Kloten im Elend und 7 Gedanken zur Rettung

Nach 56 Jahren muss der EHC den Abstieg planen. Wo die Hebel dann angesetzt werden müssten.

Den Abstieg vor Augen: Dennis Hollenstein und der EHC Kloten auf dem Weg nach ganz unten. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Den Abstieg vor Augen: Dennis Hollenstein und der EHC Kloten auf dem Weg nach ganz unten. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

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Zwei Niederlagen bis zum Abgrund. «Mit dem Abstieg mussten wir rechnen, auch wenn wir bis zum Schluss hofften», sagt einer aus bitterer Erfahrung. Peter Jakob war Präsident, als die SCL Tigers vor fünf Jahren die Ligaqualifikation verloren. «Der Abstieg hat sich ja nicht erst 24 Stunden vorher abgezeichnet», erinnert er sich, «wenn man einmal in dieser ­Spirale drin ist, geht fast nichts mehr.»

Die Klotener haben bei 0:2 gegen die Lakers noch immer die Chance, es 2018 besser zu machen. Doch falls das misslingt, taugen die Langnauer umso besser als Vorbild. Sie kommunizierten am nächsten Tag ihr neues Ziel: den Wiederaufstieg. Sie nahmen umgehend Kontakt mit Spielern und Sponsoren auf. Und sie nutzten die Relegation zum umfassenden Neustart. Der stünde auch Kloten bevor: Im Unterland wäre jeder Bereich betroffen, angefangen beim mächtigsten Mann im Club.

Video – Kloten nähert sich der Relegation

0:4 gegen die Lakers: Der EHC verliert erneut. Video: TA

Bekenntnis ist fälligDer Präsident

Mit Hans-Ulrich Lehmann steht und fällt alles. 2016 rettete der Unternehmer den EHC, im zweiten Jahr erwies er ihm mit Eingriffen in den Sportbereich einen ­Bärendienst. Was tut Lehmann in Jahr drei? Wäre er auch in der Swiss League Präsident? Fände sich überhaupt ein Abnehmer für sein Aktienpaket von 99 Prozent? Gerüchteweise gibt es Interessenten, doch schwarze Zahlen sind utopisch, und entscheiden tut sowieso nur Lehmann. «Es gibt keinen Plan B», hat er schon ­gesagt. Doch es muss einen geben: Entweder präsentiert der Chef am Tag nach der Entscheidung seinen Nachfolger. Oder er sagt, dass der EHC den Wiederaufstieg anstrebt. So wie die SCL Tigers 2013. «Dass wir uns am nächsten Tag äusserten, war keine strategische Über­legung», erinnert sich deren Präsident Peter Jakob, «es war eine Selbstverständlichkeit. Da war Enttäuschung, war Leere. Dann will der Fan etwas hören. Will wissen, wie es weitergeht.»

Mannschaft dringend gesuchtDie Spieler

Viel drängender als die Fans sind aber die Spieler. All ihre Verträge gelten nur für die National League, und die ­wachsende Zahl Spieleragenten an den Klotener Matches ist ein Hinweis darauf, dass die Besten davon beim Absturz in die Zweitklassigkeit nicht zu halten wären. In diesem Fall müsste am Tag nach dem letzten Match gegen die Lakers das Gespräch mit allen Spielern gesucht werden – wer will grundsätzlich bleiben und zu welchen Konditionen? Mit einer Lohnreduktion um die 30 Prozent müssten die Bleibewilligen rechnen. Bisher stehen sieben Abgänge fest, bei den anderen brauchte es rasch Klarheit. Die Frage ist allerdings, wer diese Gespräche überhaupt führen würde.

