«Wer ein Team täglich erlebt, spürt, was funktioniert»

Hans Kossmann über sein goldenes Händchen, mit dem er die ZSC Lions in den Playoff-Final führte. Und wieso er trotz aller Turbulenzen ganz ruhig blieb.

Das Siegestor von Suter. (Video:SRF/Tamedia)

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Haben Sie ein gutes Herz?
Anscheinend schon. Ich jogge regelmässig, das hilft mir, während der Spiele ruhig zu bleiben.

Blieben Sie tatsächlich ruhig in diesem turbulenten sechsten Halbfinalspiel gegen den SC Bern?
Ich war zuversichtlich, dass wir gewinnen würden. Irgendwie. Ich wusste, dass diese Mannschaft reagieren würde nach dem Match in Bern. Und ich wusste, es wird für Bern schwierig, den gleichen Kampfgeist zu zeigen in Zürich.

Was dachten Sie, als Pius Suter seine erste grosse Chance in der Overtime nicht verwertete?
Es machte mir nicht viel aus. Ich hatte das Gefühl, dass wir schon ab dem dritten Drittel die bessere Mannschaft waren. Ich sah, dass die Kraft bei den Bernern langsam nachliess. Sie spielten fast nur noch mit drei Linien. Aber es war gut, dass ich nicht sofort realisierte, dass es so eng war bei der Chance Arcobellos gleich zu Beginn der Overtime. Ich dachte, er hätte daneben geschossen. Ich sah erst auf der Leinwand, wie knapp es gewesen war.

In der Overtime war es gleich ein offener Schlagabtausch. Unüblich, nicht?
Es passte zur Serie. Die ganze Serie war Vollgas. Du musst drücken gegen Bern und früh stören, aber dann gibt es Konter gegen dich. Die Berner laufen schnell raus aus ihrer Zone. Es war eine super Serie für die Zuschauer, hin und her. Sensationelles Eishockey. Und natürlich freut mich, dass wir auf der Gewinnerseite sind.

Wie gingen Sie mit der kurzfristigen Sperre gegen Kevin Klein vor Spiel 6 um?
Es war schade. Aber ich bin jetzt sehr glücklich, dass die Mannschaft gezeigt hat, dass sie auch ohne Klein gewinnen kann. Das macht uns noch stärker. Wir mussten ein bisschen umstellen, auch im Powerplay. Aber wir haben diese Serie ja sicher nicht mit unserem Powerplay gewonnen. Da Klein draussen war, konnten wir Shore und Pelletier bringen. Es half uns, dass wir zwei ausländische Center hatten, die sich abwechseln konnten. Das tat uns gut.

Mathias Seger nach dem Spiel im Interview. Video: Simon Graf

Pettersson fand Suter mit seinem Pass in der Overtime. Blindes Verständnis?
Die Serie lief gut für uns bis zum fünften Match. Suter war bis da in einer anderen Linie als Pettersson. Aber sie hatten zuvor ja schon oft zusammen gespielt. Und schon in Bern (in Spiel 5) brachte ich sie ein paarmal zusammen. Diesmal liess ich sie ab der Hälfte des Spiels wieder nebeneinander spielen. Und sie verstanden sich sofort wieder prächtig. Wenn man eine Mannschaft jeden Tag erlebt, spürt man schon, wer mit wem spielen will, was funktioniert und was nicht.

Gegenüber der Zug-Serie spielte Ihr Team im Halbfinal noch stärker. Einverstanden?
Ja, sicher. Bern ist ein unglaublich starker Gegner. Dass wir die Berner rauswerfen konnten, ist schon eine aussergewöhnliche Leistung.

Was hat Sie am meisten überrascht?
Es war einfach eine exzellente Mannschaftsleistung von uns. Von allen. Auch unsere Jungen spielten nicht nur einfach mit, sie nahmen entscheidenden Einfluss aufs Spiel. Diesmal schoss unsere vierte Linie wieder das 1:0. Ich sage immer: Wenn dein dritter und vierter Block Tore schiessen kann, macht es das Leben viel einfacher.

Im Final treffen Sie nun auch Lugano. Was sind Ihre Gedanken zu dieser Serie?
Ich habe bis jetzt noch nicht gross an Lugano gedacht. Ich habe nicht viel von Lugano gesehen in diesem Playoff, ausser ein paar Highlights. Wir spielten in der Qualifikation mit mir zweimal gegen Lugano. Bei meinem Einstand als ZSC-Trainer gewannen wir klar. Auswärts, nach der Olympiapause, spielten wir nicht so gut und verloren. Aber wir waren auch nahe dran. Die Luganesi spielen sicher auch gutes Eishockey. Sonst würden sie nicht im Final stehen.

Ihr Team pflegt in diesem Playoff einen sehr kräfteraubenden Stil. Ist es gut, dass es nun ein paar Tage Pause hat bis zum Finalstart vom Donnerstag?
Wenn wir so laufen können über sechs Spiele gegen Bern, mache ich mir eigentlich keine Sorgen, was die Energie betrifft. Und Klein wird sowieso gut erholt sein.

Wie geht es nun weiter?
Sonntag ist sicher frei. Wenn man am Sonntag trainiert, ist man in der Krise. Und das sind wir momentan nicht. (lacht)

Erstellt: 08.04.2018, 02:33 Uhr

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