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Der logische IOK-Präsident

Mit Thomas Bach hat ein begnadeter Netzwerker die Wahl zum obersten Olympioniken gewonnen. Sein Bewerbungsdossier umfasste fast nur Worthülsen, die er nun füllen muss. Ein Kommentar von Christian Brüngger.

Aus wahltaktischen Gründen stets nebulös und schwammig: Thomas Bach.
Aus wahltaktischen Gründen stets nebulös und schwammig: Thomas Bach.
Keystone

Thomas Bach heisst der 9. IOK-Präsident. Mit dem 59-jährigen Deutschen setzte sich der Favorit gegen fünf Kontrahenten durch, darunter den chancenlosen Schweizer Denis Oswald. Bach, der Fecht-Teamolympiasieger von 1976, ist ein logischer Nachfolger von Jacques Rogge: Er ist ein begnadeter Netzwerker und damit ein cleverer Stimmenbeschaffer. Seit 22 Jahren ist er Mitglied des IOK und damit mit dem unabdingbaren Stallgeruch umgeben, ohne den es kaum ein Kandidat an die Spitze der wohl wichtigsten Sportorganisation schafft.

Bach arbeitete zuletzt in vielen wichtigen IOK-Dossiers mit. Der Wirtschaftslobbyist und Anwalt kennt die Schwächen und Stärken des Komitees bis ins Detail. Nur wer sie kennt, vermag das Erbe von Rogge auch erfolgreich weiterzuführen. Trotzdem ist nicht garantiert, dass Bach einst als Reformer in die olympische Geschichte eingehen wird. Wofür er steht, hat er seit seiner Kandidaturbekanntgabe im Mai tunlichst ausgeklammert.

Inwiefern er aus wahltaktischen Gründen stets nebulös und schwammig blieb, um möglichst viele Interessen in Form von Stimmen bündeln zu können, ist schwierig abzuschätzen. Klar aber ist in den letzten Wochen geworden, dass Bach kein Visionär ist. 16 Seiten umfasst sein Bewerbungsschreiben an seine IOK-Kollegen. Ausser Worthülsen, welche in seinem Leitmotiv «Einheit in Vielfalt» kulminierten, war aus seinem Dossier nichts herauszulesen.

Dabei sind viele Herausforderungen anzugehen – wie dem Gigantismus der Spiele. Russland verbaut für seinen Winteranlass von 2014 in Sotschi um die 50 Milliarden Franken. Genau dürfte dies wohl nicht einmal Wladimir Putin wissen. Gerade kleinere, demokratisch durchdrungene Nationen fühlen sich bei dieser Kraftmeierei immer unwohler und lassen lieber von einer möglichen Kandidatur ab. Zumal die Defizite stets die Veranstalter tragen müssen.

Thomas Bach sprach bei seiner Antrittsrede davon, wie er schon einmal in Buenos Aires siegte. 1977 wurde er in der argentinischen Hauptstadt mit dem deutschen Team Weltmeister. Für ihn schloss sich damit ein Kreis. Jetzt sollte er ihn auch noch mit Inhalt füllen.

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