Die nächste Lektion des Goalies

Reto Berra ist einer der Gründe, dass Fribourg trotz schlechtem Start wieder im Kampf um einen Playoff-Platz ist.

Nach über einem Dutzend verschiedener Teams nun bis 2024 in Freiburg: Reto Berra. Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

Nach über einem Dutzend verschiedener Teams nun bis 2024 in Freiburg: Reto Berra. Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

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Es ist zwar noch nicht ganz Halbzeit in der Qualifikation. Doch Reto Berras Saison lässt sich bereits jetzt in drei Phasen einteilen. Phase 3, die aktuelle, sie besteht vor allem aus Spass. «Sie ist cool, wir haben Selbstvertrauen», sagt der Goalie. Kein Wunder.

Als der November am Samstag zu Ende ging, hatte Fribourg acht der letzten zehn Spiele gewonnen, nur Davos konnte mit dieser Pace mithalten, die beiden Teams treffen am Freitagabend aufeinander. Dass die Bündner an der Spitze mitmischen, während Gottéron nur knapp über dem Playoff-Strich klassiert ist, hat mit den unterschiedlichen Saisonstarts zu tun.

Es ist Phase 2: Die ersten sechs Spiele mit fünf Nieder­lagen und nur acht erzielten Toren, sie waren eine Art Déjà-vu für Berra. Letzte Saison hatte Gottéron am drittwenigsten Gegentore erhalten und das Playoff dennoch verpasst, weil es einfach zu wenig Tore schoss. Es war Berras erstes Jahr in Freiburg gewesen. Nach seiner Rückkehr aus Nordamerika hatte er noch betont, dass ein Goalie nie auslerne. Die Lektion nach eineinhalb Jahren Gottéron laute: «Damit umgehen können, trotz solider Leistungen zu verlieren.»

Es lacht keiner mehr

Die Wende brachte ab Spiel 7 ein damals ausserhalb Freiburgs etwas belächelter Trainerwechsel. Mark French musste gehen, Sportchef Christian Dubé übernahm im Doppelamt, seither geht es aufwärts. Für ihn selbst habe sich so gut wie nichts verändert, sagt Berra: «Ein Trainerwechsel bedeutet eher für die Feldspieler etwas. Dann, wenn Linien neu zusammengesetzt, Eiszeiten neu verteilt werden.» Dennoch sah auch Berra: «Dem Team verlieh der Wechsel einen Kick. Wir spielen seither befreiter und konstanter.»

Konstanz, dieses Wort wählt Berra mehrfach: «Sie macht den Unterschied aus zwischen gut und sehr gut. Jeder Profi kann gut spielen, aber auf die Konstanz kommt es an.» Gottéron hat diese Saison erst vier Mal mehr als drei Tore kassiert, nur einmal mehr als vier, beim 4:9 bei den Lakers, mitten in der besten Phase nach fünf Siegen hintereinander.

Aus der Bahn warf diese Kanterniederlage die Mannschaft nicht, es folgten weitere drei Siege in vier Spielen. «Unser Selbstvertrauen war mittlerweile gross», sagt Berra. Die Mannschaft habe dieses 4:9 gleich nach dem Spiel symbolisch in den «Mülleimer» geworfen und vorwärts geschaut: «Entscheidend ist immer, wie du auf so ein Spiel reagierst.»

Wer Ahnung hat, wer nicht…

Entlassungen von Headcoaches hat Berra in seiner bewegten Karriere in der Schweiz (zuvor GCK/ZSC, Davos, Tigers, Zug, Biel) und Nordamerika (4 NHL- und 5 AHL-Teams) nur selten erlebt, wechselnde Goalietrainer hingegen immer wieder. «Das liegt daran, dass ich in so vielen Teams gespielt habe», sagt er lachend. Er hat sich daran gewöhnt.

Während viele Torhüter gerne Konstanz auf dieser Position haben, sagt Berra dies: «Ich habe meinen Stil, ich arbeite nur noch an Details, nicht an Veränderungen. Goalietrainer, die eine Ahnung haben, wissen, worum es geht.»

Das gelte auch für David Aebischer, seinen prominenten Goaliecoach in Freiburg, der am Montag seinen Vertrag bei Gottéron bis 2023 verlängerte. «Wir verstehen uns gut, man merkt, dass wir ähnliche Karrierewege hatten.» Aber es gilt eben auch: «Egal, wer dein Goalietrainer ist, im Spiel stehst du alleine auf dem Eis.»

Alleine. Das ist seit kurzem auch Berras Motto bei Vertragsverhandlungen, er hat die Zusammenarbeit mit seinem Agenten André Rufener beendet und keinen Ersatz engagiert. Und ­damit zu Phase 1, die schon vor Spiel 1 stattfand. Dass Berras Vierjahresvertrag bei Gottéron im Sommer 2020 eine beidseitige Auflösungsoption enthielt, weckte auch bei der Konkurrenz Begehrlichkeiten.

Sein früherer Verein Biel lockte schon im August mit einem guten Angebot. «Natürlich reizte mich das», sagt Berra. «Ich hatte dort eine gute Zeit, und Biel ist derzeit erfolgreich.» Ein noch besseres Konter-Angebot Gottérons, das ihn nun bis 2024 bindet, überzeugte ihn dann aber doch: «Es ging auch um Kontinuität, ich musste zuletzt so oft Clubs wechseln, ich wollte nicht schon wieder zügeln. Auch das waren Faktoren.»


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Erstellt: 06.12.2019, 05:42 Uhr

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