Das müssen Sie wissen, um bei der Formel-E mitreden zu können

Wie viel kostet das Rennen? Warum führt es mitten durch ein Berner Wohnquartier? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Swiss E-Prix.

Der E-Prix in Bern erhitzt derzeit die Gemüter.

Der E-Prix in Bern erhitzt derzeit die Gemüter. Bild: Franziska Rothenbühler

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Was ist die Formel E?
Die Formel E ist die weltweit erste Rennserie, bei der Formelfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb gegeneinander antreten. Das in Bern stattfindende Rennen, der Swiss E-Prix, ist Teil der diesjährigen internationalen Formel-E-Saison. Zu den anderen Austragungsorten gehören etwa Marrakesch, Hongkong, New York und Berlin.

Führen die Rennstrecken immer durch Wohnviertel wie den Obstberg?
Die Formel-E-Meisterschaft wird auf Stadtkursen ausgetragen. Dass die Boliden durch ruhige Wohnquartiere rasen, ist aber nicht die Norm: 2018 führte die Strecke in Zürich durch die von Banken und Boutiquen besetzte Innenstadt. In Paris jagen die Wagen um das Hôtel des Invalides, in New York besetzt die Strecke einen Brooklyner Fährendock und in Berlin den ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Wie viel kostet das Rennen die öffentliche Hand?
Laut Angabe der Stadt Bern gar nichts. Finanzielle Beiträge der Stadt oder Gebührenbefreiungen seien ausgeschlossen, anfallende städtische und kantonale Gebühren übernehme die Veranstalterin. Leistungen der Stadt würden ebenso verrechnet.

Wie funktionieren die Autos?
Die E-Boliden sind futuristisch gestaltet und verfügen über einen batteriebetriebenen Motor. Die Batterien werden mit Glycerin-Generatoren geladen. Glycerin, ein Nebenprodukt der Biodieselherstellung, kann in Dieselgeneratoren verwendet werden, gilt aber als sauberer. Die durch die Verbrennung generierte Energie verhilft den Formel-E-Wagen zu Geschwindigkeiten von bis zu 240 km/h.

Gibt es auf der Berner Strecke gefährliche Stellen?
Die Strecke sei nicht gefährlich, sagt Swiss-E-Prix-Sprecher Stephan Oehen, denn sie sei von der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) offiziell abgenommen worden. «Die Strecke gilt als absolut sicher. Die Piloten haben sie auch schon im Simulator testfahren können.» Das heisst nicht, dass die Wettfahrt auf den Strassen Berns für die Profis ein Zuckerschlecken wird. «Die Steigungen und die Gefälle der Berner Strecke sind einmalig», sagt Oehen. «Der Aargauer- und der Muristalden werden für die Fahrer bezüglich Tempo- und Energiemanagement eine Herausforderung.»

Gibt es Fahrerinnen?
Am Rennen in Bern nehmen keine Pilotinnen teil. Der Formel-E-Sport kennt grundsätzlich jedoch keine Geschlechtertrennung. Die Thunerin Simona de Silvestro fuhr an der Formel-E-Meisterschaft 2015/2016 mit. Dieses Wochenende ist sie in Bern als Testfahrerin im Einsatz.

Welche Fahrer muss man kennen, um mitreden zu können?
Zu den Vertretern der Schweiz gehören Sebastien Buemi und Edoardo Mortara. Der Franzose Jean-Eric Vergne und der Brasilianer Lucas Di Grassi werden als Favoriten gehandelt. Ebenfalls aus Brasilien stammt ein bekanntes Gesicht: Der ehemalige Formel-1-Fahrer Felipe Massa, der mit Michael Schumacher für Ferrari fuhr, ist auch mit dabei.

Darf man die Gegner rammen?
Nein. Jedenfalls nicht absichtlich. Die Autos sind mit ihren freistehenden Rädern zerbrechlich; zudem ist es verpönt, sich mit gefährlichem Fahrstil einen Vorteil zu verschaffen. Vielmehr zählt die Renntaktik: Während des 45-minütigen Rennens muss die Energie der Batterie gut eingeteilt und der richtige Moment zum Überholen gewählt werden.

Es soll regnen. Was bedeutet das für das Rennen?
Die Autos haben Allwetterreifen, die nicht über die gleiche Bodenhaftung verfügen wie Regenreifen. In Paris fand im April erstmals ein Formel-E-Rennen im Regen statt. Das Resultat war ein Chaos mit einigen Kollisionen. Am Ende des steilen Aargauer­staldens könnte Ähnliches passieren.

Wie viel kostet ein Ticket für die Tribüne?
Ein Tribünenticket kostete 98.40 Franken. Die Plätze waren jedoch innert weniger Minuten verkauft. Noch verfügbar sind «Hospitality-Tickets» für den Eintritt in die Lounge am Bärengraben. Hier wird ein ganztägiges Unterhaltungsprogramm mit Verpflegung ab 997 Franken angeboten.

Ich habe kein Ticket. Wo kann ich das Rennen schauen?
An vielen Stellen entlang der Strecke kann man vom Strassenrand den Wettbewerb mitverfolgen. Auf der Aareseite des Aargauerstaldens ist eine frei zugängliche Fanzone eingerichtet; der Rosengarten bildet die Familienzone. Im Allianz-E-Village am Bahnhofplatz und in der Altstadt wird das Rennen auf Grossleinwand gezeigt. Sprecher Stephan Oehen empfiehlt zudem, Balkone in der Nähe der Strecke ins Auge zu fassen. «Ein Freund mit einem Balkon im Obstberg ist dieses Wochenende ein guter Freund.» Vermieten dürfe man Balkonplätze allerdings nicht, da dies Veranstalterrechte verletze.

Die Rennwagen sind ja schnell vorbeigeflitzt. Was gibt es sonst zu sehen und zu tun?
Der Rummel rund um den E-Prix beginnt bereits am Freitag. Um 15 Uhr findet der «Shakedown» statt, eine erste Probefahrt im Renntempo. Abends wird die Foodzone am Klösterlistutz eröffnet, wo ein Freiluft-Kino Dokus und Spielfilme zeigt. Am Samstagmorgen um 10.30 Uhr werden auf der Rennstrecke verschiedene Elektrofahrzeuge vorgeführt. Ab 15.20 Uhr verteilen die Rennfahrer auf dem Kornhausplatz Autogramme.

Warum findet das Rennen am Samstag erst um 18 Uhr statt?
Als internationaler, im Fernsehen übertragener Sportevent müsse man die Rennzeit mit anderen Sportanlässen abstimmen wie etwa dem French Open und der Tour de Suisse, sagt Sprecher Oehen. Zudem erlaube ein später Start die Durchführung an einem Tag, inklusive Qualifizierung und Nebenanlässen.

Ist der ÖV betroffen?
Die Bernmobil-Linie 12 zwischen Bahnhof und Zentrum Paul Klee wird am Samstag komplett eingestellt, am Freitag, Sonntag und Montag wird sie über Kirchenfeldbrücke und Burgernziel umgeleitet. Von Freitag bis Montag fährt die Linie 10 statt über den Rosengarten via Guisanplatz nach Ostermundigen. Die RBS-Linie 40 wird am Freitag und am Samstag zwischen Ostring und Guisanplatz unterbrochen.

Wann ist die Rennstrecke wieder abgebaut?
Die Abbauarbeiten dauern insgesamt bis Ende Juni. Der Normalbetrieb wird aber bereits Mitte nächster Woche einkehren.

Erstellt: 22.06.2019, 16:40 Uhr

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