Der letzte Flieger

Vater Hollenstein war in Kloten eine Legende und Vorbild seines Sohnes. Sein Einfluss reichte bis nach Mallorca in ein Restaurant.

Vater und Sohn, Felix und Denis Hollenstein.

Vater und Sohn, Felix und Denis Hollenstein. Bild: Keystone

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Hollenstein, der Name weckt Erinnerungen. Hollenstein, der Vater, Felix, von allen nur Fige gerufen, und die vielen Abende im Klotener Eisstadion, das damals noch Schluefweg hiess, und in dem es oft bitterkalt war, weil oben unter dem Tribünendach offen und der Wald gleich dahinter. Wunderbare und lange Abende, besonders Anfang der Neunzigerjahre des letzten Jahr­hunderts, viermal nacheinander ­wurden die Flieger Meister, ein Ballett auf Eis. Auch, vor allem dank ihm.

Chlote war Hollenstein, Fige, der Flügel mit dem wehenden Haarschopf, schnell, schneller als alle anderen, und kräftig, kräftiger als die meisten Stürmer, ein ganzes Leben für nur einen Club, immer mit der 24 auf dem Rücken. Ein Eiskönig im Dorf. Und da war dieser Dienstagabend, Ende März 2002. Hollenstein, 37 damals, konnte die ganze Saison nicht mehr spielen, er war verletzt am Knie. Davos war der Gegner im Playoff-Halbfinal, die Klotener hätten gewinnen müssen, um noch eine Chance zu haben. Sie lagen schnell 0:4 zurück, dann 0:6, Fige sass in Jeans und Jacke auf der Tribüne, doch in der letzten Pause forderten ihn seine Mitspieler auf, er solle sich doch umziehen.

Er tat es, sein Name war nicht auf dem Matchblatt, er hätte nicht spielen dürfen, aber Davos war einverstanden. Sieben Minuten vor Schluss kam er, mit der 24 auf dem Rücken und dem C als Captain vorne. Im Stadion, in dem vorher Stille geherrscht hatte, weil das Spiel längst entschieden war, erhoben sich alle, schauten nur noch auf ihn, seine letzten Bewegungen als Spieler, zum 650. Mal im Dress seines Clubs, selbst die Davoser Fans klatschten.

Vaters Einfluss reichte bis nach Mallorca

Auf der Tribüne sass auch Denis, sein Sohn, 13 damals. Vater Felix blieb ein Chlotener. Trainer der Junioren, Assistent, Cheftrainer, 2012 entlassen, dann zurückgeholt und so auch Trainer seines Sohnes, der inzwischen einer der Besten des Landes war.

Es war im Sommer 2014, in einem lauschigen Garten eines Restaurants in Santanyi auf Mallorca. Einige junge Leute feierten, wie junge Menschen eben feiern und wie sie feiern dürfen, auch wenn sie Hockeyspieler sind, der Gedanke an das Eis und der Winter aber noch weit weg sind. Der Sohn, Denis, erfährt, dass ein Journalist ebenfalls im Restaurant sitzt, es passt ihm nicht, und er telefoniert mit seinem Vater Felix, von diesem hört er, dass er nichts zu befürchten habe, und der Sohn lacht und prostet dem Journalisten zu.

Einige Monate später wurde Hollenstein, der Vater und Trainer, wieder entlassen, es blieb nur der Sohn. Und jetzt geht der weg, nicht irgendwohin, sondern zum einst grossen Rivalen, zum ZSC ins Hallenstadion, in dem sein Vater früher wie nirgendwo sonst verhöhnt wurde. Es gibt keinen Grund mehr, in die Halle in Kloten zu gehen, die längst nicht mehr Schluefweg heisst.

Ein Hollenstein zum ZSC – das ist, als hätte Francesco Totti, der ewige Römer, der grösste Fussballer der Stadt und ewig ein Romanista, einer der AS, der Associazione Sportiva, einmal für Lazio Rom gespielt. Undenkbar.

fredy.wettstein@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 04.12.2017, 17:09 Uhr

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