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Denn nun weiss sie, was sie tut

Rekordschwimmerin des Wochenendes: Die Schweizerin Maria Ugolkova glänzt an der Europameisterschaft und wird Vierte.

Die vielseitigste Schwimmerin der Schweiz: Maria Ugolkova. Bild: EPA/Patrick Krämer
Die vielseitigste Schwimmerin der Schweiz: Maria Ugolkova. Bild: EPA/Patrick Krämer

Es hat eine Zeit gegeben, da schwamm Maria Ugolkova noch ab und zu – um einfach in Bewegung zu bleiben. Die Lust an der trainingsintensiven Sportart hatte sie verloren, der Fokus sich hin zum Wirtschaftsstudium verschoben. Das war vor vier Jahren. Als es schien, dass sich eine talentierte Athletin für ein Leben ohne Spitzensport entschieden hat. Dass ihre Karriere zu Ende war, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte.

Heute ist alles anders, und mit früher hat es nur noch wenig zu tun. Ugolkova, mittlerweile 28 Jahre alt, ist die vielseitigste Schwimmerin der Schweiz und auch die schnellste. Am Wochenende erzielte sie an der Kurzbahn-EM in Kopenhagen vier Landes­rekorde. Am Samstag verschob sie, die für den Schwimmclub Uster-Wallisellen schwimmt, die Rekordmarken nicht um Hundertstel- und nicht um Zehntelsekunden, sondern gleich um Welten. Ugolkova wurde über 200 m Lagen in 2:08,40 Minuten Vierte, eine Zeit, von der ihr Trainer Pablo Kutscher sagt, sie sei «unglaublich gut».

Das Unglaubliche ist vielleicht nicht einmal die Zeit, sondern eher Ugolkovas Steigerung: Um insgesamt 2,18 Sekunden hat sich die gebürtige Russin in der Royal Arena, in der erstmals Wettkämpfe ausgetragen wurden, im Vorlauf und Final verbessert. Wie gesagt, um Welten. Dass es dennoch nicht fürs Podest gereicht hat, empfand vor allem der Trainer als «etwas bitter, wenn man so nahe dran ist».

Bronze knapp verpasst

21 Hundertstel fehlten Ugolkova zu Bronze, aber sie sprach lieber von anderem. Beispielsweise davon, dass sie nach dem Rennen, das die Ungarin Katinka Hosszu ­über­legen gewann, gar nicht mehr habe gehen können. «Während des Rennens war ich voller Adrenalin, es war ein ­grossartiges Gefühl, am liebsten würde ich noch einmal ­starten.»

Die Lust an der trainingsintensiven Sportart ist nicht erst in diesem Jahr zurückgekehrt. Maria Ugolkova erzählt gern von jenem Meeting in Frankreich, bei dem sie 2013 ohne grössere Ambitionen startete und nebenbei Uster-Trainer Flemming Poulsen erzählte, dass sie wohl bald aufhören werde mit Schwimmen. Lausanne Natation war damals ihr Club, ihr Trainer jedoch hatte diesen ver­lassen, und sie stand deshalb ­ziemlich orientierungslos da. Poulsen empfand einen Rücktritt allerdings als verschwendetes Talent. So lud er Ugolkova im Winter 2014 in ein dreiwöchiges Trainingslager des SCUW nach Teneriffa ein – und sie packte die neue Chance.

Ugolkova war 2005 mit ihrer Mutter aus Russland in die Schweiz gekommen, diese hatte im Tessin eine Trainerstelle gefunden. Und die Tochter reiste nur noch für Kaderzusammenzüge und Meisterschaften in ihr Heimatland zurück. Gern gesehen wurde das nicht, und Ugolkova bekam das auch zu spüren. Sie schaffte 2012 zwar die Olympiaqualifikation, aus ihr nicht bekannten Gründen wurde aber eine andere Schwimmerin bevorzugt. Dies war das Ende der emotionalen Bindung zu ihrer Heimat. Ugolkova beantragte 2013 den Schweizer Pass und erhielt ihn zwei Jahre später.

Rekord um Rekord – logisch

Dass sie im vergangenen Jahr dennoch zu ihrer Olympiapremiere kam und nun mit 28 einen Rekord nach dem anderen schwimmt, hat für sie eine gewisse Logik. Sie sagt, wenn man jung sei, wolle man so vieles. Aber man verstehe nicht, was man eigentlich tue. «Heute weiss ich genau, weshalb ich was trainiere, was mir wofür nützt. Heute schwimme ich mit Kopf, damals noch ohne.» Deshalb ist heute alles anders und hat mit früher nur noch wenig zu tun.

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