«Vielleicht macht es bei uns klick»

ZSC-Geschäftsführer Peter Zahner hatte vor dem Playoff kaum Hoffnung. Und hat festgestellt, dass seine Mannschaft den Schuh am Hintern spüren muss.

CEO vor vertrauter Kulisse: Ab 2022 aber will Peter Zahner ZSC-Erfolge nicht mehr im Hallenstadion, sondern in Altstetten sehen. Foto: Doris Fanconi

CEO vor vertrauter Kulisse: Ab 2022 aber will Peter Zahner ZSC-Erfolge nicht mehr im Hallenstadion, sondern in Altstetten sehen. Foto: Doris Fanconi

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Der ZSC ist Meister. Hätte Sie sich das vor drei Monaten vorstellen können?
Nein. Weil damals nichts darauf hinwies. Einfach null. Die einzige Hoffnung war, dass Hans Kossmann und seine Crew das Steuer irgendwie herumreissen können.

Wann dachten Sie erstmals, dass es trotzdem gut kommen könnte?
Hellhörig wurde ich ein paar Tage vor dem Playoff. Bei der Topskorer-Ehrung sagte mir zuerst der CEO, dann der Sportchef von Zug: «Euch haben wir als ­Gegner nicht erwartet.» Ich antwortete: «So wie wir spielen, müsst ihr keine Angst ­haben.» Da sagte der Sportchef: «Aber wenn es bei euch mal klick macht ...» Und ich dachte: Das ist ein guter Punkt – vielleicht macht es bei uns klick.

Wann hat es klick gemacht?
Für mich war das in Spiel 2 gegen den EVZ. Da spielten wir begeisternd, führten nach zwei Dritteln 4:1 – und standen dann völlig neben den Schuhen. Zug schoss drei Tore, hatte mehrfach das 5:4 auf dem Stock – und wir vielleicht zwei Torschüsse. Einer davon ging rein. Bei einer Niederlage wäre ich nicht überrascht gewesen, wenn wir 0:4 ausgeschieden wären. Doch mit diesem Sieg kehrte der Glaube zurück.

Von der Serie gegen Bern bleibt besonders ein Arztzeugnis in ­Erinnerung. Auch bei Ihnen?
Für mich gehört auch ein Schiedsrichter dazu, der dem Gegner den Puck zum Siegtor vorlegt. Kein Vorwurf, er kann nichts dafür – aber das war brutal bitter. Insgesamt bleibt die Erinnerung, dass wir über sechs Spiele um Nuancen besser waren. Das mit dem Arztzeugnis ist eher eine Nebengeschichte.

Aber Ihr Ärger, dass der SCB per Attest eine Sperre von Klein erwirkte, war schon echt, oder?
Mich regte es auf, dass der Einzelrichter Kleins Vergehen gegen Hischier für nicht sperrewürdig befand – in seiner Begründung aber darauf hinwies, dass sein Urteil im Fall einer Verletzung wohl anders ausgefallen wäre. Als wir das lasen, dachten wir: Jetzt macht Bern sicher Rekurs. Hätten wir das auch getan? Wer weiss, man muss die Interessen seines Clubs ver­treten. Aber innerlich habe ich gekocht.

Man hat selten einen schlechter gelaunten Sieger gesehen als Sie nach dem entscheidenden Spiel 6 …
Ich hatte mir vorgenommen, im Erfolgsfall meinem Frust Ausdruck zu verleihen. Damit, dass ich die bei uns vorherrschende Meinung kundtue, vertrete ich ja auch die Interessen meines Clubs. Dass es nachher heisst, ich sei der Einzige, der sich nicht freuen konnte: Damit kann ich leben. Natürlich habe ich mich gefreut.

«Wenn wir gewinnen, bin ich nicht der, der auf dem Eis Ehrenrunden dreht und die Faust in alle Richtungen schüttelt.»

Das haben Sie gut kaschiert ...
Ich bin auch in der Niederlage nicht einer, der äusserlich zu Tode betrübt ist. Ich fresse die Dinge mehr in mich ­hinein und will in Ruhe gelassen werden. Aber wenn wir gewinnen, bin ich eben auch nicht der, der auf dem Eis ­Ehrenrunden dreht und die Faust in alle Richtungen schüttelt. Sondern ziehe mich ziemlich schnell zurück und freue mich still.

Schon 2012 wurde der ZSC von Rang 7 aus Meister, damals ohne Trainerwechsel. Warum handelten Sie diesmal?
Wenn man sah, wie systematisch und hart 2012 mit Bob Hartley gearbeitet wurde, musste das irgendwann einfach belohnt werden. Das war gar nicht ­anders möglich. In der aktuellen Saison hingegen wusste man, dass die Substanz der Mannschaft gross ist – nur wurde sie bei weitem nicht umgesetzt. Die Hoffnung mit dem Wechsel zu Hans Kossmann war natürlich, dass sich das ändert.

