6 Gründe für das Barça-Debakel in Rom

Eine historische Blamage: Wie es der FC Barcelona schaffte, gegen die AS Roma einen 4:1-Vorsprung zu verspielen.

Rom schiesst Barça aus der Champions League. Video: Tamedia/SRF

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So richtig glauben konnte es auch kurz nach dem Schlusspfiff niemand. Andrés Iniesta schaute entsetzt ins Leere, als wolle er noch nicht wahrhaben, was passiert ist. Auch die Roma-Spieler fassten sich während des ausgelassenen Jubels immer wieder ungläubig an den Kopf. Nicht nur haben die Italiener als Aussenseiter das (vermeintlich) grosse Barça besiegt. Sie taten es nach einem 1:4 aus dem Hinspiel.

Dafür brauchte es eine herausragende Leistung der AS Roma – und eine unterirdische der Katalanen. Sechs Gründe für das 3:0.


1. Frühes Tor


Es dauerte keine sechs Minuten, bis Edin Dzeko die Römer in Führung schoss: Ebenso unorthodox wie kaltschnäuzig erzielte er das 1:0. Das Traumszenario für jeden Roma-Fan. Dabei hätte alles anders kommen können: Sergi Roberto hatte zuvor in den die grosse Chance, alle Hoffnungen des Heimteams schon im Keim zu ersticken. Nach schöner Vorarbeit von Lionel Messi schoss er aber freistehend in die Hände von Alisson Becker. So stand es 1:0 statt 0:1. Plötzlich lebte die Hoffnung, und das ohnehin schon enthusiastische Publikum peitschte seine Lieblinge noch frenetischer an. Und die Barça-Köpfe füllten sich mit Zweifel.


Video: Ekstase in Rom

Der Vereinspräsident springt in einen Brunnen. Video: Tamedia/Twitter



2. Di Francescos Mut


Die zentrale Frage für jeden Barça-Spieler war: Wie zur Hölle kommen wir über die Mittellinie? Die Katalanen wurden in ihrer eigenen Platzhälfte regelrecht eingeschnürt. Roma-Trainer Eusebio di Francesco bewies viel Mut, indem er eigens für diese Partie vom üblichen 4-3-3 auf ein 3-5-2 wechselte. «Die Idee kam mir nach dem 0:2 vom Samstag gegen Fiorentina. Ich bin ein Verrückter, und wäre das schiefgegangen, hättet ihr Journalisten mich zerrissen», sagte der Italiener bei der anschliessenden Medienkonferenz.

Dank der Umstellung konnten die Römer die Abstände zwischen den Linien verringern, was es Barça nahezu verunmöglichte, dort Anspielstationen zu finden. Die nach vorn beorderten Aussenverteidiger konnten zusätzlichen Druck auf den ballführenden Spieler ausüben oder Passwege zustellen. Das Risiko bestand darin, ein defensives Waterloo zu erleben, sobald die erste Abwehrlinie überspielt wird. Doch das viel gelobte Ensemble aus Barcelona fand dagegen kein Mittel und musste zudem feststellen, dass die AS Roma das Kunststück fertig brachte, ihr kräfteraubendes Spiel über die gesamte Partie hinweg durchzuziehen.


3. Edin Dzeko


Waren die Römer zur Abwechslung in der eigenen Hälfte im Ballbesitz, standen sie Barças gewohntem Pressing gegenüber. Oft profitierten die Katalanen in der Vergangenheit von Balleroberungen 30, 40 Meter vor dem gegnerischen Tor, um einen eigenen Treffer zu erzielen. Die Lösung des Heimteams: lange Bälle auf Dzeko. Und weil sich der Bosnier in nahezu jedem seiner Duelle mit Barças Innenverteidigern Piqué und Umtiti durchsetzen konnte, sorgte er so für eine schnelle Entlastung seiner Mitspieler. Mit relativ wenig Aufwand konnten die Römer von Defensive auf Offensive schalten und die eigenen Angriffe starten. Doch nicht nur Dzekos blosse Präsenz und Ballbehauptung war ein grosses Problem für Barcelona: Nach seinem 1:0 war Dzeko kurz nach der Pause mit dem herausgeholten Penalty massgeblich daran beteiligt, dass Barça endgültig in Panik geriet.


4. Valverdes falsche Schlüsse


Die grosse Frage, die nach dem 4:1 im Hinspiel durch Barcelonas Gazetten geisterte: Wieso spielte Sergi Roberto im rechten Mittelfeld statt wie zuletzt gewohnt als Aussenverteidiger – und nicht Ousmane Dembélé? Ernesto Valverde begründete, dass er dadurch Roms linke Angriffseite neutralisieren wollte – das Resultat gab ihm recht. Allerdings war Barças Leistung schon im Hinspiel nicht so gut, wie das Resultat vermuten liess. Gegen ein euphorisiertes Rom fehlten im Rückspiel Tiefe und das überraschende Element. Weil sich die Innenverteidiger gut um Luis Suarez kümmerten, hatte Messi kaum Anspielstationen – wenn der Ball denn tatsächlich mal zu ihm gelangte. Immerhin in einer Analyse nach dem Hinspiel traf Barças Trainer ins Schwarze: «Mir wäre ein 3:0 lieber gewesen als ein 4:1.»


5. Sergio Busquets


Man merkt es Barças Spiel sofort an, wenn Busquets nicht in Topform ist. Bereits fürs Hinspiel musste er fit gespritzt werden, und auch in Rom war augenscheinlich, dass der 29-Jährige noch an den Nachwehen seines Zehenbruchs leidet. Funktioniert Busquets, orchestriert er Barcelonas Spieleröffnung wie kein Zweiter, stopft er in der Defensive die Löcher, bevor sie entstehen, und treibt den Gegner mit seiner Antizipation zur Weissglut. Funktioniert er nicht, fällt die Mannschaft in zwei Teile.


6. Barças Arroganz


Taktik hin, Busquets her: Wie der designierte spanische Meister in Rom auftrat, war eines Champions-League-Viertelfinalisten unwürdig. Apathisch schlichen die hochbegabten Stars über den Platz und liessen ihr Schicksal über sich ergehen. Offensichtlich glaubten sie, dass nach dem deutlichen Heimsieg der Job bereits erledigt sei. In diese Richtung gehen auch die Aussagen von Captain Andrés Iniesta: «Wir haben nicht erwartet, trotz einem solch komfortablen Polster auszuscheiden.» Sinnbildlich war, dass der eigentlich pfeilschnelle Jordi Alba vor dem 1:0 das Laufduell gegen Dzeko verlor – das ist in etwa so wie wenn Neymar gegen Jörg Abderhalden im Armdrücken gewonnen hätte. Einzig Piqué und Goalie ter Stegen schienen sich gegen das drohende Unheil wehren zu wollen – ohne das beherzte Eingreifen des Innenverteidigers oder die drei beeindruckenden Paraden des Goalies wäre das Resultat noch deutlicher ausgefallen.

Es brauchte den Hammer in Form des 3:0-Treffers, um die Katalanen aus ihrer Trance zu wecken. Ging nach Sergi Robertos Chance zu Beginn offensiv 80 Minuten lang nichts mehr, wurde Barcelona in den letzten 5 Minuten viermal gefährlich. Nur: gegen leidenschaftliche Römer, die sich in jeden Schuss und in jede Flanke warfen, kam dieses Aufbäumen aber zu spät.


Bilder: Liverpool bezwingt City, Sensation in Rom

Erstellt: 11.04.2018, 11:46 Uhr

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