Blatter wusste von Schmiergeld aus Katar

Neu veröffentlichte Fifa-Protokolle zeigen, dass der Präsident 2011 von den Bestechungsversuchen seines Kontrahenten aus Katar wusste – und es ihn kaum kümmerte.

Geldgeschäfte gehören offenbar zum Fifa-Alltag: Mohamed bin Hammam (l.) und Sepp Blatter 2010.

Geldgeschäfte gehören offenbar zum Fifa-Alltag: Mohamed bin Hammam (l.) und Sepp Blatter 2010. Bild: Osama Faisal/Keystone

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40‘000 Dollar verteilte Mohamed bin Hammam aus Katar im Vorfeld der Fifa-Präsidentschaftswahl 2011 an Mitglieder des karibischen Fussballverbandes. Genützt haben ihm die Bargeldgeschenke nichts, an die Spitze des Weltfussballverbandes wurde Sepp Blatter gewählt. Dass diesen die illegalen Praktiken seines gescheiterten Konkurrenten kaum interessierten, zeigen jetzt interne Fifa-Protokolle, die dem Sender «Sky News» vorliegen.

Darin ist eine Anhörung Blatters von 2011 beim Ethikkomitee der Fifa dokumentiert. Wegen des Vorwurfs gegen Artikel 14 der Fifa-Ethikregeln verstossen zu haben, also von den Bestechungsversuchen zu wissen und nichts dagegen zu unternehmen, musste er dort vor den Ermittlern vorsprechen.

Demütige Ermittler

Die Abschrift der bislang geheimen Audioaufnahme ist jedoch alles andere als ein Kreuzverhör. Eher liest sie sich als ehrfürchtiges Gespräch, wobei die Ermittler stets darauf bedacht sind, den Fifa-Boss nicht zu kränken.

«Gibt es es irgendeinen Aspekt in diesem Verfahren heute Nachmittag, mit dem Sie nicht zufrieden sind?», fragte der Vorsitzende, hauptberuflich Richter, am Ende der Befragung. «Sie und die Mitglieder des Komitees haben mich fair behandelt», sagt Blatter darauf. «Das ist genau das, was wir wollen. Respekt, Diziplin und Fair Play. Vielen, vielen Dank», beendet der Vorsitzende das Treffen.

Für Blatter hatte die Anhörung keine Folgen. Mohamed bin Hammam hingegen wurde mit einer lebenslanger Sperre belegt und trat daraufhin von allen seinen Ämtern zurück.

Tipp an Warner: «Rede nicht darüber»

Weil er nicht selbst Couverts mit Bargeld verteilt, scheint sich Blatter seiner weissen Weste sicher und will auch keinerlei Verantwortung übernehmen. Zum Stimmenkauf seiner beiden Vize-Präsidenten Bin Hammam und Warner sagt er gemäss Protokoll: «Das Problem bestand für mich nicht». Schliesslich sei es von anderen verursacht worden.

Er habe Warner zwar gewarnt: «Als er über den Geldaspekt gesprochen hat, habe ich ihm erneut gesagt: ‹Rede nicht darüber›», so Blatter vor dem Ethikkomitee. «Danach war für mich die Sache abgeschlossen.» (kko)

Erstellt: 06.06.2015, 11:07 Uhr

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