Wie gross ist der Anteil des ­Trainers am Meistertitel?
Sehr gross. Ich bin zwar zu wenig nah bei der Mannschaft, um seinen Auftritt im Detail zu beurteilen. Aber Summa summarum ist es ihm einfach gelungen, die Spieler dazu zu bringen, dass sie sagen: «Wenn wir gemeinsam nichts ändern, ist nur noch die Frage, ob wir 0:4, 1:4 oder 2:4 verlieren. Aber verlieren tun wir.»

Es ist Ihr vierter Titel mit dem ZSC. Wie ordnen Sie ihn ein?
2008 hatten wir unheimlich starke ­Charaktere und eine sehr solidarische Beziehung zwischen Team und Trainer Harold Kreis. 2012 hatten wir eine Mannschaft, die stets das Messer am Hals ­haben musste, und für die war Hartley genau der Richtige. 2014 war speziell, weil wir nach einer super Qualifikation unheimlich viel Druck hatten und dann in den ersten zwei Playoff-Runden bös leiden mussten. Die aktuelle Mannschaft prägen leider die vielen Verletzten. Dass auch ein Blindenbacher, ein Nilsson bei uns unter Vertrag sind, haben viele schon fast vergessen.

Hartley, Crawford, Kossmann, zuvor Kreis, Huras, Ruhnke: Kann der ZSC nur mit Nordamerikanern Meister werden?
Die Mentalität in Zürich ist sicher eher nordamerikanisch geprägt. Wir haben auch eine Mannschaft, die vielleicht ­immer etwas den Schuh am Hintern ­spüren muss.

«Die Aussenwahrnehmung stimmt oft nicht mit der Innenwahrnehmung überein, und Leuenberger konnte die Dinge unbelasteter ansprechen.»

Warum sind Hans Wallson und Lars Johansson daran gescheitert?
Fachlich sind die beiden hervorragend. Sie wissen unheimlich viel über Hockey und haben in Schweden sehr erfolgreich gearbeitet. Aber sie konnten es nicht vermitteln. In der Schweiz muss man mit den Spielern reden und Feedback geben. Und da passierte eineinhalb Jahre lang wenig.

Welche Rolle spielte es, dass im Sommer mit Sportchef Leuenberger eine neue Stimme von aussen kam?
Eine grosse. Die Aussenwahrnehmung stimmt oft nicht mit der Innenwahrnehmung überein, und Leuenberger konnte die Dinge unbelasteter ansprechen. Aber er musste zugleich aufpassen, dass er nicht in jedem zweiten Satz sagte: «Beim SC Bern haben wir es so und so gemacht.» Das kommt auf Dauer nicht gut an – aber er hat da ein sehr gutes Gespür gezeigt.

Ist der Meistertitel auch Werbung fürs neue Stadion?
Ja, schon. Wenn man zweimal hintereinander im Viertelfinal ausscheidet, hört man bereits Kommentare wie: «Wenn ihr so weiterspielt, braucht ihr doch kein neues Stadion.» Äusserlich lässt mich das kalt, innerlich nicht. Denn als wir 2012 und 2014 den Titel holten, kam auch niemand und sagte: «Jetzt müsst ihr sofort ein neues Stadion bauen.» Klar ist: Als Meister steht man in einem guten Licht da, wird positiv über einen ­geredet. Das ist wichtig.

Die Arena in Altstetten soll 2022 eröffnet werden. Sind Sie im Plan?
Ja. Letzte Woche lief die Referendumsfrist ab, und es spricht nichts dafür, das es an irgendeiner Front ein grösseres Problem gibt. Wir haben täglich unsere Herausforderungen, aber das ist normal. Und wir bleiben sehr darauf bedacht, alle Anspruchsgruppen immer wieder ab­zuholen und unser Projekt zu erklären.

Welches war für Sie der schönste Moment dieser Saison?
Der vierte Sieg in Zug war eine ­unglaubliche Erlösung. Wir standen im Halbfinal – nach doch ziemlich schwierigen Monaten. Aber der schönste Moment ist natürlich, wenn man Meister wird.

Den 9. Meistertitel des ZSC beleuchtet der TA neben der aktuellen Berichterstattung und Würdigung mit einer Beilage. Sie finden die ZSC-Meisterzeitung im TA vom Montag, 30 April oder unter meisterzeitung.tagesanzeiger.ch

Erstellt: 28.04.2018, 13:13 Uhr

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