2018 Weltmeister, jetzt ein Schnäppchen

Im letzten Sommer wollte Liverpool 60 Millionen Euro für Nabil Fekir bezahlen. Jetzt wechselt er für 20 Millionen nach Spanien. Schuld daran ist sein Bruder.

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In jedem Sommer und Winter schlendern die Vertreter von Fussballclubs durch die Märkte Europas. Sie feilschen und geben Geld aus, die Barcelonas und Reals mehr, die Thuns und Luganos weniger. Und hin und wieder findet sich in einer Nische eines Marktes ein kleines Schnäppchen. Betis Sevilla hat seines in Lyon gefunden, Nabil Fekir, Weltmeister, Stammspieler, im besten Alter, eine lohnende Investition – Preis: 20 Millionen Euro.

Das sei nichts, geschenkt, schreiben einige, die spanische Zeitung «Marca» findet gar: «Eine der grossartigsten Verpflichtungen in der Geschichte von Betis.» Denn Fekir wird auf dem Portal Transfermarkt.ch mit 60 Millionen Euro bewertet, auch andere Vereine sollen bei Lyon angeklopft haben: die Bayern, Manchester City, Napoli, Milan. Und im vergangenen Sommer, da war Liverpool bereit, ebendiese 60 Millionen nach Frankreich zu überweisen.

Statt Fekir gabs Shaqiri

Fekir, algerisch-französischer Doppelbürger, kam bei der WM in Russland abgesehen vom Halbfinal gegen Belgien in jedem Spiel zum Einsatz. Bis heute hat er für Lyon in 193 Spielen 69 Tore erzielt und 46 vorbereitet. Der Wechsel zu den Reds stand schon fast fest, es kursierten sogar Bilder des Franzosen im Trikot von Liverpool. Es kam anders, die Engländer entschieden sich für eine deutlich günstigere Variante: Xherdan Shaqiri, er kostete gut 15 Millionen Euro.

Denn Shaqiri schaffte, woran Fekir zuvor offenbar gescheitert war: Er bestand den Medizintest, die letzte kleine Hürde zum Transfer. Die Zeitung «Liverpool Echo» schreibt, bei Fekir seien Probleme im rechten Knie festgestellt worden. Dort riss vor bald vier Jahren das Kreuzband. Der offensive Mittelfeldspieler fehlte Lyon 213 Tage, verpasste 39 Spiele. Aus Lyon hiess es, die Franzosen selbst hätten die Verhandlungen beendet.

Weniger Ablöse, weniger Lohn

Jetzt haben sie ihn aber doch verkauft. An den zehnten der spanischen Liga statt an den Sieger der Champions League. Für 60 Millionen statt 20. Und: Die These, dass Fekir bei Betis Sevilla weniger verdienen wird als bei Liverpool (oder Napoli, Bayern, Milan und Manchester City), ist nicht besonders gewagt. Fekirs Vertrag bei Lyon hatte Gültigkeit bis Sommer 2020. Dann wäre er gratis zu haben gewesen. Dass der Spieler den Verein verlassen würde, war absehbar. Doch was zieht den Mann zu einem Club, der nicht mal in seiner Stadt die Nummer 1 ist?

Die Gründe liegen in der Familie. Fekir hat einen Bruder, Yassin heisst er, 22 Jahre jung, auch er ein Spieler von Lyon, zumindest bis am Dienstag. Denn Betis Sevilla holt gleich das Fekir-Gesamtpaket nach Andalusien, verpflichtet auch Yassin, den Linksaussen, der in vier Jahren drei Kurzeinsätze für die Profis von Lyon absolvierte. Möglich, dass die anderen interessierten Vereine keinen Bedarf auf dieser Position hatten und Betis der einzige Club war, der sich erbarmte, den offenbar weniger talentierten Fekir unter Vertrag zu nehmen.

Die Gebrüder Donnarumma, Hazard und Félix

Im Fussball ist das keine Seltenheit. Gerade das ebenfalls an Fekir interessierte Milan kennt sich mit minder talentierten Brüdern aus, hat es doch 2005 Digão und 2017 Antonio Donnarumma geholt. Der eine kam, um einem gewissen Kaka das Leben in Italien etwas angenehmer zu gestalten. Der andere war neben ganz viel Geld ein Mittel, damit der acht Jahre jüngere Gianluigi seinen Vertrag verlängerte. Er absolvierte bisher ein Spiel für Milan, Digão kam immerhin auf drei. Gianluigi Donnarumma ist italienischer Nationalspieler, Kaka wurde 2007 Weltfussballer.

Oder da sind auch noch die Gebrüder Hazard: Kylian Hazard vollzog im Sommer 2017 den ungewöhnlichen Wechsel vom ungarischen Verein Ujpest FC zu Chelsea, wo mit Eden einer seiner zwei grossen Brüder spielte. Für die Profis spielte Kylian nie und in diesem Sommer ist auch er weitergezogen: Während Eden für 100 Millionen zu Real Madrid wechselte, versucht Kylian sein Glück in der Heimat bei Cercle Brügge.

Diese Transferstrategie kann aber auch völlig unerwartet enden. João Félix wurde einst als vermeintlich schlechterer der beiden Félix-Brüder zu Benfica Lissabon transferiert, im Schlepptau des 15-jährigen Hugo Félix, der momentan in der Jugendakademie der Portugiesen spielt. Diese hat João hinter sich. In diesem Sommer verliess er Benfica für 126 Millionen und spielt nun bei Atlético Madrid. Ein Weg, den Yassin Fekir kaum gehen wird.

Erstellt: 24.07.2019, 19:23 Uhr

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