Diese 4 Teams sind die Titel-Favoriten

Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat alle WM-Teilnehmer analysiert: Unsere Tipps.

32 Mannschaften – ein Pokal. Wer wird ihn am Schluss in den Händen halten?

32 Mannschaften – ein Pokal. Wer wird ihn am Schluss in den Händen halten? Bild: Keystone

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Ab dem frühen Donnerstagabend kämpfen sie um diese eine rund sechs Kilogramm schwere Trophäe. 32 Mannschaften aus aller Welt treffen sich in Russland zum Sportevent des Jahres, von Australien bis Panama, von Brasilien bis Südkorea. Einige mit grossen Chancen, andere mit geringen Aussichten. Wer wird der Nachfolger der deutschen Nationalmannschaft, die den Titel 2014 errang? Deutschland selbst? Brasilien? Oder doch ein Aussenseiter? Wir haben die Mannschaften unter die Lupe genommen.

Die Titelanwärter

Brasilien – Eine Art Weltauswahl

Brasilien stellt an der WM ein All-Star-Team, es ist eine Art Weltauswahl, welche die Hoffnungen in der Heimat auf den sechsten Titel befeuert. AS Roma; Manchester City, PSG, Inter, Real Madrid; Barcelona, Real Madrid, Barcelona; Chelsea, Manchester City, PSG. Erste Optionen: Manchester City, PSG, Manchester City, Juventus, Liverpool. Die Namen dazu: Alisson; Danilo, Thiago Silva, Miranda, Marcelo; Paulinho, Casemiro, Coutinho; Willian, Gabriel Jesus, Neymar. Optionen: Ederson, Marquinhos, Fernandinho, Douglas Costa, Roberto Firmino.

Ist es bloss Understatement? Ein brasilianischer TV-Reporter ist beeindruckt vor der Schweiz. Video: Tamedia

Der Rekordweltmeister ist also Topfavorit, zumal Neymar nach über drei Monaten Verletzungspause in den Tests gegen Kroatien und Österreich ein grandioses Comeback mit zwei Traumtoren gefeiert hat. Der teuerste Fussballer der Welt möchte bei der Wahl des Weltfussballers endlich die Seriensieger Cristiano Ronaldo und Lionel Messi ablösen.

Drei kleine Fragezeichen bleiben: Wie stark fehlt der verletzte Rechtsverteidiger Dani Alves (PSG)? Wie stabil ist die zentrale Abwehr mit den nicht mehr ganz so jungen Thiago Silva und Miranda (beide 33)? Und: Wird der erfolgreiche Trainer Tite in seinem 4-3-3-System stets den Mut haben, Coutinho ins Mittelfeld zu stellen - oder verstärkt er mit Fernandinho im späteren WM-Verlauf die Aspekte Sicherheit und Stabilität?

Brasiliens Legende Roberto Carlos hält ebenfalls viel von der Schweiz. Video: Tamedia

Deutschland – Unruhe und Formschwäche

Der deutsche Fan rümpft die Nase. Er pfeift. Er signalisiert: So kann das nichts werden in Russland. Zuerst posieren die Nationalspieler Özil und Gündogan auf einem Foto stolz mit dem türkischen Präsidenten Erdogan, was schon einmal für grössten Unmut sorgt. Und dann tritt das Team so auf, dass alle Alarmglocken losgehen. Der Titelverteidiger verliert in Österreich 1:2, müht sich gegen Saudiarabien zu einem 2:1. WM-Form? Ist etwas anderes.

Fans fiebern mit der deutschen Nationalmannschaft. Video: Tamedia

Trotzdem tut man sich schwer, Deutschland tiefer einzustufen. «Wir haben pflichtbewusste Spieler, die wissen, worauf es ankommt», betont Khedira; «Deutschland braucht sich keine Sorgen zu machen. Wir sind eine Turniermannschaft», sagt Reus. Und Löw, der Trainer? «Ich mache mir Gedanken, aber keine Sorgen. Wenn das Turnier losgeht, werden wir bereit sein.» Immerhin einen Lichtblick gab es in der Vorbereitung: Manuel Neuer kehrte nach monatelanger Verletzungspause ins Tor zurück und meldete vor dem Abflug nach Russland: «Mir gehts gut, ich habe keine Beschwerden.»

Frankreich – Die Balance halten

Frankreich ist an grossen Turnieren immer alles zuzutrauen. Positiv. Aber auch negativ. Es deutet vieles darauf hin, dass der Weltmeister 1998 und Finalist 2006 in Russland um den Titel mitspielen wird. Das Kader ist exzellent, es besitzt Härte und Erfahrung, Finesse und Talent. Und auf fast jeder Position bemerkenswerte Optionen. Die Abwehr dirigiert Raphael Varane, im Mittelfeld sorgen Ngolo Kanté und Paul Pogba für Dominanz, ganz vorne verspricht ein Angriff mit Kylian Mbappé, Antoine Griezmann sowie Ousmane Dembelé viel Spektakel.

Entscheidend wird sein, ob der Teamgeist in der Auswahl stimmt. Und ob es Didier Deschamps gelingen wird, die Balance im Team zu halten. Als Mittelfeldstratege gewann er 1998 mit Frankreich die Weltmeisterschaft. 20 Jahre später sagt der Trainer: «Wir haben eine aufregende Mannschaft. Aber wir müssen mit kühlem Kopf agieren.»

