Abenteurer und Geniesser in Australien

Der ehemalige GC- und FCZ-Verteidiger Stephan Keller (31) spielt mit Sydney in der Champions League und sucht einen neuen Klub.

«Ich wollte mir das einfach anschauen»: Wenn Sidney aus der Königsklasse ausscheidet, muss Stephan Keller (r.) nach Europa zurück.

«Ich wollte mir das einfach anschauen»: Wenn Sidney aus der Königsklasse ausscheidet, muss Stephan Keller (r.) nach Europa zurück. Bild: Reuters

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Es hört sich so vieles gut an in den Erzählungen, es ist diese Stadt mit dem klangvollen Namen, der Wohnort mit dem prächtigen Strand und dem Meer vor der Haustür, es tönt auch ein bisschen nach Abenteuer, wenn Stephan Keller davon berichtet, wie er nach Australien gefunden und in Sydney seine Karriere fortgesetzt hat. Wie er mit seiner Frau und den zwei Buben in Manly lebt. Wie er für jedes Auswärtsspiel aufgrund der grossen Distanzen mindestens drei Tage unterwegs war und eifrig Flugmeilen sammelte.

Keller sitzt in kurzen Hosen und mit Sonnenbrille in einem lauschigen Café, seit 20 Monaten verteidigt er in einer Liga mit gefestigten Strukturen und hoher Fernsehpräsenz, die Bedingungen, die ihm sein Arbeitgeber bietet, sind erstklassig, von der Infrastruktur bis zur Organisation im Verein. Der 31-Jährige bereut nicht, dass er 2009 den ungewöhnlichen Weg einschlug und Europa verliess. Er wollte «einmal ans Meer». Also stellte er einen Wunschkatalog zusammen, sein Agent sondierte den Markt. Portugal, Türkei und Griechenland bot er an – und eben: Australien, der FC Sydney in der neuen Profiliga mit elf Klubs. Keller setzte sich ins Flugzeug, «ich wollte mir das einfach anschauen». Den Rückweg trat er nicht mehr an.

Champions League als Trost

Seine Familie folgte ihm ein paar Wochen später. Keller fand sich schnell zurecht, sein schnörkelloser Stil gefiel den Zuschauern. In der ersten Saison wurde er gleich Meister, aber das zweite Jahr verkam zu einer schweren Enttäuschung: Sydney verpasste die Playoffs. Was bleibt, ist die Champions League Asiens, die morgen mit dem Heimspiel gegen die Koreaner von Suwon Bluewings anfängt. Scheidet Sydney aus der Königsklasse aus, endet wohl auch für Keller die Zeit Down Under. Die Familie zieht es zurück nach Europa.

In jüngeren Jahren war er Nationalspieler, Köbi Kuhn setzte ihn in drei Länderspielen ein. Der grosse Durchbruch blieb ihm verwehrt. Heute sagt er gelassen: «In meinem Lebenslauf kann ich nicht Klubs vorweisen wie andere.» Er war der Junior von GC, der nach 13 Jahren den Eindruck hatte, der ewige Lehrling im Klub zu bleiben. Er wechselte zu Xamax, um nach zwei Jahren, getrieben von Ungeduld, seinen Weggang zu forcieren. Er glaubte, reif für den FC Basel zu sein. Oder fürs Ausland. Und landete in Kriens in der Challenge League. Später, beim FCZ, wurde er nach zwei Jahren aussortiert.

Keller zog fort, in die 2. Bundesliga zu Rot-Weiss Erfurt, von dort nach Holland zu Waalwjik und zu De Graafschap. Vier Jahre blieb er und ist dem Land bis heute verbunden. Sein Haus in Waalwjik gehört immer noch ihm. Keller lernte viel, Sprachen zum Beispiel, und er hat sich eine «relaxte Mentalität» zugelegt. «Ich geniesse den Fussball jetzt richtig», sagt er. Der gelernte Bankkaufmann aus Geroldswil kann sich vorstellen, einmal Trainer zu werden, aber die Option kommt frühestens in drei Jahren infrage. Aufhören will er jetzt noch nicht. In der Champions League kann er für sich Werbung machen. Keller hat aufgehört, Pläne zu machen und zu träumen. Nur eines weiss er: Am 31. Mai reist er zurück in die Schweiz. Und feiert seinen 32. Geburtstag im Flugzeug.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2011, 17:57 Uhr

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