«Aber du bist viel zu fett»

Kevin Pannewitz galt als kommender Bundesliga-Star, ass und trank aber, bis er 123 Kilo schwer war. Nun bietet ihm ein Drittligist die wohl letzte Chance.

Ein Bild aus schlanken Tagen: Kevin Pannewitz 2012 als Profi beim VfL Wolfsburg.

Ein Bild aus schlanken Tagen: Kevin Pannewitz 2012 als Profi beim VfL Wolfsburg. Bild: Keystone

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Als Kevin Pannewitz 2009 im Alter von 18 Jahren bei Hansa Rostock in der 2. Bundesliga debütierte, sagten ihm Experten eine grosse Zukunft voraus. Schon damals hatte der gebürtige Berliner aber einen steten Gegner: seinen Kühlschrank. Pannewitz, der schon immer gern ass und zwischendurch auch einmal einen über den Durst trank, hatte mit Übergewicht zu kämpfen und wurde wiederholt suspendiert. Trotzdem bot ihm der damals von Felix Magath trainierte Bundesligist VfL Wolfsburg im Juli 2012 einen Zweijahrevertrag an, den das Talent schliesslich auch unterzeichnete.

«Warum Felix Magath mich wollte, weiss ich nicht genau. Aber ich bin ihm, seinem Team und der Mannschaft dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe», erklärte Pannewitz zwei Monate später in einem Interview mit der «Wolfsburger Allgemeinen Zeitung» und versprach: «Irgendwann werde ich alles zurückzahlen.» Leider kam es anders. Pannewitz, der selbstironisch sagte, er sei wie eine Wurst in Wolfsburg angekommen, nahm zwar stark ab, absolvierte aber nur zwei Kurzeinsätze in der Reservemannschaft. Nach nur einem Jahr trennten sich Club und Spieler wieder.

Über die Stationen Goslarer SC und VSG Altglienicke landete Pannewitz 2016 beim Sechstligisten Eintracht Oranienburg. Doch auch dort kam er nur zu zwei Einsätzen und nahm ab Dezember nicht einmal mehr am Mannschaftstraining teil. Vom Fussball konnte der frühere U-19-Nationalspieler natürlich längst nicht mehr leben. Er musste sich sein Geld mit dem Schleppen von Kühlschränken und Waschmaschinen verdienen und strebte einen Job als Fahrer eines Mülltransporters an.

Im Januar dieses Jahres, Kevin Pannewitz war bei 1,85 Meter Körpergrösse inzwischen 123 Kilo schwer, besuchte er ein Spiel seines Schwagers Timmy Thiele. Der verlor mit Carl Zeiss Jena gegen Meuselwitz und sagte nachher zu Pannewitz: «Einen wie dich könnten wir brauchen – aber du bist viel zu fett.»

Das motivierte das schlampige Talent. Pannewitz vereinbarte mit Thiele, dass er abnehmen werde, wenn er dafür eine Chance in Jena bekomme. 29 Kilo sind inzwischen weg – durch den Verzicht auf Zucker, Kohlenhydrate und Alkohol. Statt Bier trinkt der Fussballprofi in spe nur noch Wasser. «Dass ich diese Möglichkeit bekomme, ist ein Wunder. Ich will beweisen, dass das nicht alles gewesen sein kann. Ich möchte zurück in den Profifussball», sagte er zur «Bild»-Zeitung.

Jenas Sportdirektor Kenny Verhoene, dessen Team kommende Saison in der 3. Liga spielt, traut Pannewitz zu, den Sprung zu schaffen: «Wenn er sein Talent abrufen kann, könnte er ein überraschender Zugang werden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.07.2017, 13:17 Uhr

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