1:0 nach 48 Sekunden leichtsinnig verspielt

Nach dem 1:2 der Grasshoppers gegen Lausanne beträgt der Rückstand auf die Waadtländer sechs Punkte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Energie hatten sie noch genug. Als die Lausanne-Spieler im Letzigrund die Treppe in Richtung Garderobe hochstiegen, überboten sie sich mit Jubelschreien. Kaum waren schliesslich alle in der Kabine, startete der kollektive Jubelgesang. «Der Sieg war enorm wichtig», kommentierte Christian Schneuwly später.

Den leeren Blicken der GC-Spieler konnte man ansehen, dass auch für sie die Partie von zentraler Bedeutung gewesen war. Umso ärgerlicher aus Zürcher Sicht, dass sie in diesem Spitzenkampf alle Trümpfe in der Hand gehabt hatten. Und zwar ab Spielbeginn: Erst 48 Sekunden waren gespielt, als Euclides Cabral nach einer Kombination über Nassim Ben Khalifa und Petar Pusic ins leere Tor einschieben konnte.

Salvi lässt Ball abprallen

Damit schien aber das Offensiv-Pulver der Zürcher in der ersten Halbzeit allerdings auch schon verschossen – mit Ausnahme einer Chance von Ben Khalifa und zweier gefährlicher direkter Corner von Pusic. Stattdessen konnte schon acht Minuten später auch der Gast jubeln: Aldin Turkes konnte einen Abpraller von Mirko Salvi ungestört verwerten. «Wie schnell wir auf diesen Rückstand reagieren konnten, war das erste Zeichen von Reife», sagte Schneuwly.

Dass GC diese zu einem gewissen Grad noch fehlt, zeigte sich vor allem in den letzten 25 Minuten. Es stand immer noch 1:1, als Lausannes Elton Monteiro für überhartes Einsteigen gegen GC-Goalie Mirko Salvi seine zweite gelbe Karte des Abends und damit vom Platz gestellt wurde. «Da haben wir uns dann von der Euphorie packen lassen und hatten einen blöden Ballverlust. Da müssen wir viel cooler agieren», sagte Uli Forte, «das ist sehr schade, mindestens einen Punkt müssen wir mit einem Mann mehr mitnehmen.»

Baba Souare hatte sich den Fehler geleistet, der 20-jährige Verteidiger, der zuletzt Marko Basic stark vertreten hatte, aber wie andere Talente noch nicht vor dem gefeit ist, was Forte als «jugendlichen Leichtsinn» bezeichnet. Dass dann erneut Turkes traf, mit seinem 16. Saisontor, war eine fast logische Konsequenz. Er und Sturmpartner Andi Zeqiri sind für total 28 der 50 Lausanner Tore verantwortlich und damit für gleich viele, wie das gesamte GC-Team erzielt hat.

«Wir müssen uns täglich weiter verbessern wollen»

Natürlich war die Enttäuschung über die erste Niederlage nach neun Partien und seit dem 1:2 gegen den gleichen Gegner gross. Und dass der Rückstand auf Lausanne nun statt null oder drei Punkten sechs beträgt, tut doppelt weh. Forte vergass aber das Gesamtbild nicht: «Die Vorrunde war positiv, wir müssen auch schauen, wo wir nach dem Abstieg begonnen haben.»

Dass die Entscheidung über den Direktaufstieg zwischen diesen beiden Teams fallen wird, scheint klar. Und falls GC den Rückstand noch aufholen und in der «direttissima» in die Super League zurückkehren würde, wäre es das dritte Team in etwas mehr als einem Jahrzehnt. Die anderen waren der FC St. Gallen 2011/12 und der FC Zürich 2016/17 – beide unter Führung von Uli Forte. Für ihn ist klar, wo er bei seinem Team ab dem Trainingsstart am 4. Januar den Hebel ansetzen muss: «Wir müssen uns täglich weiter verbessern wollen. Ich bin überzeugt, dass wir weitere Fortschritte machen werden, es gibt ja einige Spieler, die vor diesem Jahr noch kaum je Profifussball gespielt hatten.»

Grasshoppers - Lausanne-Sport 1:2 (1:1)
Letzigrund. – 3550 Zuschauer. – SR Piccolo.

Tore: 1. (0:48) Cabral 1:0. 9. Turkes 1:1. 75. Turkes 1:2.

Grasshoppers: Salvi; Arigoni (76. Gjorgjev), Cvetkovic, Souare, Wittwer; Morandi (65. Njie), Salatic; Cabral, Buff (88. Francis), Pusic (82. Subotic); Ben Khalifa.

Lausanne-Sport: Castella; Boranijasevic, Loosli, Monteiro, Flo; Kukuruzovic; Geissmann, Schneuwly (79. Gétaz), Ndoye (86. Oliveira), Turkes, Zeqiri (66. Nganga).

Bemerkungen: GC ohne Basic, Asllani, Goelzer, Keller, Lausanne ohne Puertas (alle verletzt). Verwarnungen: 25. Monteiro (Foul). 64. Salatic (Reklamieren), 85. Njie (Foul). Gelb-Rot: 64. Monteiro (Foul).


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Hier finden Sie alle Folgen an einem Ort

Erstellt: 13.12.2019, 19:46 Uhr

Artikel zum Thema

Stürmen mit Lust, treffen mit Coolness

Aldin Turkes und Andi Zeqiri sind Lausannes starke Motoren: Sie rechnen damit, heute gegen GC den Vorsprung an der Spitze auszubauen. Mehr...

Zürich nimmt Abschied von Köbi Kuhn

Hunderte Trauergäste haben sich im Grossmünster eingefunden, um des «grössten Zürchers der letzten Jahre» zu gedenken. Mehr...

Kopf oder Schulter? Egal, Pusic rettet GC drei Punkte

Erneut tut sich GC schwer gegen den Tabellenletzten. Beim 1:0-Sieg in Chiasso trifft Pusic als einziger. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Mamablog Ab auf die Bäume, Kinder!

Sweet Home Ferien im Chalet

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Buntes Treiben: Mit dem Schmutzigen Donnerstag hat auch die Luzerner Fasnacht begonnen. Am Fritschi-Umzug defilieren die prächtig kostümierten Gruppen und Guggen durch die Altstadt. (20. Februar 2020)
(Bild: Ronald Patrick/Getty Images) Mehr...