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Das Team hinter dem Team

Sie stellen sich ganz in den Dienst der ZSC Lions – die Arbeitstage können 16 Stunden oder länger dauern.

Normalerweise stehen sie im Hallenstadion nicht im Zentrum (von links nach rechts): André Reinhard, Coen Takken, Matt Stendahl, Andreas Badertscher, Michael Rüetschi, Diego Schmid. Foto: Doris Fanconi
Normalerweise stehen sie im Hallenstadion nicht im Zentrum (von links nach rechts): André Reinhard, Coen Takken, Matt Stendahl, Andreas Badertscher, Michael Rüetschi, Diego Schmid. Foto: Doris Fanconi

André Reinhard (53), Teamleiter:Er nennt sich schlicht «Relaisstation» zwischen den Coaches, Spielern und dem Staff. Doch André Reinhard ist mehr als das. Eigentlich ist er als Teamleiter für alle da, 24 Stunden am Tag, wenn es nötig ist. Vor sieben Jahren begann er den Job beim ZSC, zuvor hatte er bereits ­Medienchef Roger Gemperle geholfen, die Journalisten an den Heimspielen zu betreuen. Den Löwen war er sowieso schon immer verbunden: «Ich wuchs als ZSC-Fan auf, es gab nie etwas anderes.» Nun, als Teamleiter, koordiniert er mit «grosser Hilfe von Sekretärin Nicole Brechbühl» Auswärtsreisen, sorgt dafür, dass die Verpflegung klappt, ist für Spieler und Trainer da, wenn sie Anliegen haben. Und für die neuen ausländischen Spieler, die sich in Zürich noch nicht auskennen, ist er erste Ansprechperson für allerlei Wünsche. Am Ende gehe es um eines, sagt Reinhard: «Ich bin verantwortlich, dass es allen gut geht.»

Coen Takken (53), Physiotherapeut:Der Holländer ist seit elf Jahren im ZSC und seit sechs Jahren für die erste Mannschaft zuständig. Mit Eishockey hatte er als junger Bursche noch nichts am Hut. «Dafür ist dieser Sport zu klein bei uns. Auch wenn ich noch erlebt habe, dass Holland einmal an Olympia teilnahm ...», sagt der Fussballfan und Ajax-Anhänger. Die Arbeit mit den Spitzensportlern sei eine «normale, wie mit jedem anderen Patienten auch». Speziell sei nur die Leistungsfähigkeit: «Der Unterschied ist wie zwischen einem normalen Wagen und einem Formel-1-Auto.» Takken betont die Wichtigkeit der Distanz. Natürlich fiebere er mit der Mannschaft mit: «Aber ‹Fan› wäre das falsche Wort.»

Matt Stendahl (30), Kraft- und Konditionstrainer: Er musste sich während des Finals einige Sprüche der Spieler anhören. Denn Matt Stendahl ist gebürtiger Luganese, er begann seine Eishockeykarriere, die im ­Juniorenalter endete, bei Lugano. Für Kraft- und Konditionstrainings der ZSC Lions ist er im ersten Jahr zuständig, damit ist für ihn ein grosser Wunsch in Erfüllung gegangen: «In dieser Position mit einem Team Niederlagen und Siege zu erleben, war immer ein Traum. Und es war immer klar für mich, dass das im ­Eishockey sein würde. Mit keinem anderen Sport bin ich so verbunden.» Konditionstrainer seien bei Spielern grundsätzlich unbeliebt, lautet ein altes Klischee. Doch Stendahl verneint: «Ich habe einen sehr engen Draht zu den Spielern, teilweise enger als der höhere Coaching-Staff.» Doch trotz teilweise kollegialem Verhältnis sei es wichtig, auch Distanz wahren zu können: «Nur so kannst du in den wichtigen ­Momenten seriös arbeiten.»

Andreas Badertscher (40), Masseur:Er fing beim ZSC mit dem Titel 2012 an, nun erlebt der Masseur seine dritte Meister-Sause. Der Erfolg mache die Arbeit angenehmer. «Das haben wir ja gerade in dieser Saison erlebt: Die Stimmung ist anders, als wenn es nicht läuft.» Andreas Badertscher machte vor seinem «Transfer» zum ZSC einen abrupten Wechsel: Er war zuvor auf der Intensivstation des Unispitals tätig gewesen. Eishockey hatte ihn vor allem bezogen auf seine Heimat interessiert, die in der Nähe Rapperswil-Jonas ist. Darum schielte er während des Finals mit einem Auge auch auf die andere Serie. Der ­Titel mit dem ZSC freue ihn zwar ausserordentlich, aber Badertscher betont: «Wir dürfen nicht Fan sein. Aber wird sind loyal gegenüber dem Arbeitgeber.»

Michael Rüetschi (30), Materialwart:Er darf dazu stehen, Fan zu sein: Bis letzte Saison war Michael Rüetschi beruflich zwar Eismeister in Kloten, aber ein ZSC-Anhänger, der so oft wie möglich Dienste abtauschte, um im Hallenstadion die Löwen anzufeuern. «Dieser Wechsel ist schon sehr besonders», sagt der Materialwart. Er erfülle die wichtigsten Voraussetzungen für seinen Job beim ZSC: «Wenn du mit dem Club und Eishockey nichts am Hut hast, könntest du diesen Beruf nicht ausüben.» Jene Spieler, die er zuvor von der ­Tribüne aus nach vorn gepeitscht hatte, nun im Arbeitsalltag in der Garderobe anzutreffen, sei am Anfang sehr speziell gewesen. «Mittlerweile kommt es mir vor, als machte ich seit Jahren nichts anderes.» Und eines ist für Rüetschi klar: «Von allen Titeln, die ich erlebt habe, ist das der speziellste.»

Diego Schmid (31), Materialverwalter: In seiner dritten Saison erlebte Diego Schmid nun nicht nur erstmals, dass die Löwen eine Playoff-Serie gewinnen können, sondern gleich seinen ersten Meistertitel. Das Gefühl lasse sich mit jenem bei den Spielern vergleichen, sagt er: «Auch die Mannschaft gratuliert und dankt dir. Der Titel ist auch für uns der Lohn für die Arbeit.» Schmid ist verantwortlich, dass an den Spielen das unterschiedlichste Material wie Hometrainer oder Schleifmaschine dabei ist. Und gemeinsam mit Michael Rüetschi ist er für das Präparieren der Kufen zuständig. Fredrik Pettersson brachte seine eigene Schleifmaschine mit, nach gemeinsamem Herumtüfteln habe er aber auch den Schweden überzeugen können, sagt Schmid schmunzelnd: «Freddie gibt seine Schlittschuhe mittlerweile auch uns.»

Nicht im Bild, aber ebenfalls rund um die Uhr für den ZSC im Einsatz: Gery Büsser (54, Arzt) und Peter Schrag (71, Material). Büsser ist seit 1996 dabei, Schrag sogar seit 47 Jahren.

Den 9. Meistertitel des ZSC beleuchtet der TA neben der aktuellen Berichterstattung und Würdigung mit einer Beilage. Sie finden die ZSC-Meisterzeitung im TA vom Montag, 30 April oder unter meisterzeitung.tagesanzeiger.ch

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