90'000 Beweise für den Boom

Für das Frauen-Testspiel zwischen England und Deutschland kommen 12'000 Zuschauer mehr als beim WM-Final der Männer.

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Es ist nur ein Testspiel. Ein Klassiker, ja, aber dennoch nur ein Testspiel. Wenn am 9. November England und Deutschland im Wembley-Stadion aufeinandertreffen, geht es sportlich um relativ wenig. Und dennoch wird es ein ganz besonderer Anlass. Es sind die Besucher, welche die Partie so bemerkenswert machen. Denn es werden 90'000 sein.

Fast ein Monat vor Anpfiff ist das Fussballspiel bereits ausverkauft. Englands Heimspiel-Rekord der Frauen liegt momentan noch bei 46'619 Zuschauern, beim Olympia-Final zwischen den USA und Japan strömten 80'203 Menschen ins Wembley. Es war in Europa bisher der grösste Aufmarsch im Stadion. Knapp verpassen werden sie im November den Weltrekord eines Frauen-Spiels: Beim WM-Final in Pasadena (Kalifornien) 1999 sahen 90'185 Zuschauer den US-Sieg gegen China.

Bei Deutschland gegen Argentinien kamen halb so viele

Auch bei den hoch vermarkteten Männern ist eine solche Zuschauerzahl alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Ohnehin gibt es in Europa nur ein Stadion, das mehr Fans fasst als das Wembley: Barcelonas Camp Nou. Das Barça-Starensemble schafft es nur in Heimspielen gegen Real und in den K.-o.-Phasen der Champions League, die rund 93'000 Zuschauer fassende Arena regelmässig zu füllen. Das Länderspiel der deutschen Männer gegen Argentinien im Signal-Iduna-Park wollten nur 45'197 Fans sehen – über 20'000 Plätze blieben frei. Und auch die Finalisten der WM 2018, Frankreich und Kroatien, mussten sich in Moskau mit rund 78'000 Zuschauern begnügen, für mehr hatte das Luschniki-Stadion keinen Platz.

Zugegeben, der Vergleich mit den Männern hinkt etwas, insbesondere aufgrund der Preispolitik – ausserdem hätten sich sicherlich ein paar Interessierte mehr gefunden, die den WM-Final im Stadion hätten schauen wollen. Aber dennoch ist gerade im Mutterland des Fussballs das ausverkaufte Wembley der letzte Beleg, wie sehr die Frauen gerade begeistern.

Gerade in England gilt das. In den ersten drei Runden der Womens Super League kamen total über 100'000 Zuschauer. Zum Vergleich: In den 110 Spielen der kompletten letzten Saison waren es 92'000. Seit der erfolgreichen WM in Frankreich öffnen Vereine wie Manchester City oder Chelsea ihre bisher für Männer vorgesehenen Stadien, damit auch die Frauenteams dort spielen dürfen. Und die Fans danken es, indem zum Manchester-Derby über 30'000 Zuschauer kommen. Für Aufsehen sorgten sie Mitte Mai auch in Spanien, als beim Spiel Atlético Madrid gegen Barcelona 60'739 Besucher das Madrider Wanda Metropolitano füllten.

Jetzt erreichen die Lionesses also einen neuen Meilenstein. Für Casey Stone, aktuelle Trainerin von Manchester United, ist es «ein Traum, der wahr wird». Die 37-Jährige, ehemals Nationalteam-Captain, hofft, dass die beiden Teams dem Rahmen gerecht werden: «Sodass alle Besucher wieder kommen wollen.» (fas)

Erstellt: 17.10.2019, 18:01 Uhr

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