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Die Details der Fifa-Anklage

Auf 161 Seiten zeichnen die US-Behörden in ihrer Anklage gegen 14 Beschuldigte ein erschreckendes Bild der Korruption im Weltfussball. Im Zentrum der Vorwürfe steht Jack Warner.

Druck auf Joseph Blatter wächst: Der englische und der schottische Verband forderten offen den Rücktritt des Präsidenten. Video: Reuters (28. Mai 2015)

In der Anklage der US-Behörde wird aufgeschlüsselt, wie in dem Geflecht von Bestechung, Schmiergeldern und Geldwäsche die Summen über die Jahre stiegen und immer mehr Funktionäre mitverdienten. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Anklagepunkte:

Copa América

1986 erwirbt das Unternehmen Traffic Brazil die weltweiten Vermarktungsrechte für die südamerikanische Fussballmeisterschaft, die Copa América. Fünf Jahre später fordert Nicolas Leoz, Präsident des Südamerikanischen Fussballverbandes Conmebol, für eine Vertragsverlängerung eine sechsstellige Summe an Schmiergeld.

Ein namentlich nicht genannter Mitverschwörer (#2) veranlasst die Zahlung einer sechsstelligen Summe in US-Dollar auf ein Konto, das Leoz zugeschrieben wird. Bis 2011 erhält Leoz Zahlungen für jede Auflage des Turniers. Diese erhöhen sich jedes Mal und erreichen schliesslich einen Millionenbetrag. Für die weltweiten Vermarktungsrechte der vier Copa Américas von 2015 an werden bereits Schmiergelder in der Höhe von insgesamt 110 Millionen an elf Conmebol-Offizielle vereinbart.

Gold Cup

Für den Gold Cup – die Fussballmeisterschaft Nord- und Mittelamerikas und der Karibik – wird mit Hilfe des gleichen Mit-Verschwörers (#2) ein System wie bei der Copa América aufgebaut. Traffic USA erwirbt von 1996 an für fünf Auflagen die Vermarktungsrechte des Gold Cups. Bis zum Turnier 2003 fliessen Hunderttausende Dollar an Schmiergeldzahlungen an Jack Warner, Präsident des nord-, zentralamerikanischen und karibischen Fussballverbandes Concacaf.

Es wird versucht, die Zahlungen über Mittelsmänner zu verschleiern. Warners Nachfolger Jeffrey Webb erhält 1,1 Millionen dafür, dass er Traffic USA die Rechte am Gold Cup und an der Concacaf Champions League zusagt. Für die Turniere im folgenden Jahr sind es bereits zwei Millionen.

Copa Libertadores

Rund um 2000 hält Leoz auch hier die Hand auf und bekommt von einem Mit-Verschwörer (#5) einer Sport-Marketing-Agentur Schmiergeld- und Kickback-Zahlungen für die Werberechte an der Copa Libertadores, dem wichtigsten südamerikanischen Vereinswettbewerb. 2006 weist Leoz #5 an, aus dem Werbekontrakt mit dem Conmebol mehr als zwei Millionen US-Dollar auf persönliche Konten in der Schweiz und Paraguay zu lenken.

Brasilianische Nationalmannschaft

Ein multinationaler Sport-Ausrüster aus den USA erwirbt 1996 die Ausrüsterrechte für zehn Jahre für 160 Millionen US-Dollar. Der Ausrüster stimmt zu, weitere 40 Millionen an eine Tochter von Traffic Brasil zu zahlen. Die Hälfte fliesst als Schmiergeld von Mit-Verschwörer (#2) an eine weitere namentlich nicht genannte Person. 2002 wird der Ausrüstervertrag vorzeitig aufgelöst.

WM-Vergabe 2010

Concacaf-Präsident Warner berichtet einem Mitverschwörer folgendes: Hohe Fifa-Offizielle, die südafrikanische Regierung und das südafrikanische Bieter-Komitee seien bereit, eine Zahlung von Südafrikas Regierung in der Höhe von 10 Millionen Dollar an die karibische Fussballunion CFU zu arrangieren. Diese soll «die afrikanische Diaspora unterstützen».

Mitverschwörer #1 versteht, dass Warner, er selbst und Mitverschwörer #17 für Südafrika als Gastgeber der WM 2010 stimmen sollen. Warner deutet an, dass er das Angebot akzeptiert und sagt Mitverschwörer #1 zu, eine Million Dollar weiterzureichen. Die südafrikanische Regierung soll die Zahlungen daraufhin jedoch nicht direkt aus Regierungstöpfen vornehmen können. In drei Margen weist ein hochrangiger Fifa-Funktionär an, dass zehn Millionen Dollar von einem Fifa-Konto in der Schweiz auf ein US-Konto fliessen. Das Geld landet schliesslich auf Konten im Namen der CFU und Concacaf, kontrolliert von Warner, in Trinidad und Tobago. Durch Geldwäsche bei Mittelsmänner fliessen Teile des Geldes schliesslich zu Unternehmen in Trinidad und Tobago sowie auf Warners Privatkonten. Mit-Verschwörer #1 erhält mehr als 750'000 Euro von Warner.

Fifa-Präsidentschaftswahl 2011

Mit-Verschwörer #7, ein hoher Funktionär der Fifa und des asiatischen Verbandes AFC, erklärt 2011 seine Kandidatur für das Fifa-Präsidentenamt. Ende April fliessen 363'537,98 Dollar von einem Konto, das Mit-Verschwörer #7 kontrolliert auf ein Konto des CFU, das Warner kontrolliert. Im Mai stellt #7 den CFU-Verbänden seine Kandidatur vor. Warner sagt den Funktionären, dass sie sich ein «Geschenk» abholen könnten. Die Repräsentanten erhalten jeweils einen Umschlag mit 40'000 US-Dollar. Nachdem das System aufliegt und Warner von seinen Posten zurücktritt, veranlasst Mit-Verschwörer #7 eine Zahlung von mehr als 1,2 Millionen Dollar auf ein Konto, das Warner kontrolliert.

SDA/pst

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