Ärger in Nahost

Der einstige GC-Stürmer Munas Dabbur darf wegen seiner Herkunft nicht ins Trainingslager nach Dubai reisen. Das sorgt für Zunder.

War Red Bull im Fall von Munas Dabbur zu naiv?

War Red Bull im Fall von Munas Dabbur zu naiv? Bild: Reuters

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Unzählige Fussballclubs verbringen ihre Trainingslager im Winter auf der Arabischen Halbinsel. In Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), der FC Bayern war sogar einst in Saudiarabien. Das kommt nicht überall gut an, vor allem Menschenrechtsorganisationen prangern diese Aufenthalte regelmässig an. Die Clubs kollaborierten mit autoritären Regimes, ist ihr Argument. Auf den Baustellen der WM 2022 in Katar schuften die Angestellten fast ohne Rechte.

Eine andere Problematik mit Reisen in diese Länder bekam Munas Dabbur zu spüren, der ehemalige Stürmer der Grasshoppers. Inzwischen in Diensten von Red Bull Salzburg, durfte der 24-jährige Israeli aufgrund seiner Herkunft nicht fürs Trainingslager in Dubai einreisen. Stattdessen musste er mit Salzburgs Partnerteam Liefering nach Andalusien fliegen und sich mit dem Zweitligisten auf die Rückrunde vorbereiten.

Dem siebenfachen Nationalspieler Dabbur half auch nicht, dass er muslimischen Glaubens ist – allein der israelische Pass genügt den Behörden in den VAE in der Regel, einer Person die Einreise zu verweigern. Im Fall des früheren GC-Spielers reagierten die Behörden nicht einmal auf das Visumsgesuch aus Österreich.

Wie «Der Standard» schreibt, habe sein Club zu wenig Zeit eingeplant für das Bestellen einer Einreisebewilligung – dass die Problematik besteht, ist schliesslich bekannt. Der Vorwurf der Naivität steht so im Raum. Der deutsche Bundesligist Frankfurt hatte sich schon Mitte Dezember um ein Visum für seinen israelischen Spieler Taleb Tawatha bemüht und nach einem ersten negativen Bescheid den Gang an die Öffentlichkeit gesucht und gedroht, das gesamte Trainingslager in Abu Dhabi abzusagen. Danach klappte es plötzlich mit der Zusage.

Rückgrat gefordert

Von Salzburg gab es keine derartigen Druckversuche an die Adresse des Wüstenstaats – was Paul Haber bedauert. Der renommierte Sportmediziner und Präsident des grossen jüdischen Sportclubs Hakoah Wien kritisiert im «Standard» die Vereinsleitung und hätte sich eine andere Reaktion gewünscht: «Das Trainingslager hätte abgesagt gehört. Die ganze Mannschaft hätte nach Spanien fliegen sollen.»

Haber geht gar noch einen Schritt weiter und fordert ganz generell, dass Länder, die Sportlern die Einreise verweigern, vom internationalen Sport boykottiert werden. Da aber selbst die grössten Teams Sponsorengelder aus der Region erhalten – der FC Barcelona zum Beispiel – macht sich Haber kaum Illusionen. Er sagt: «Rückgrat zu zeigen, ist keine allgemein verbreitete Haltung.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2017, 21:11 Uhr

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