Ein Sieger-Trio auf dem Brünig

Mit Kämpf, Reusser und Stucki triumphierten gleich drei Berner beim Bergkranzfest. Doch wirklich freuen kann sich nur einer.

Zu dritt ganz oben: Philipp Reusser, Christian Stucki und Bernhard Kämpf (v. l.) feiern ihren Festsieg. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Zu dritt ganz oben: Philipp Reusser, Christian Stucki und Bernhard Kämpf (v. l.) feiern ihren Festsieg. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

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Es ist immer so eine Sache, wenn es im Schwingen im Schlussgang keinen Sieger gibt. Dann kann es sein, dass zuerst einmal gerechnet werden muss und das ­Publikum nicht weiss, wem es nun zujubeln soll. Es fehlen die Gefühlsausbrüche und damit der emotionale Schlusspunkt. Doch dieses Szenario gehört seit Urzeiten zu den Eigenheiten des Schwingens.

Genau so eine gedämpfte Stimmung herrschte gestern nach dem gestellten Schlussgang auf dem Brünig. Daran ­änderte auch der Umstand nichts, dass am Ende gleich drei Berner Grund zum Feiern hatten. Bernhard Kämpf (1a), Philipp Reusser (1b) und Christian Stucki (1c) teilten sich den Sieg bei der 124. Austragung des Klassikers in der bis unter die Bäume gefüllten Naturarena.

Wer auf dem Brünig gewinnt, ist in der Regel einfach nur überglücklich. Doch das war nur einer aus dem Siegertrio. «Das ist Wahnsinn», sagte Philipp Reusser kopfschüttelnd und konnte sein Glück kaum fassen. Es ist der erste Kranzfestsieg für den 25-jährigen ­Emmentaler. «Ich wollte eigentlich schon in die Massage», erklärte der Eidgenosse, «doch dann wurde mir gesagt, dass es mir bei einem gestellten Schlussgang gar noch zum ersten Platz reichen könnte. Nun stehe ich hier und bin Festsieger, ich kann es nicht glauben.» Der Kranz sei sein Ziel gewesen, vom Sieg hätte er nicht einmal zu träumen gewagt.

Anderer Art war die Freude bei Bernhard Kämpf. Der Sieg bedeute ihm «sehr viel», sagte er, wirkte dabei aber verhalten, ja gar kontrolliert. Der 29-jährige Berner Oberländer wurde in den letzten drei Jahren zu einem Brünig-Spezialisten. 2015 erbte er den Sieg nach einem gestellten Schlussgang, 2016 stand er gar selbst in der Endausmarchung, musste nach einem Unentschieden aber Thomas Sempach den Vortritt lassen. 2017 nun klappte es gar mit dem Schlussgang und dem Festsieg – auch wenn er Finalgegner Kilian Wenger nicht besiegen konnte. «Der Schlussgang war etwas fade», entschuldigte sich Kämpf danach sogar beim Publikum. «Andererseits wäre ich ja blöd gewesen, zu viel zu riskieren, wenn mir ein Gestellter zum Sieg reicht.»

Bei Christian Stucki schliesslich, dem meistgenannten Favoriten, wollte gar keine Siegesstimmung aufkommen. «Das es am Ende optimal für mich gelaufen ist, nehme ich gern an», sagte er, «ich habe nach dem gestellten fünften Gang aber nicht mehr damit gerechnet.» Dass sich der Dominator der Saison kaum freuen konnte, lag vor allem daran, dass er mit seiner Leistung nicht zufrieden war. Er sei den ganzen Tag «nie richtig auf Touren gekommen», wisse aber nicht weshalb. Schon im verlorenen ­Anschwingen gegen Samuel Giger, einem der Höhepunkte des Tages, sei er «nicht aktiv genug» gewesen. Sein bester Auftritt gelang ihm im vierten Gang, als er den Ostschweizer Hünen Daniel Bösch förmlich durch die Luft wirbelte und sehenswert auf den Rücken legte.

2007 sogar vier Sieger

Ein Brünig-Rekord war der Berner Dreifach-Erfolg allerdings nicht. Die Innerschweizer konnten schon einmal einen vierfachen Triumph feiern. 2007 teilten sich Heinz Suter, Martin Grab, Benno Studer und Daniel Odermatt den Sieg.

Obwohl die Berner trotz der Absenz der Schwingerkönige Matthias Glarner und Matthias Sempach die ersten fünf Plätze belegten, machten auch die Nordostschweizer Titulare bei der Unspunnen-Hauptprobe eine gute Figur. Samuel Giger, dreifacher Saisonsieger, brillierte mit dem Startsieg gegen Stucki, wurde aber danach von den restlichen Bernern mit drei Gestellten zurückgebunden. Auch Armon Orlik blieb unbezwungen und war auf Platz 6 der beste Nicht-Berner. Die Nordostschweizer erhalten in drei Wochen die Gelegenheit zur Revanche auf der heimischen Schwäg­alp, wenn die Berner Armada zu Gast ist.

Bergkranzfest Brünig (120 Schwinger, 6500 Z.). Schlussgang: Kämpf (Sigriswil) gegen Wenger (Horboden) nach 12 Min. gestellt. – 1. Kämpf, Reusser (Aeschlen b. O.) und Stucki (Lyss) je 57,25. 2. Wenger und Aeschbacher (Rüegsauschachen) je 57,00. 3. A. Orlik (Maienfeld), Zenger (Habkern), Schneider (Friltschen), Rychen (Mollis) und Schurtenberger (Nottwil) je 56,75.

Erstellt: 30.07.2017, 23:31 Uhr

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