Der vernünftige König bleibt sich treu

Hat genug vom Sägemehl: Matthias Glarner.

Hat genug vom Sägemehl: Matthias Glarner. Bild: Sven Thomann/Freshfocus

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Die Arme nach oben gestreckt, die Hände zu ­Fäusten geballt, auf dem Kopf der Siegerkranz vom Eidgenössischen Schwingfest 2016. So präsentiert sich Matthias Glarner am Samstagnachmittag an der Pressekonferenz in Hasliberg. Wenn auch nur im Miniformat – auf der Etikette einer Mineralwasser­flasche. Eine kleine Erinnerung an seinen grössten Moment. Glarner betritt den Raum, schiebt die Flasche beiseite und sagt: «Ich habe mich entschieden, den Rücktritt zu geben.»

In Matthias Glarners
Pro-und-Kontra-Liste
standen links
nur zwei Argumente

Die Nachricht ist Vollzug statt Überraschung. So wie auf der Flasche hat der Meiringer in den letzten Jahren nie mehr gejubelt. Vielmehr trug er die Bürde des Gondelsturzes vom Juni 2017 mit sich. Die ­Unfallstelle ist eine Handvoll Kilo­meter vom Ort des Abschieds entfernt. Seither war der Körper Glarners hartnäckigster Gegner. Die Lücke zur Spitze hätte der 33 Jahre alte Berner nie mehr schliessen können. Er sagt: «Die Gesundheit war bei der Entscheidungsfindung ein grosser Faktor.» Glarner erstellte eine Pro-und-Kontra-Liste. Das Übergewicht auf der rechten Seite war erdrückend. Links standen nur zwei Argumente: Herz und Leidenschaft.

Wie so häufig entschied beim Kopfmenschen ­Glarner die Vernunft. Er war nicht der stärkste Schwinger, nicht der vielseitigste. Aber er war ein Ausbund an Konstanz. Und was ihn von vielen Gegnern unterschied: Er hatte immer einen Plan. Glarner gewann 116 Kränze. Nur sieben Schwinger besitzen mehr. In Estavayer setzte er seine Strategie vom ­ersten bis zum letzten Zug um und wurde Schwingerkönig. Neben dem Sägemehl suchte er nie nach Wichtigkeit, fand häufig die richtigen Worte. Einzig das grosse Ziel Brünig-Sieg hat er nicht erreicht.

Glarner sagt: «Einige Träume erfüllen sich, andere nicht – so soll es sein im Leben.»



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Erstellt: 26.10.2019, 23:27 Uhr

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