Muss Katar um die WM 2022 zittern?

Ein Bericht, wonach katarische WM-Organisatoren von ihren US-Anwälten gewarnt würden, sorgt für Aufsehen. Und eine britische Salve Richtung Katar wird dort scharf erwidert.

Der abgetretene Fifa-Präsident Sepp Blatter und Sheikh Mohammed bin Hamad Al Thani bei der Pressekonferenz zur WM-Vergabe in Katar. (9. November 2013)

Der abgetretene Fifa-Präsident Sepp Blatter und Sheikh Mohammed bin Hamad Al Thani bei der Pressekonferenz zur WM-Vergabe in Katar. (9. November 2013) Bild: Keystone

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Wie wahrscheinlich ist es, dass nach dem Rücktritt von Sepp Blatter die Fussball-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar neu ausgeschrieben werden? Die Spekulationen darüber betreffen vor allem den kleinen Wüstenstaat auf der Arabischen Halbinsel, und dies aus mehreren Gründen. Die Vorbereitungen für die WM in Russland sind wohl zu weit fortgeschritten, um das Turnier noch zu verlegen. Ausserdem hat der sportliche Grossanlass mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen ebenso mächtigen wie Respekt einflössenden Beschützer.

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Im Falle Katars sieht es anders aus: Eine Neuvergabe an ein Land mit guter sportlicher Infrastruktur wäre zeitlich durchaus möglich. Ausserdem sind die Zweifel, ob Katar als WM-Austragungsort geeignet sei, auch unabhängig von den immer gravierenderen Korruptionsvorwürfen gross – wegen des heissen Klimas, wegen der fehlenden fussballerischen Tradition und vor allem aufgrund der miserablen Bedingungen, unter denen Gastarbeiter aus Nepal und anderen Entwicklungsländern die Stadien bauen müssen.

US-Einreiseverbot an Katar-Organisatoren

Laut Informationen des amerikanischen Medienportals «Buzzfeed» haben die Organisatoren der WM in Katar von ihren amerikanischen Anwälten eine Warnung erhalten: Sie sollten besser nicht in die USA einreisen, weil ihnen dort die Verhaftung drohe. «Das ist falsch, und es ist verantwortungslos, darüber einen Artikel zu schreiben», sagte der Sprecher des Organisationskomitees Katar 2022, Nasser al-Khater. Eine zuverlässige Quelle hat die Information jedoch auch gegenüber dem TA bestätigt.

Vehement für eine Neuvergabe der WM 2022 setzt sich Greg Dyke ein, der Präsident des englischen Fussballverbandes. «Wenn ich die katarischen WM-Organisatoren wäre, könnte ich heute Nacht nicht ruhig schlafen», sagte er nach Blatters Rücktritt. «Falls die Ermittlungen beweisen, dass die Vergabe an Katar durch Korruption zustande kam, muss sie neu ausgeschrieben werden. So einfach ist das.» Darauf antwortete der Präsident des katarischen Fussballverbandes, Sheikh Hamad bin Khalifa bin Ahmed Al Thani: «Herrn Dykes Instinkt, uns den Anlass wegzunehmen, zeigt deutlich, was er von der ersten Fussball-WM im Nahen Osten denkt. Wir raten Herrn Dyke, den juristischen Prozess abzuwarten und sich darauf zu konzentrieren, ein englisches Fussballteam zusammenzustellen, das die WM in Katar gewinnen kann.»

Chancen auf WM in Katar «drastisch gesunken»

«Russland und Katar haben ihren stärksten Befürworter verloren. Die Zweifel, ob die von Kontroversen vergifteten Turniere wie geplant stattfinden können, werden deshalb wachsen», schreibt auch das amerikanische «Wall Street Journal». Die US-Nachrichtenwebsite «The Daily Beast» kommentiert: «Der neue Fifa-Präsident wird zu einer strengen internen Untersuchung der ganzen Organisation gezwungen sein. Sollten sich die vom FBI erhobenen Korruptionsvorwürfe bestätigen, dürfte der Ausschreibungsprozess für die Weltmeisterschaftsturniere 2018 und 2022 heftig kritisiert werden. Es ist schwer vorstellbar, dass dann die Frage der Austragungsorte nicht neu überprüft wird.» Laut Azzmy Megahed, dem Sprecher des ägyptischen Fussballverbandes, sind die Chancen, dass in Katar 2022 die Fussball-WM stattfindet, «drastisch gesunken».

Die Wahl von Katar und Russland als WM-Gastgeber hatte 2010 in Zürich stattgefunden. Es war das erste Mal, dass die Fifa zwei Austragungsorte gleichzeitig bestimmte.

Der ehemalige Fifa-Marketingdirektor und heutige Blatter-Kritiker Guido Tognoni glaubt indessen nicht daran, dass die WM 2022 neu vergeben wird. Im Gespräch mit dem TA weist er darauf hin, dass allein die zu erwartenden Schadenersatzforderungen die Fifa davon abhalten werden, Katar das Turnier zu entziehen. Ausserdem wiege der Korruptionsvorwurf gegenüber dem Weltfussballverband viel schwerer als gegenüber den katarischen Fussballfunktionären. Diese hätten inmitten des Fifa-Sumpfes keine andere Möglichkeit gehabt, als der Bewerbung ihres Landes durch Bestechungsgelder nachzuhelfen.

«Ich will nur das Beste für die Fifa»: Die Kernaussagen von Sepp Blatters Rücktrittsrede.

Erstellt: 03.06.2015, 12:58 Uhr

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