Ein Duell wie Federer gegen Nadal

Der HCD führt gegen den ZSC 3:1, weil sich der Final nach seinen Gesetzen abspielt.

Eine letzte Choreografie im Hallenstadion? Die ZSC Lions haben keinen Spielraum mehr für Fehler, sonst ist ihre Saison vorbei. Foto: Doris Fanconi

Eine letzte Choreografie im Hallenstadion? Die ZSC Lions haben keinen Spielraum mehr für Fehler, sonst ist ihre Saison vorbei. Foto: Doris Fanconi

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Hält diese Finalserie nochmals eine Wendung bereit? Oder war es das bereits? Die ZSC Lions starteten souverän, dann rissen die Herausforderer aus Davos die Kontrolle an sich und stürmten zum Titel. So unterhaltsam die einzelnen Spiele sind, das klingt nicht nach einer besonders spannenden Dramaturgie. An den Zürchern ist es heute Abend im heimischen Hallenstadion, diesen sportlich hochstehenden Zweikampf mit einer neuen ­Episode anzureichern.

Die kleinen Hahnenkämpfe

Dieser Playoff-Final gemahnt an die Duelle zwischen Roger Federer und Rafael Nadal, zwischen dem Virtuosen und dem ultimativen Kämpfer. Die ZSC Lions wollen beweisen, dass sie besser Eishockey spielen können als ihr Gegner. Die Bündner wollen um jeden Preis gewinnen. Dazu schöpfen sie alles aus. Bei jedem Spielunterbruch streckt ein Davoser einem Zürcher den Handschuh ins Gesicht oder zieht ihm den Helm über den Kopf. Wer in die Nähe von Leonardo Genoni kommt, wird mit Stockschlägen bestraft. Zum Lieblingsopfer der Davoser wurde der kleine Denis Malgin auserkoren. Sie lassen keine Gelegenheit aus, die Zürcher spüren zu lassen, wie sehr sie diesen Titel wollen.

Es sind diese vielen kleinen Hahnenkämpfe, die Playoff-Duelle mitentscheiden. Es geht nicht nur um Eishockey, es geht auch, ja vor allem um Leidenschaft, um Entschlossenheit. Darum, den Gegner einzuschüchtern, ihm zu imponieren. Wie Federer gegenüber Nadal haben die ZSC Lions mehr spielerische Möglichkeiten. Doch so, wie es der Spanier zu seiner Blüte verstand, das Spiel Federers zu zerstören, gelingt es den Davosern, die Zürcher in einen wilden Kampf zu verwickeln, der diesen unangenehm ist. In einen Kampf, der es ihnen verunmöglicht, so zu spielen, wie sie es gerne möchten.

Del Curtos Stil verinnerlicht

Der Meister ist gewohnt, seine Spiele anders zu gewinnen, kraft seiner spielerischen und läuferischen Vorteile. Das funktioniert nun nicht mehr. Die Finalspiele laufen genau so ab, wie sich das HCD-Trainer Arno Del Curto wohl gewünscht hat. Um die Analogie zu Federer und Nadal wieder aufzunehmen, mit ihren Duellen am French Open vor Augen: Der Schweizer konnte sich noch so viel vornehmen, aber irgendwann schaffte es Nadal, dass sich die Ballwechsel wieder so abspielten, wie er es sich wünschte. Er kontrollierte die Grundlinienduelle mit seinen cross geschlagenen, hoch abspringenden Vorhand­bällen auf Federers Rückhand und brachte diesen so in Rücklage.

Wie jeweils Federer gegen Nadal kämpfen die ZSC Lions tapfer. Aber in ihrem Element sind die Davoser. Man spürt, wie ihnen diese Finalspiele Spass machen, wie sie in diesem Klima aufblühen. Und sie wissen, wie Nadal, genau, was sie zu tun haben: Schnelle Pässe nach vorne auf die Flügel spielen. Forechecken, solange die Kräfte reichen. Möglichst gradlinig den Weg aufs Tor suchen. Auf Abpraller lauern. Del Curto predigt seit Jahren das Gleiche, und inzwischen hat auch die neue Generation seinen Stil verinnerlicht.

Zu viel Improvisation

Die ZSC Lions hingegen sind, wie Federer gegen Nadal, permanent auf der Suche nach Lösungen. Es gibt für sie gegen dieses Davos kein Patent­rezept. Viel, vielleicht zu viel, basiert bei ihnen auf der Inspiration und der Improvisation der Spieler. Marc Crawford gesteht ihnen viel taktischen Freiraum zu. Doch in dem rasanten Tempo, in dem sich der Final abspielt, erweisen sich die Automatismen, die sich beim HCD eingespielt haben, als Vorteil. Die Davoser sind stilsicherer.

Einen entscheidenden Unterschied gibt es zwischen Federer/Nadal und ZSC/HCD: Im Eishockey ist Körper­kontakt erlaubt. Wollen die ZSC Lions die Serie nochmals lancieren, müssen sie die Davoser heute im Hallenstadion spüren lassen, dass sie es auch wirklich wollen. Sollte es ihnen gelingen, könnte dieser Final noch zu einem Klassiker werden. Wie viele Duelle zwischen Federer und Nadal.

Erstellt: 10.04.2015, 23:23 Uhr

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