Argentinien – Weltmeisterliche Offensive

«Wir sind nicht Topfavorit», sagt Lionel Messi. «Aber wir standen 2014 im Final gegen Deutschland und verloren erst in der Verlängerung. Wir werden alles geben, um es diesmal noch besser zu machen.» Die Offensive um Messi ist locker weltmeisterlich, mit Paulo Dybala, Gonzalo Higuain, Sergio Agüero, Angel di Maria. Weltklassestürmer Mauro Icardi von Inter wurde nicht mal aufgeboten. Je weiter hinten im Team aber, desto schwächer ist Argentinien besetzt. Die Abwehr ist vor allem robust, aber eher langsam. Und im Tor fehlt Stammkeeper Sergio Romero verletzt. Seine Ersatzleute sind von bescheidener Qualität.

Die Herausforderer

Belgien – Mehr als ein Geheimfavorit

Die Qualifikation brachten die Belgier schnörkellos hinter sich: 28 Punkte in 10 Spielen, 43:6 Tore. Und sie, die zum 13. Mal an einer WM teilnehmen, gelten als Kandidat, der es weiterbringen kann als bis in den Viertelfinal wie 2014. Für den deutschen Bundestrainer Joachim Löw gehört Belgien «zum absoluten Favoritenkreis».

Kevin De Bruyne, Eden Hazard, Romelu Lukaku, Michy Batshuayi, Dries Mertens und viele mehr - die Mannschaft verfügt über enorm viel Talent und hat den Anspruch, den guten Ruf mit entsprechenden Resultaten zu bestätigen. Sie hat zudem seit zwei Jahren mit Roberto Martinez einen Coach, der grosse Akzeptanz geniesst und sich entschlossen hat, auch über den Sommer hinaus im Amt zu bleiben. Mitte Mai verlängerte er seinen Vertrag bis 2020.

England – Die riesengrosse Sehnsucht

Die Hymne der Lightning Seeds ist unvergänglich. «Drei Löwen auf dem Trikot / Der Jules-Rimet-Pokal strahlt noch immer / 30 Jahre lang nur Schmerzen / Hielten mich nie vom Träumen ab.» 1996 sangen sie es, als der Fussball für die Europameisterschaft nach England zurückkehrte, 30 Jahre nach dem Gewinn der WM im Wembley.

Und jetzt sind schon wieder 22 Jahre vergangen, in denen die Engländer noch immer sehnsuchtsvoll zurückschauen und davon träumen, wieder einmal ganz oben zu stehen. Coach Gareth Southgate hat eine beschränkte Auswahl, weil die Premier League wegen des vielen Geldes von Gastarbeitern überflutet wird. Einige talentierte Spieler hat er trotzdem in seinem Kader, Kane, der Captain vor allem, Vardy, Alli, Walker, Sterling, Rashford. Das müsste reichen, um sich nicht wieder gleich so zu blamieren wie 2016 an der EM gegen Island.

Portugal – CR7, CR7, CR7? Nicht nur

Die Portugiesen zählen eigentlich immer, wenn sie an einem Turnier teilnehmen, zu den ersten Herausforderern der Topfavoriten. 2016 gelang an der EM endlich ein grosser Triumph. Dank Cristiano Ronaldo. Aber nicht nur wegen des Superstars. Und der Europameister ist an der WM sogar noch stärker einzuschätzen als vor zwei Jahren.

Die zahlreichen herausragenden, technisch brillanten Talente sind erfahrener geworden. Ronaldo ist in neuer Rolle als Strafraumspieler erfolgreich, gefährlich und torhungrig wie immer. CR7 will seine grossartige Karriere in den nächsten Wochen in Russland krönen. Die Problemzone ist die Innenverteidigung mit den alten Pepe (35 und mittlerweile bei Besiktas) und José Fonte (34 und mittlerweile in China). Ein WM-Titel wäre eine Überraschung. Aber das war der Gewinn der Euro 2016 in Frankreich ebenfalls.

Spanien – Einen Stern verloren

Eigentlich war alles ganz anders geplant. Doch dann das: Die Spanier trennen sich per sofort von ihrem Coach Julen Lopetegui und veranstalten am Vorabend der WM ein Chaos, wie das normalerweise zu diesem Zeitpunkt vor einer WM nur ganz selten passiert.

Dabei war schon alles angerichtet für die «furia roja», die rote Furie. Mit einer Serie von 20 Spielen ohne Niederlage war sie nach Russland gereist und mit einem Trainer, der als Hauptverantwortlicher für ihre Rückkehr auf höchstes Niveau gefeiert wurde. Das Torverhältnis von 61:13 seit 2016 deutet an, dass sie im Abschluss wieder weit effizienter ist als in den schwierigen Jahren zuvor.

Unruhe bei Spanien: Zwei Tage vor dem WM-Start wird Trainer Lopetegui entlassen. Video: Tamedia

Dank all dem konnte es keine Frage sein, sie zu den Fünfsternfavoriten zu zählen. Und dank Spielern wie De Gea, der überragend hält, wenn er nicht gerade unkonzentriert ist wie zuletzt gegen die Schweiz; dank Sergio Ramos und Piqué, den alten Haudegen im Abwehrzentrum; dank Iniesta, der letztmals auf grosser Bühne auftritt, dank David Silva und Busquets, dank Offensivkräften wie Isco, Diego Costa, Asensio.

Weil nun keiner weiss, was die Revolution kurz vor der WM mit den Spielern macht, werden sie fürs Erste nur noch bei den Mitfavoriten geführt. Das sind aber immer noch genug, um trotz allem Weltmeister werden zu können.

Wo stehen die restlichen Teams? Und wer hat Potenzial zur Überraschungsmannschaft? Das sehen Sie in unserer Bildstrecke:

(pmb, ths, fra, fdr)

Erstellt: 14.06.2018, 11:10 Uhr

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