Bilder – Die Klotener in der Einzelstatistik

Hoffen auf HollensteinDer Sportchef

Weil sie seit einem halben Jahr keinen Sportchef mehr haben, kommt für diese eminent wichtigen Gespräche eigentlich nur einer infrage: Felix Hollenstein. Die Clublegende hat seit Monaten ein Angebot als Sportchef vorliegen, ist eine unbestrittene Autoritätsperson und wohl als Einziger imstande, die Zukunft des EHC glaubwürdig zu verkörpern. Präsident Lehmann hat auch in Mannschaftskreisen viel Kredit verloren, und der neue CEO Pascal Signer ist erst ein paar Wochen im Club, ohne Erfahrung im Eishockey und mit 29 Jahren jünger als so mancher Spieler. Ob Hollenstein unter solchen Umständen überhaupt Sportchef sein will? In Kloten hoffen sie, dass diese Frage hypothetisch bleibt.

Sponsoring völlig neu denkenBudget und Partner

In Langnau lief es einst gut. 2013 blieben praktisch alle Sponsoren an Bord – auch weil am Tag nach dem Abstieg das Gespräch gesucht und das Ziel Wiederaufstieg postuliert wurde. Das Budget war schnell gemacht, um nur ein Drittel musste man es herunterfahren. In Kloten ist die Lage delikater. Einerseits dürfte bei geschätzten 19,5 Millionen Franken Budget eine Kürzung um ganze zwei Drittel realistisch sein. Andererseits haben die Geldgeber im Zürcher Unterland im Vergleich zum Emmental zahlreiche Alternativen – der eine oder andere könnte den Abstieg nutzen, um seine Sponsoringstrategie zu überdenken. Und auch die Mitarbeiter gehören ins Budget: Ein Abstieg dürfte auch für den technischen Staff und auf der Geschäftsstelle personelle Folgen haben.

Wer will Biasca und GC sehen?Publikum

Wenn ein Club seit über einem halben Jahrhundert in der höchsten Liga spielt, ist schwer vorhersehbar, wie das verwöhnte Publikum auf Zweitklassigkeit reagiert. In Kloten, wo der Erfolg stets mehr Einfluss auf die Zuschauerzahlen hatte als der Ticketpreis, erscheint aber besonders bei den Saisonkarten ein ­Einbruch absehbar. Denn Gegner wie Biasca, die GCK Lions oder EVZ Academy mobilisieren niemanden, Derbycharakter hätten nur die Spiele gegen Winterthur. Während es die SCL Tigers nach dem Abstieg schafften, den Zuschauerschnitt in der Qualifikation – auch dank vieler Derbys – noch zu erhöhen, sind die Lakers die bessere Parallele: Trotz tieferer Preise kam nach dem Abstieg 2015 über ein Drittel weniger Publikum.

Der TrainerKeine Priorität

Der Trainer ist zwar der wichtigste Angestellte, im Moment aber keine Klotener Priorität. Der Vertrag von Kevin Schläpfer würde mit einem ­Abstieg hinfällig, und nichts deutet darauf hin, dass André Rötheli als Coach der Profis mehr ist als ein Intermezzo – er fühlt sich bei den Elite-Junioren am rechten Ort. Die Zukunft von Assistenztrainer Nik Gällstedt ist ebenfalls offen. Der künftige ­Sportchef muss sich bei der Besetzung des Trainerpostens an den Zielen der Clubführung orientieren – wie auch immer die lauten.

Die Lakers als Fluchtpunkt?Die Junioren

Der Abstieg würde den EHC um sein Flaggschiff bringen und die besten ­Jungen um die Perspektive National League. Dabei hatte sich die einst führende Nachwuchsbewegung des Landes zuletzt wieder erholt. Sowohl bei der Elite wie bei den Novizen erreichte Kloten die Halb­finals, und dank des «Young Flyers»-Verbunds mit Winterthur, Bülach und Dielsdorf-Niederhasli ist es gut aufgestellt wie nie. Immerhin elf Junioren sammelten 2017/18 Erfahrung in der National League. Fällt diese Möglichkeit weg, droht ein Aderlass auf allen Stufen, besonders bei den Besten. Für sie könnte die Aufstiegsperspektive ein Argument zum Bleiben sein. Andernfalls bliebe nur die Partnerschaft mit einem NL-Club – infrage kämen die Lakers, die auf oberster Juniorenstufe nicht vertreten sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2018, 11:12 Uhr

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