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«Es ist wie im Märchen»

Deutsche Schlager, Meisterzigarren und Bier – die lange Partynacht begann für die Spieler der ZSC Lions schon in den Katakomben der Resega.

Der 9. Meistertitel der ZSC Lions wurde in der Messe Zürich frenetisch gefeiert.
Der 9. Meistertitel der ZSC Lions wurde in der Messe Zürich frenetisch gefeiert.
Samuel Schalch
Nach Spielschluss harrten hunderte aus und warteten auf die Ankunft des Meisterteams aus Lugano.
Nach Spielschluss harrten hunderte aus und warteten auf die Ankunft des Meisterteams aus Lugano.
Samuel Schalch
Für Reto Schäppi ist es nach 2012 und 2014 der dritte Meistertitel mit den ZSC Lions.
Für Reto Schäppi ist es nach 2012 und 2014 der dritte Meistertitel mit den ZSC Lions.
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Ein Schulterklopfen hier, ein Interview da. Sven Leuenberger ist nach dem Titelgewinn in der Resega ein gefragter Mann. Verständlich, der frühere elegante Offensivverteidiger und heutige ZSC-Sportchef hat in Lugano immer noch viele Bekannte aus seiner Zeit als Spieler.

Noch bei Playoff-Beginn hatte er nicht daran geglaubt, dass die ZSC Lions um den Titel würden mitspielen können, zu schwach hatten sie lange präsentiert. «Als wir dann im Halbfinal Bern ausschalteten, dachte ich, dass wir Chancen haben. Schliesslich war der SCB meiner Meinung nach der taktisch beste Verein.»

Laufen als Erfolgsrezept

Das Erfolgsrezept sei einfach, sagte er in einer ruhigen Ecke im Stadion, die Meistermedaille umgehängt. «Wenn wir laufen, sind wir gefährlich, das mussten zuerst alle merken. Denn technisch ist die Mannschaft nicht so gut, wie sie lange meinte.» Vor allem nicht, ist anzufügen, wenn Robert Nilsson und Severin Blindenbacher als Folge von Gehirnerschütterungen monatelang ausfallen.

Das 2:0 ins leere Tor. Video: SRF

Sie hätten in der Qualifikation über weite Strecken Dienst nach Vorschrift geleistet, wurde den Zürchern oft vorgehalten, manchmal in der Zeit unter dem Schweden Hans Wallson nicht einmal das. Leuenberger gibt aber auch zu bedenken, dass durch die phasenweise fast unglaubliche Verletzungsmisere ein Einüben von Automatismen schwierig gewesen sei. «Wir hatten zum Beispiel praktisch nie unsere Top-4-Verteidiger gemeinsam zur Verfügung.»

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Video: ZSC-Fans drehen nach dem 2:0 durch

Grossartige Stimmung beim Public Viewing in der Messe Zürich: Video: Fabian Sanginés

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Während sich auch Leuenberger im Kabinengang ein verdientes «kühles Blondes» genehmigt, marschiert Hans Kossmann strammen Schrittes in die Garderobe zurück, die Meisterzigarre in der Hand. Team-DJ Chris Baltisberger hat die musikalische Herrschaft verloren, gejohlt wird nun auch zu deutschen Schlagern. Kossmann strahlt, man darf in diesem Moment durchaus den Vergleich mit «Hans im Glück» bemühen.

Ein schöneres Skript hätte er sich wahrlich nicht ausmalen könne, als er kurz vor Weihnachten seinen Vorruhestands-Sitz auf Vancouver Island verliess, um den schlingernden Giganten ZSC in einem auf vier Monate befristeten Engagement wieder auf Kurs zu führen: «Nein, es ist wirklich wie im Märchen. Wir schlugen Zug, dann Bern, jetzt Lugano, die drei besten Teams. Dann noch der ganze emotionale Teil mit den Abschieden von Mathias Seger und Kevin Klein, die Entwicklung von Jungen wie Tim Berni und Marco Miranda, es ist einfach wunderbar.»

Der 9. Meistertitel der ZSC Lions wurde in der Messe Zürich frenetisch gefeiert.
Der 9. Meistertitel der ZSC Lions wurde in der Messe Zürich frenetisch gefeiert.
Samuel Schalch
Nach Spielschluss harrten hunderte aus und warteten auf die Ankunft des Meisterteams aus Lugano.
Nach Spielschluss harrten hunderte aus und warteten auf die Ankunft des Meisterteams aus Lugano.
Samuel Schalch
Für Reto Schäppi ist es nach 2012 und 2014 der dritte Meistertitel mit den ZSC Lions.
Für Reto Schäppi ist es nach 2012 und 2014 der dritte Meistertitel mit den ZSC Lions.
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Zahlreiche Absagen für Fischer

Weniger Freude am Erfolgsrun der ZSC Lions dürfte Patrick Fischer haben. Christian Marti, der zuletzt mit gebrochenem Zeigefinger spielte, wird für die WM, die Ende nächster Woche beginnt, höchstwahrscheinlich ebenso absagen wie Captain Patrick Geering (kaputtes AC-Gelenk), Pius Suter (Daumenverletzung) und Chris Baltisberger (vermutlich Fussoperation).

Langweilig wird es den Zürchern aber ohnehin nicht. «Zuerst werden wir einmal ein paar Tage feiern», sagt Chris Baltisberger, «das haben wir uns verdient.» Da wird ihm ganz sicher niemand widersprechen.

Chiesas verständlicher Stolz

Ein paar Meter weiter ist die Gemütslage verständlicherweise ganz anders. Nicht nur Sieger werden im Playoff geboren, sondern auch tragische Verlierer. Und das sind die Luganesi, sie wuchsen über sich hinaus, immer wieder, bis die Kräfte der arg dezimierten Truppe endgültig nicht mehr reichten.

Captain Alessandro Chiesa, der zwei Monate nach seiner Verletzung das Bein immer noch eingeschient hat, tritt mit leerem Blick vor die Medien: «Im Moment tut die Niederlage unglaublich weh, mir fehlen die Worte. Ich bin aber stolz, Teil dieser grossartigen Mannschaft zu sein und das kann die ganze Stadt auch sein.»

Den 9. Meistertitel des ZSC beleuchtet der TA neben der aktuellen Berichterstattung und Würdigung mit einer Beilage. Sie finden die ZSC-Meisterzeitung im TA vom Montag, 30 April oder unter meisterzeitung.tagesanzeiger.ch

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