tami

Dem GC-Trainer droht nach dem desaströsen Auftritt beim 1:2 gegen Vaduz die Entlassung.

Den Präsidenten im Rücken: GC-Trainer Pierluigi Tami vor Stephan Anliker.
Den Präsidenten im Rücken: GC-Trainer Pierluigi Tami vor Stephan Anliker.
Keystone

Am Ende gab es versteinerte Mienen, Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit. Es gab bittere Pfiffe aus der Fankurve. Vor allem gab es nach der 1:2-Niederlage gegen den FC Vaduz diese eine Frage: Wie lange darf Pierluigi Tami Trainer der Grasshoppers sein? Tage? Oder doch nur noch Stunden?

«Mit mir hat bis jetzt noch keiner gesprochen», sagte Tami eine gute halbe Stunde nach Spielschluss. Dafür wurde in der Vorstandsetage umso ausführlicher über ihn geredet. Derart konsterniert war man hier nach diesem Abend, Auftritt und Absturz.

Das Spiel gegen das als Tabellenletzter angereiste Vaduz ist für Tami das geworden, was es genau nicht sein sollte: ein Schicksalsspiel. Der Verwaltungsrat um Präsident Stephan Anliker hatte die Lage beruhigen wollen, indem er versuchte, dem Match an Bedeutung zu nehmen. Er wollte Ruhe vermitteln, damit Mannschaft und Coach ohne zusätzlichen Druck arbeiten können.

Es war ein Versuch, um auch die Strömungen innerhalb des Vereins zu kanalisieren, denn Tami ist bei einzelnen Führungskräften schon länger umstritten – nicht als Mensch, dafür wird er in dieser Beziehung zu sehr geschätzt. Aber er ist umstritten wegen seiner andauernden Tüftelei.

Interne Lösung mit Bernegger? Oder gar eine mit Yakin?

Nun aber haben Mannschaft und Coach diesen Versuch gleich selbst jämmerlich zum Scheitern gebracht. Sie haben nach nur einem Sieg in 14 Spielen den Offenbarungseid geleistet.

Es ging schief, was schiefgehen konnte. Joël Mall, nach monatelanger Verbannung auf die Ersatzbank eben erst ins Tor zurückgekehrt, verschuldete das 0:1 durch Simone Grippo in der 44. Minute. Munas Dabbur, dem aus Salzburg zurückgeholten Hoffnungsträger, bot sich gleich nach der Pause die Chance zum Ausgleich; sein Elfmeter geriet zur Rückgabe. Ausgerechnet Dabbur also, der eigentlich vorneweg gehen sollte, gestern aber neben seinem Fehlschuss nur mit seiner anhaltenden Stänkerei gegen alles und jeden auffiel.

Der Trainer scheiterte an der Aufgabe, weil er der Mannschaft erneut kein spielerisches Gesicht geben konnte, weil er sie nicht in die Verfassung gebracht hatte, die für ein solches Nervenspiel nötig gewesen wäre. Seine Hilflosigkeit zeigte sich am Beispiel Runar Mar Sigurjonsson, den er gleich auf vier Positionen herumschob.

Die Mannschaft scheiterte an der Aufgabe, weil sie dem Druck so wenig gewachsen war wie ihr Chef, weil sie erneut mental versagte und in sich zusammenfiel. Mergim Brahimi hatte den besten Moment von allen im Tribünengang, als er sagte: «Das war unser schlechtestes Spiel.» Das will etwas heissen nach Leistungen wie jüngst gegen Thun oder in Lugano.

Die Frage für die GC-Führung heisst also: Wie weiter im Abstiegskampf? Wirklich mit Tami? Intern hat sie drei Trainer mit nötiger Uefa-Pro-Lizenz: Carlos Bernegger, Boris Smiljanic und Johann Vogel, wobei nur Bernegger die Erfahrung mitbringt, um ernsthaft als Nothelfer infrage zu kommen. Extern denkt man an Murat Yakin, aber der kann nicht seriös infrage kommen, weil er eben erst in Schaffhausen angefangen hat. Tamis Vertrag läuft bis 2019. Eine Entschädigung für eine allfällige Trennung ist darin fixiert. Er selbst sagt: «Meine Position ist für mich die kleinste Sorge.»

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